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21.09.2009

Betrunkene Schlägerinnen schlagen zweiten Helfer

PFORZHEIM. Die 18-jährige mutmaßliche Haupttäterin bei der Prügel-Attacke auf einen 42-jährigen Streitschlichter am Freitag in der Innenstadt ist einschlägig vorbestraft und stand unter Bewährung. Zur Tatzeit war sie betrunken. Das unschuldige, immer noch im Krankenhaus liegende Opfer ist seit Montag wieder ansprechbar.

Staatsanwaltschaft und Polizei haben am Montag weitere Details zu dem Vorfall am Freitagabend an der Pforzheimer Leopoldstraße bekannt gegeben. Wie berichtet, hatten dort vier junge Frauen im Alter von 16 bis 18 Jahren einen 65-jährigen angepöbelt. Als ein 42-Jähriger dem Älteren zu Hilfe kommen wollte, wurde er selbst zum Opfer.

Als 14-Jährige aufgefallen

Im Wesentlichen wurde er geschlagen von einer 18-Jährigen und von einem hinzugekommenen 16-Jährigen, der laut Oberstaatsanwalt Christoph Reichert zuvor mit den jungen Frauen nichts zu tun gehabt hatte. Sowohl die vier jungen Frauen als auch der junge Mann seien polizeibekannt, die zwei mutmaßlichen Haupttäter sogar einschlägig wegen gefährlicher Körperverletzung. Gegen die 18-jährige mutmaßliche Haupttäterin war im Juni 2007 eine zur Bewährung ausgesetzte Jugendstrafe verhängt worden, wie Reichert auf Nachfrage der PZ sagte. Mit dem Gesetz war die junge Frau allerdings bereits zweimal als 14-Jährige in Konflikt geraten.

„Es wurde ihm zu heiß“

Ganz anders das 42-jährige Opfer. Er hatte laut Reichert mitbekommen, dass der ältere Mann in Bedrängnis war, hatte in einem nahe gelegenen Schnellrestaurant darum gebeten, die Polizei zu verständigen, und von dort offenbar den Eindruck gewonnen, dass schnelles Einschreiten erforderlich ist.

„Es wurde ihm zu heiß“, sagt der Staatsanwalt. In seinem Umfeld gilt der 42-Jährige als ruhig, überlegt und zurückhaltend. „Er schlichtet Streit, wo es geht“, sagt ein Familienmitglied. Auch an seinem Arbeitsplatz, einem größeren Pforzheimer Unternehmen, genießt er augenscheinlich im Kollegenkreis große Anerkennung: Seit vielen Jahren ist er dort Betriebsrat. Auch am Freitagabend wird sein Verhalten als besonnen geschildert.

Ein Augenzeuge berichtet, wie der 42-Jährige zu den jungen Frauen ging und ihnen sagte, sie sollten den Älteren in Ruhe lassen. Diese hätten mit Schreien reagiert. „Als wir etwa zehn Meter weit weg waren, habe ich ein lautes Klatschen gehört“, so der Zeuge weiter. „Als wir uns umdrehten, haben sie mit Fäusten und Ellbogen auf ihn eingeschlagen und nach ihm getreten. Ich habe sofort die Polizei gerufen. Da ist der Mann gestolpert und mit dem Hinterkopf auf dem Asphalt aufgeschlagen.“ Es sei alles so schnell gegangen, dass niemand vor dem allerdings sehr raschen Eintreffen der Polizei eingreifen konnte.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft stimmt das so nicht ganz: Es habe Umstehende gegeben, und es habe auch welche gegeben, die eingegriffen und zum Aufhören aufgefordert hätten, sagt Christoph Reichert. Dies habe womöglich weiteres verhindert, „Gott sei Dank.“
Einer dieser Eingreifenden habe anscheinend selbst einen Schlag abbekommen. Der 42-Jährige, dem es den Umständen entsprechend gut gehe, sei seit Montag ansprechbar.

„Anders als Endhaltestellen“

Nicht zuletzt wegen der Busse sind Leopoldstraße und Leopoldplatz bis Mitternacht selten völlig menschenleer. Sie werden darum beispielsweise von den Polizeistatistikern bis auf gelegentliche Einzelvorkommnisse und auch von den Busfahrern selbst nach Einbruch der Nacht eigentlich nicht als gefährliche Orte eingeschätzt. „Anders als manche dunkle Endhaltestelle“, wie Stadtverkehr-Chef Johannes Schwarzer sagt. Nun sucht die Polizei weitere Zeugen, besonders eine etwa 60-jährige Frau, die vor Ort an der Haltestelle gesessen hat.

Der zunächst angepöbelte 65-Jährige, dem nichts weiter widerfuhr, ist als Zeuge dagegen von geringem Nutzen. „Er hat keine genauen Erinnerungen an den Vorgang“, sagt Reichert. Es sei nicht auszuschließen, dass er die vier jungen Frauen provoziert habe. „Er war zur Tatzeit alkoholisiert.“ Damit hat der Mann eines mit den mutmaßlichen Angreiferinnen gemeinsam: Die waren, nachdem die Polizei sie nahe des Tatorts erwischt hatte, auf Alkohol getestet worden. Ergebnis: Die mutmaßliche Haupttäterin hatte 1,6 Promille im Blut, ihre Begleiterinnen zwischen 0,9 und 1,2 Promille.