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Auf dem Campus der Hochschule Pforzheim soll das ZPT gebaut werden. Foto: Ketterl
Auf dem Campus der Hochschule Pforzheim soll das ZPT gebaut werden. Foto: Ketterl
Die Veranstaltungen im Enzauenpark (hier: das Lichterfest) gehören zu den möglichen Einsparungen, um das ZPT zu finanzieren. Die Stadt will dafür ohnehin wohl private Veranstalter finden. Foto: Ketterl/PZ-Archiv
Die Veranstaltungen im Enzauenpark (hier: das Lichterfest) gehören zu den möglichen Einsparungen, um das ZPT zu finanzieren. Die Stadt will dafür ohnehin wohl private Veranstalter finden. Foto: Ketterl/PZ-Archiv
11.07.2017

Beherztes Ringen um Zentrum für Präzisionstechnik

Die Uhr tickt. Es geht um ein Zukunftsprojekt für die Goldstadt, die gerade das 250-jährige Bestehen der Schmuck- und Uhrenindustrie feiert. Abgestimmt wurde am Dienstag im gemeinderätlichen Wirtschaftsförderungsausschuss nicht. Doch die zweistündige Diskussion im Ratssaal machte deutlich, wie schwer es den Verantwortlichen fällt, die Finanzierung für das geplante Zentrum für Präzisionstechnik (ZPT) in Pforzheim zu stemmen.

Die CDU-Fraktion signalisierte Zustimmung, während sich die SPD-Fraktion aufgrund der offenen Finanzierungsfragen – trotz grundsätzlicher Unterstützung des ZPT – zurückhält und sich wohl auch inhaltlich uneins ist. Ihr Fachsprecher Jens Kück warb nochmals leidenschaftlich für das regionale Leuchtturmprojekt, auch wenn er gestern den Verzicht auf die Abstimmung gewünscht hatte. Aus den kleineren Fraktionen waren überwiegend grundsätzlich positive Aussagen zu vernehmen.

Einsparung auch bei Events?

Einsparungen bei den Bädern, bei Veranstaltungen im Enzauenpark (von denen sich die Stadt als eigener Veranstalter ohnehin eher trennen will, wie im weiteren Sitzungsverlauf deutlich wurde, ähnlich wie von der Bertha-Benz-Fahrt) und in der Kreativwirtschaft will man dafür aber eher nicht in Kauf nehmen. Eindeutig positionierte sich indes Stadtrat Joachim Bott (WiP/Linke): „Das ZPF ist ein Hoffnungsträger“, machte er deutlich.

Nur noch bis Ende Juli hat die Stadt Pforzheim Zeit, um dem Regierungspräsidium Karlsruhe ein tragfähiges Finanzierungskonzept für das ZPT vorzulegen. Zeitdruck sei kein guter Ratgeber für strategische Zukunftsentscheidungen, bremste der Pforzheimer Unternehmer Patrick Stöber allzu euphorische Erwartungen. Das Projekt würde zwar vom Land Baden-Württemberg und mit EU-Geldern gefördert. Doch die Goldstadt muss das zu erwartende jährliche Betriebskostendefizit von 373.000 Euro übernehmen – alleine schafft man das nicht. Zuletzt hatte der Erste Bürgermeister Dirk Büscher versucht, die Karlsruher Regierungspräsidentin Nicolette Kressl noch vom Projekt zu überzeugen.

Es geht dabei um zusätzliche Einsparungen im Haushalt der städtischen Eigengesellschaft Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP) von jährlich 260.000 Euro. So sollen durch personelle Umstrukturierungen Netto-Einsparungen von rund 150.000 Euro erzielt werden. Weitere Kürzungen im Bereich Hochschulservice, der Kreativwirtschaft und der Förderung des „Goldliner“-Busses wären dafür notwendig. Bereits im April hatte der Enzkreis zugesagt, das ZPT mit einem Betriebskostenzuschuss in Höhe von jährlich 100.000 Euro zu unterstützen. 50.000 Euro müsste die Wirtschaft selbst aufbringen.

Nach Aussage von Wirtschaftsförderer Reiner Müller sind 80 Prozent der befragten Präzisionstechnik-Unternehmen für das ZPT – der Rücklauf lag bei 30 Prozent. Ob der Rückhalt aus der Wirtschaft tatsächlich so groß ist, wurde von einigen Ausschussmitgliedern in Frage gestellt. IHK Nordschwarzwald und Hochschule sehen in dem Projekt eine große Chance. Jetzt muss der Finanzausschuss des Gemeinderats die nötigen Einsparbeschlüsse fassen.

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