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Berufungsverfahren gegen Betreiber einer Pädophilie-Webseite: Der Angeklagte fühlt sich ungerecht behandelt.
Berufungsverfahren gegen Betreiber einer Pädophilie-Webseite: Der Angeklagte fühlt sich ungerecht behandelt. © Symbolbild: dpa
21.11.2012

Betreiber einer Pädophilie-Webseite vor Gericht

In erster Instanz war der Angeklagte im Dezember 2011 wegen der Verbreitung und des Besitzes von Kinderpornografie zu einer zehnmonatigen Haftstrafe verurteilt worden – dagegen hatte der 57 Jahre alte Mann aus Pforzheim jedoch Rechtsmittel eingelegt und so wird derzeit vor der Auswärtigen Strafkammer über die Berufung des Angeklagten verhandelt. Zwei Verhandlungstage wurden hierfür anberaumt.

Paul S. (Name geändert) wird vorgeworfen, auf seiner Internetseite – auf welcher er sich nach eigenen Angaben journalistisch und politisch mit dem Thema Pädophilie beschäftigt – einen Link auf eine weitere Seite im Internet gesetzt zu haben, von der aus man mit einem weiteren Klick auf eine von „wikileaks“ veröffentlichte Linksammlung mit Webseiten mit kinderpornografischen Inhalten gelangen konnte. Hierbei handelte es sich um eine dänische Sperrliste mit über 3800 Webseiten. Des weiteren wird Paul S. vorgeworfen im Besitz von kinder- und jugendpornografischem Material gewesen zu sein. Und er soll damit auch gehandelt haben.

Paul S. betonte in einer persönlichen Erklärung zu den Vorwürfen, dass die Setzung des Links von seiner Webseite legal gewesen sei und die Durchsuchung seiner Wohnung deshalb rechtswidrig war. Er sei die einzige Person, die wegen des Links verurteilt wurde, so Paul S. Weder der Betreiber des Blogs auf den er verlinkt habe, noch „wikileaks“ seien wegen der Linksammlung jemals belangt worden. Und was den Besitz der verschiedenen Filme angehe, diese seien keine Pornografie und zudem frei erhältlich, so der Angeklagte und zwei DVDs, die man bei ihm fand, hätten ihm überhaupt nicht gehört. „Ich fühle mich durch das Urteil des Amtsgerichts als Person kriminalisiert und diskriminiert“, so Paul S.

Auf die Frage von Richter Andreas Heidrich warum bei dem beschlagnahmten Material – es handelte sich insgesamt um über 800 DVDs – viele Filme in mehrfacher Kopie vorlagen, gab Paul S. ein „warum nicht?“ zur Antwort. Dieselbe Antwort erhielt auch Staatsanwältin Christine Roschinski, als sie Paul S. fragte, warum er so viele Datenträger mit nackten Kindern und Jugendlichen in seiner Wohnung habe. Es sei ja nicht verboten, fügte er hinzu.

Im Rahmen des Beweisverfahrens wurden einige der Filme angeschaut. Der Richter schloss hierbei die Öffentlichkeit vom Verfahren aus. Das Berufungsverfahren wird am Mittwoch, 05. Dezember um 10 Uhr fortgesetzt.

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