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Bild der Zerstörung: der Smart nach dem Unfall im September. Seibel/PZ-Archiv
06.07.2016

Betrunken im BMW Smart gerammt: Bewährungsstrafe für 28-Jährigen nach tödlichem Unfall

Pforzheim. Haarscharf an einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung ist am Mittwoch ein 28-jähriger Student bei Richterin Kehret „vorbeigeschrammt“.

Am 27. September gegen 10.45 Uhr hatte der Angeklagte auf der A 8 zwischen Pforzheim-West und -Nord einen Smart mit seinem BMW mit Tempo 130 bis 140 Kilometern pro Stunde beim Fahrspurwechsel gerammt und das mit zwei Personen besetzte Fahrzeug förmlich von der rechten Fahrbahn „gespitzt“, wie Staatsanwältin Liane Heide in ihrem Plädoyer ausführte.

Der 40-jährige Beifahrer erlag seinen schweren Verletzungen am 1. Oktober in einer Ludwigsburger Spezialklinik. Wie durch ein Wunder kam die Fahrerin mit nicht lebensbedrohlichen Blessuren davon. Der unauffällig wirkende Unglücksfahrer wies zur Verblüffung von Polizeibeamten und dem Arzt bei der Blutprobe einen Promillegehalt von fast 1,4 Promille auf.

Heide hatte für den Unglücksfahrer 15 Monate Haft ohne Bewährung beantragt. Er sei „absolut fahruntüchtig“ gewesen und habe die einfache Situation eines Überholvorganges auf freier Strecke nicht beherrschen können. Die Insassen des Smarts seien nur „zur falschen Zeit am falschen Ort“ gewesen. Sie seien völlig unschuldig mit etwa 90 Kilometern pro Stunde auf der rechten Fahrspur gefahren – Verteidiger Jürgen Rechenberger plädierte auf eine Bewährungsstrafe. Sein Mandant habe seinen Restalkoholgehalt so wenig richtig eingeschätzt wie die Verkehrssituation.

Richterin Kehret setzte die beantragten 15 Monate zur Bewährung aus. Allerdings: „Das war haarscharf“, sagte sie. Der Angeklagte hat 150 gemeinnützige Arbeitsstunden abzuleisten und 1000 Euro in monatlichen Raten an eine gemeinnützige Organisation zu zahlen.

Bildergalerie: Smart überschägt sich und brennt auf A8 aus

Der junge Mann hatte am Tag zuvor mit Freunden gefeiert, reichlich getrunken und hatte sich, müde und verkatert, am anderen Morgen in sein Auto gesetzt, um nach Hause, nach Geislingen, zu fahren. Eigentlich war die Fahrt erst gegen Abend vorgesehen gewesen, nach viel Schlaf und reichlichem Essen, aber es war alles anders gekommen. Nach dem Unfall konnte er weder in seinem Ferienjob weiterarbeiten, noch nach den Semesterferien wieder studieren. „So blöd es klingt, ich würde gern alles wieder rückgängig machen können“, sagte er kreidebleich.