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Schlange stehen und 2G-Nachweiskontrolle statt Aufwärmen und gemütliches Beisammensitzen: Auch in diesem Jahr bestimmt die Pandemie die Ausgestaltung der Vesperkirche. Dankbar angenommen wird die tägliche Essensausgabe nichtsdestotrotz. 

Bedürftige stehen gleich Schlange: Große Resonanz zum Auftakt der Pforzheimer Vesperkirche

Pforzheim. „Das Unmögliche zu versuchen, um das Mögliche zu erreichen“, lautet das Leitmotiv der ökumenischen Vesperkirche, die am Sonntag gestartet ist. Seit 23 Jahren öffnet die Stadtkirche im Winter vier Wochen lang ihre Türen, um Bedürftige täglich mit einer warmen Mahlzeit zu versorgen.

Den Gründern sei das Vorhaben vermutlich erst einmal unmöglich erschienen, sagt die evangelische Dekanin Christiane Quincke im Eröffnungsgottesdienst. Trotzdem seien sie das Vorhaben ganz nach dem diesjährigen Motto, einem Hermann-Hesse-Zitat, angegangen. Damals mussten ein Ort gefunden, Helfer zusammengebracht, die Finanzierung organisiert, Vertrauen aufgebaut werden. Heute läuft all das problemlos.

Viele bringen sich ein

Der 2011 gegründete Verein Ökumenische Vesperkirche Pforzheim steht auf finanziell gesunden Beinen, berichtet der Vorstandsvorsitzende Thomas Lutz. Das machen Spenden von Bäckern, Metzgern, Supermärkten und anderen Lebensmittelherstellern, aber auch Privatpersonen, Verbände und lokale Unternehmen möglich. Die PZ-Hilfsaktion „Menschen in not“ bringt sich in großem Stil ein. „Da schlägt das sozial-karitative Herz der Stadt“, lobt der katholische Dekanatsreferent Tobias Gfell die breite Hilfsbereitschaft der Pforzheimer. Die Aktion hat sich mit bis zu 600 Essensausgaben pro Tag etabliert und wurde mit der Suppenküche aufs ganze Jahr ausgeweitet.

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Auch an der Spitze der evangelischen Kirche in Pforzheim steht eine Frau: Dekanin Christiane Quincke. Foto: Meyer

Doch Corona macht Einschränkungen unausweichlich. Vieles muss wie im Vorjahr entfallen. Statt zusammenzusitzen und sich aufzuwärmen, stehen die Kunden Schlange, lassen ihren Impfstatus überprüfen, nehmen das Essen mit nach Hause. Vor allem den Austausch vermissen viele, so wie der 61-jährige Uwe. Er ist froh, dass zumindest die Suppenküche ihre Tische weiter zur Verfügung stellen konnte. Dort gelten Bedingungen wie in der Gastronomie.

Einschränkungen schmerzen

Die große Nachfrage bei der Vesperkirche ist mit dem Konzept jedoch nicht zu bewältigen. „Wir geben derzeit das Geringste, was wir bieten können“, sagt eine der hauptverantwortlichen Ehrenamtlichen, Gaby Schulz. Es gibt Obst, Wurst, Käse, Brot und ein vollwertiges eingeschweißten Mittagessen plus Dessert für einen Euro. Die Abschlussandacht und Angebote wie ein Friseur und Hausarzt vor Ort entfallen. Anstatt insgesamt 430 Helfer und 60 pro Tag, verteilen nur 60 in Gruppen von 20 Personen die Essenportionen, um das Ansteckungsrisiko gering zu halten. Auch die 2G-Regel soll die Menschen schützen, so sehr es im Herz wehtut, jemanden wegzuschicken, sagt Lutz. Uwe Riehl von der Diakonie empfiehlt, an Freunde und Nachbarn zu denken und ihnen Essen mitzubringen, falls sie selbst nicht kommen können. Jeder darf zwei Tüten mitnehmen.