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In engem Schulterschluss spielte das Südwestdeutsche Kammerorchester mit dem voluminösen Ungerer Werkchor. Foto: Meyer
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Meister des Orgelspiels: Martin Wessinger. Foto: Meyer
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Eine imposante Kulisse in der Pforzheimer Stadtkirche. Der mächtige Ungerer Werkchor und das Südwestdeutsche Kammerorchester nahmen den Altarraum ein, über 500 Gäste füllten den Kirchenraum. Foto: Meyer

Benefizkonzert: Ungerer Werkchor und SWDKO spielen für „Menschen in Not“

Pforzheim. Advent und fröhliche Weihnachtszeit, wie sie früher waren, mit traditionellen Weihnachtsliedern und stimmungsvollen Musikstücken, mit der biblischen Erzählung von Maria, Joseph und der Geburt des Jesuskindes, mit Stille und besinnlicher Einkehr – gibt es das noch?

Besinnliches Benefizkonzert weckt Vorfreude auf Weihnachten
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Besinnliches Benefizkonzert weckt Vorfreude auf Weihnachten

Bei dem wunderschönen Benefizkonzert für die PZ-Hilfsaktion „Menschen in Not“, das am Samstagabend in der bis auf den letzten Platz besetzten Pforzheimer Stadtkirche die Zuhörer erfreute, war all das zu erleben. Solche Konzerte haben ihre eigenen Regeln. Honorar-Verzicht und ehrenamtliche Mitarbeit der Veranstalter sind die eine Seite. Das Publikum, das nicht nur gute Musik hören, sondern mit dem Kauf der Eintrittskarten bewusst einen guten Zweck honorieren möchte, die andere Seite. Freilich konnte der vorweihnachtliche Konzertabend im Rahmen der von Albert Esslinger-Kiefer, dem Verleger der Pforzheimer Zeitung, ins Leben gerufenen Spendenaktion stolz mit zusätzlichen Besonderheiten aufwarten. Denn hier hatten sich musikbegeisterte Laien und Konzertprofis zu einer musizierenden Gemeinschaft zusammengefunden, um Gutes zu tun.

Die Schönheit des Chorgesangs

Da demonstrierte der Ungerer Werkchor Pforzheim, ein Zusammenschluss von rund 60 sangesfreudigen Mannsbildern, die Schönheit selbstbewussten Männer-Chorgesangs, ein Kulturgut, das nicht mehr häufig anzutreffen ist. Ihr erdig warmer Stimmklang, ihre mit Leidenschaft, Disziplin und Natürlichkeit vorgetragenen Weihnachtslieder weckten Kindheitserinnerungen und begeisterten.

Orgelbegleitet eröffneten sie von der Kirchenempore aus mit Georg Friedrich Händels Jubelchor „Tochter Zion freue dich“ das Konzert. Selten hört man das Hosianna, den Freudenruf, so kraftvoll intoniert. Ähnliches Lob gebührt den folgenden, im Altarraum gesungenen Wiedergaben von Arnold Kempkens „Herbei, o ihr Gläubigen“, und Heinrich Paulsens „Als die Welt verloren“ mit einem fulminant herausgestellten „Gloria in excelsis Deo“. Das zum Kaufhaus-Gedudel verkommene „Süßer die Glocken nie klingen“ führte der famose Werkschor in seine ursprüngliche Klangschönheit zurück. Ludwig van Beethovens ebenfalls à cappella gesungene „Hymne an die Nacht“ entfaltete erbauliche Ruhe und Gelassenheit.

Mehrfach begleitete das von Konzertmeister Friedemann Breuninger angeführte Südwestdeutsche Kammerorchester (SWDKO) mit einfühlsam weichem Streicherklang den Chorgesang, auch die althergebrachten Kirchenlieder „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ und „Es ist ein Ros entsprungen“. Freilich, wer hätte gedacht, dass dieses renommierte, auf klassische Kammermusik abonnierte Ensemble einmal sehr gefühlsbetont das weihnachtliche Kinderschlafliedchen „Heidschi bumbeidschi“ einleiten und musikalisch untermalen würde? Natürlich steuerte das Kammerorchester auch gediegene Kostproben aus seinem Repertoire zum Konzert bei, unter anderem einen temperamentvoll interpretierten schnellen Satz aus der Symphonie A-Dur von Johann Stamitz, und im rhythmisch betonten Walzertakt die Weihnachtspassage aus Peter Iljitsch Tschaikowskys „Die Jahreszeiten“.

Und da waren noch zwei geradezu sensationelle gesangliche Höhepunkte: Vom SWDKO begleitet, präsentierte der Solotenor des Werkchors, Jürgen Misztl, mit feinem Timbre das „Ava Maria“ von Bach/Gounod und schmetterte auf Pavarottis Spuren das legendäre „Nessun Dorma“ aus Giacomo Puccinis Oper „Turandot“.

Im „Trommellied“ kamen auch das Schlaginstrument (Petro Lieberwirth), eine Mundharmonika (Heinz Weissflog) und das Klavier (Martin Wessinger auch an der Orgel) zu Wort. Aufmerksam, motivierend und schwungvoll leitete Bernhard Kleile, der Werkschor-Dirigent, das Weihnachtskonzert, das abschließend in das von allen Beteiligten und der ganzen Gemeinde gesungene und musizierte „Stille Nacht, heilige Nacht“ einmündete – jenes Lied, das in diesem Jahr im Salzburger Land seinen 200. Geburtstag feiert. Ein begeistertes Publikum dankte mit großem Applaus!