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Der Vereinsvorsitzende Bruno Klopfer (links) und „miteinanderleben“-Geschäftsführer Norbert Bogner durchschneiden das Einweihungsband.  Foto: Moritz 
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Wie zu Zeiten des Schlussverkaufs – nur dass es sich bei der Öffnung der Pforten von „mlkauf“ an der Naglerstraße um eine Premiere und den Tag der offenen Tür handelt. Auf 800 Quadratmetern und zwei Stockwerken wird gutes Gebrauchtes an Mann und Frau gebracht. Moritz 
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Michael Schmalzl verantwortet den Lego-Bereich – hier vor einen Großmodell.  Foto: Moritz 
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Eigentlich gibt es nichts, was es nichts gibt bei „mlkauf“. 

Beim Gebrauchtwaren-Tempel „mlkauf“ kauft man guten Gewissens ein

Pforzheim. Der neue Gebrauchtwaren-Tempel von „miteinanderleben“ präsentiert sich den Eröffnungsgästen beim Tag der offenen Tür. Das Ziel ist auch die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in die Arbeit im Sozialkaufhaus.

Nach den kräftezehrenden letzten Tagen darf man mit Fug und Recht annehmen, dass die Mitarbeiter des Vereins und der gemeinnützigen Service GmbH von „miteinander leben“ todmüde, aber glücklich ins Bett gefallen sind nach dem Tag der offenen Tür. Noch haben sie den „flow“, das emotionale Hochgefühl, das sie durch den Tag trägt.

„Die Nächte waren sehr lang“, sagt Geschäftsführer Norbert Bogner, nachdem er das Band durchschnitten hat, das die inneren Werte von „mlkauf“ von den zahlreichen Besuchern getrennt hat. Jetzt strömen sie, neugierig und erwartungshungrig. Viele von ihnen kennen das Prinzip vom ehemaligen GBE-Second-hand-Palast im nahen ehemaligen Posthof gekannt – wie der Puppenspieler Raphael Mürle („Mottenkäfig“), der sich dort zum Teil mit gebrauchten Kinderkleidern für seine Marionetten eingedeckt hat.

Bald bildet sich eine Schlange, die von der Kasse bis nach hinten zur Cafeteria reicht. Burgunder-Kelche, Bücher, DVDs – das Angebot ist riesig, die Preise schmal. Und gewinnen tun sie alle: die, die gute Gebrauchtware abgeben, um sich mit Neuem einzudecken – und so den Weg frei machen für Andere wie beispielsweise größere Familien oder Studenten in ihrer WG.

Und natürlich den Beschäftigten, darunter Menschen mit Handicaps, denen „miteinanderleben“ – und damit auch neben den zahlreichen andere Angeboten – „mlkauf“ die Möglichkeit bietet, am Leben teilzuhaben. Das ist auch der Grund, weshalb „Menschen in Not“ (MiN) die Einrichtung mit einer Spende von 40.000 Euro unterstützt.

Dass das mit der Inklusion nicht immer so war – und zum Teil immer noch nicht so ist –, darüber diskutieren unter anderen die erblindete Hanseatin Dörte Maack, der durch einen Gleitschirm-Unfall seit 25 Jahren querschnittsgelähmte Thomas Anderer (seit Jahresbeginn bei „miteinanderleben“), der Vereinsvorstandvorsitzende Bruno Klopfer und sein Vize Roger Schreiber, Geschäftsführer Bogner, die Enzkreis-Behindertenbeauftragte Anne Marie Rouvière-Petruzzi und die ml-Beschäftigte Bianca Schmitz. Grundtenor: Inklusion ist unverzichtbar – denn es kann jeden treffen, jederzeit. Maack: „Es geht darum, Barrieren zu überwinden – vor allem in den Köpfen.“

Olaf Lorch-Gerstenmaier

Olaf Lorch-Gerstenmaier

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