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Sie sind gut aufgelegt: Manfred und Teiko Loy mit Hund Lilly in ihrem Clement Bayard CB10.
Andreas Hänssler (rechts) und Beifahrer Jörg Knobloch verteilt Rosen im Ford A Roadster, Baujahr 1928, um die „Frau am Steuer“ zu ehren. Mit den „Rosen der Hoffnung“ wird das Hopp.Kindertumorzentrum Heidelberg unterstützt. Eickhoff
Moderator Johannes Hübner begrüßt Hans-Gert Schweigert und Katrin Bauch im Daimler Motoren Gesellschaft 400K von 1925.
06.08.2017

Bertha-Benz-Fahrt: 70 Teilnehmer kommen nach Pforzheim

"Frau am Steuer … Ungeheuer“, lautet noch immer die Stammtisch-Arroganz mancher Männer, obwohl es doch eine Frau namens Bertha Benz war, die im August 1888 das Gegenteil bewies, als sie zu einer wagemutigen Reise mit ihren beiden Söhnen auf dem Motorwagen von Mannheim aufbrach.

Bildergalerie: Bertha-Benz-Fahrer werden feierlich in der Innenstadt empfangen

Bildergalerie: Bertha-Benz-Fahrt macht kurzen Halt in Bauschlott

Am selben Abend ging das Telegramm bei ihrem Mann Carl ein: „Fahrt nach Pforzheim gelungen – Wir sind bei der Oma angekommen“. 129 Jahre später bestätigt Beate Schilling, dass Frau hinterm Steuer sehr wohl kann und parkt souverän ihren Ford A-Tudor von 1930 auf dem ihr zugewiesenen Platz neben einem zwanzig Jahre betagteren Adler 10/17 ein. „Wenn ich fahre, ist mein Mann der Lotse. Natürlich lass ich ihn auch mal hinters Lenkrad“, gibt Schilling zwinkernd zu und rückt ihr Spitzenkostüm zurecht. Das Paar will auffallen, so muss die Kleidung dem Wagen angepasst sein. Wird die Corvette aus den 1960ern ausgeführt, ist der Petticoat bei Schilling griffbereit.

Beschwerliche Fahrt

Es japst, röchelt und prustet, als sich die nächsten Oldies der Zielgeraden hupend nähern und von Moderator Johannes Hübner mit Präsent und Getränk empfangen werden. Bernhard und Christine Hübel, eingezwängt in ihrem Alfa Romeo RLS aus dem Baujahr 1922, zählen zu den Ersten, die sich einen Stellplatz im Fuhrpark auf dem Marktplatz sichern.

Für beide war es eine beschwerliche Fahrt am Samstag, vor allem für Hübners Rennfahrschuhe, die sich durch die Hitzeeinwirkungen im Fahrraum zum Teil aufgelöst haben. Aufgrund seiner 20 weiteren Oldtimer im Stall zu Hause, ist Ersatz schnell zur Hand. Rund 100 Kilometer von Mannheim bis Pforzheim haben die über 70 Teilnehmer hinter sich gebracht und dies am Sonntagmorgen bei der Rückfahrt erneut auf sich genommen. In gemäßigtem Tempo tuckern die Vier- und Dreiräder übers Land.

Unterstützer jubeln den Automobilisten auf der Strecke zu, Fotoapparate werden gezückt, es ist ein beliebtes Ereignis. Bereits zum 16. Mal rattern die Renaults, Delage und Cadillacs aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts über die Straßen von Mannheim nach Ladenburg, Neckarhausen mit der Fähre über den Neckar, weiter nach Leimen, Wiesloch, Mingolsheim, Odenheim, Münzesheim über Bretten nach Stein, zu einem kleinen Empfang der Gemeinde Eisingen und letztendlich nach Pforzheim. Auch in diesem Jahr wurde wieder ein Stopp in Bauschlott eingelegt – in Erinnerung daran, dass dort ein Schuster neues Leder auf die Bremsklötze des Fahrzeugs von Bertha Benz schlagen musste.

Ausschließlich Fahrzeuge aller Fabrikate bis zum Baujahr 1930 sind zur Bertha-Benz-Fahrt zugelassen, das sieht auch Manfred Loy in seinem Clement Bayard CB10 so: „Die älteren Modelle wollen unter sich sein, da passen so moderne Porsche und Mercedes aus den 50er- und 60er-Jahren nicht dazu.“ Der Fuhrpark ist voll, die Oldies glänzen frisch aufpoliert um die Wetter, Motorhauben werden geöffnet, es wird fachgesimpelt, auch der einsetzende Regen kann die enthusiastischen Besucher nicht vergraulen. Winfried Seidel vom „Allgemeinen Schnauferlclub“ (ASC) ist sehr zufrieden.

„Bis auf einen Reifenwechsel haben wir keine weiteren Pannen während der Fahrt zu verzeichnen.“ Neben dem ASC zählen noch die Traditionslandesgruppe Baden-Württemberg-Pfalz-Saar sowie das Automuseum Dr. Carl Benz aus Ladenburg als Veranstalter dazu. Wieder mit dabei ist der Deutsche-Post-Stand, der extra zur Bertha-Benz-Fahrt einen Sonderstempel auflegt.

Örtlicher Ausrichter ist der Fachbereich Citymarketing des Wirtschaft und Stadtmarketings Pforzheim (WSP). Zum Mitschunkeln haben Helmut Lehrke und Heinrich Cuntz mit Ehefrau Ingrid auf ihren Drehorgeln eingeladen und die nationalen und internationalen Veteranen gebührend empfangen. „Auch wenn es ein schönes Bild gibt, wenn die Oldtimer durch Pforzheims Innenstadt fahren, liebe ich doch das klassische Fotomotiv des Oldtimers vor malerischer Kulisse auf dem Land“, sagt WSP-Chef Oliver Reitz.