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Wollen Trauernden zur Seite stehen und ihnen im Lebenscafé neuen Mut machen: die ehrenamtliche Mitarbeiterin des Ambulanten Hospizdiensts Pforzheim Martina Hermann-Schick (links) und Koordinatorin Theresia Kraft. Foto: Seibel Seibel
Wollen Trauernden zur Seite stehen und ihnen im Lebenscafé neuen Mut machen: die ehrenamtliche Mitarbeiterin des Ambulanten Hospizdiensts Pforzheim Martina Hermann-Schick (links) und Koordinatorin Theresia Kraft. Foto: Seibel Seibel
18.09.2015

Begleiter auf dem Weg zurück ins Leben

Theresia Kraft und Martina Hermann-Schick betreuen Trauernde. Das Lebenscafé will Unterstützung nach einem Todesfall geben.

Der Tod hat Theresia Kraft viel beigebracht. Zum Beispiel, dass das Leben voller kleiner Abschiede ist. „Früher habe ich immer auf dem Absatz kehrt gemacht und bin gegangen“, sagt die Koordinatorin des Ambulanten Hospizdiensts Pforzheim. Heute wissen Kraft und die ehrenamtliche Mitarbeiterin Martina Hermann-Schick, dass man sich Abschiede bewusster machen, sie gestalten muss und nicht im Unfrieden gehen sollte. „Man weiß ja theoretisch nicht, ob man den anderen wiedersieht“, erklärt Hermann-Schick.

Viele Sätze im Konjunktiv

Es ist eine Erfahrung, die die beiden während ihrer langjährigen Tätigkeit gemacht haben. Denn immer wieder werden sie bei der Begleitung von Sterbenden und ihren Angehörigen mit Sätzen im Konjunktiv konfrontiert. „Ich hätte vielleicht doch noch darüber sprechen sollen“, ist einer davon. „Ich hätte ihn noch besser unterstützen sollen“, ein anderer. Kraft und Hermann-Schick wissen, dass Trauernde oft ein schlechtes Gewissen plagt. Dass Angehörige glauben, nicht genug für ihre Lieben getan, vor deren Tod nicht alles gegeben zu haben. „Wir versuchen dann, sie von diesem Gefühl zu entlasten oder Möglichkeiten der fiktiven Zwiesprache nach dem Tod aufzuzeigen“, sagt Kraft.

Um Unterstützung, Ermutigung und den Brückenbau zurück in den Alltag geht es auch im Lebenscafé, das nun ein kleines Jubiläum feiert. Vor genau zehn Jahren hat es der Ambulante Hospizdienst ins Leben gerufen, um Familien nicht nur bis zum Tod eines Angehörigen zu begleiten, sondern auch darüber hinaus.

Seit 2005 können sich Trauernde dort jeden dritten Samstag im Monat mit anderen Trauenden treffen. Es sind meist zwischen acht und zehn Personen, mehr Frauen als Männer im Alter ab 60 Jahre, die sich seit neuem in den Räumen der Thomasgemeinde einfinden. Bei Kaffee und Kuchen können sie sich austauschen und über persönliche Erfahrungen sprechen.

Später zünden dann alle Teilnehmer ein Teelicht auf einem Tablett an, das an ihre Verstorbenen erinnert. Dann setzen die drei Mitarbeiter des Lebenscafés ein bestimmtes Thema. Etwa das erste Weihnachten nach einem Todesfall. Auch die Alltagsgestaltung oder das Verhalten bei Unsicherheit wird besprochen. Denn oft gestellte Fragen lauten, ob man sich schwarz anziehen muss oder ob der Ausbruch von Tränen peinlich ist. „Wir versuchen, die Menschen zu ermutigen, in sich hineinzuhören, was ihnen guttut, und sich auch abzugrenzen, egal, was die Nachbarn sagen“, fasst Hermann-Schick zusammen.

Trauernde schotten sich oft ab

Das Lebenscafé findet jeden dritten Samstag im Monat von 15 bis 17 Uhr statt. Zum heutigen zehnjährigen Jubiläum kommen auch die Klinikclowns „Rote Nasen“, die belasteten Menschen Freude bereiten wollen. Das Lebenscafé findet in den Räumen der Thomasgemeinde, Karl-Bührer-Straße 5, statt.

Mehr darüber lesen Sie am Samstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news .