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Parallele:  Auch der Fahrer des Unfall-Lasters von 1991 war betrunken. /PZ-Archiv
Parallele: Auch der Fahrer des Unfall-Lasters von 1991 war betrunken. /PZ-Archiv
16.04.2008

Betrunkener Lkw-Fahrer löst beinahe Katastrophe aus

PFORZHEIM. Ein Sattelzug ist am Dienstagnacht auf der A 8 zwischen Heimsheim und Pforzheim-Süd verunglückt. Der stark betrunkene Fahrer aus Limburg krachte mit dem Brummi in die Leitplanken, der Auflieger kippte um.

Erinnerungen werden wach an den 2. Dezember 1991. Damals schleuderte ein mit 32.000 Litern Heizöl beladener Tanklastzug im Bereich des Kämpfelbachviadukts in Richtung Stuttgart gegen eine Betonleitplanke und kippte um. 4000 Liter Öl sickerten ins Erdreich. Der Fahrer – er blieb wie sein Beifahrer unverletzt – hatte knapp zwei Promille intus. Es entstand ein Schaden von umgerechnet rund 40.000 Euro.

„Wäre er auf die Gegenfahrbahn geraten, hätte er mit Sicherheit eine größere Zahl von Autos buchstäblich überrollt“, berichtete damals ein Augenzeuge.

Leitplanke hält

Dienstagnacht ein ähnliches Bild, diesmal in Fahrtrichtung Karlsruhe: Am Beginn der Großbaustelle zwischen Heimsheim und der Anschlussstelle Pforzheim-Süd auf Wimsheimer Gemarkung kommt ein Sattelzug mit 21 Tonnen Betonteilen an Bord angedonnert – mit zu hoher Geschwindigkeit, sagt die Polizei.

Der 50-jährige Fahrer aus Limburg/Lahn verliert die Kontrolle über sein Fahrzeug, kommt nach rechts von der Straße ab, kracht zunächst gegen die Betongleitwände, steuert gegen und prallt gegen die provisorische Mittelleitplanke; der Auflieger kippt um.

Teile der Baustellen-Installationen werden auf die Gegenfahrbahn geschleudert – in Richtung Stuttgart läuft für fast eine Stunde nichts mehr. Die Strecke bleibt gesperrt, es bildet sich ein Stau von vier Kilometern. Die Bergung des Sattelzugs und der Ladung dauert fast die ganze Nacht. Immer wieder kam es deshalb zu kurzfristigen Vollsperrungen.

Der Schaden beläuft sich auf insgesamt rund 75.000 Euro. Die Pforzheimer Berufsfeuerwehr und die Freiwilligen Wehren Eutingen und Heimsheim sind mit acht Fahrzeugen und 30 Mann im Einsatz.

Arbeitsplatz in Gefahr

Für den nur leicht verletzten Fahrer wird der Unfall gravierende Folgen nach sich ziehen – er hat laut Polizei etwa 2,5 Promille Alkohol im Blut, muss seinen Führerschein abgeben und sich einer Blutprobe unterziehen. „Wir wollen uns gar nicht vorstellen, was hätte passieren können, wenn der Sattelzug auf die Gegenfahrbahn geraten wäre“, sagt Anton Katz, Leiter des Autobahnpolizeireviers, der unwillkürlich an den Vorfall vor etwas über 16 Jahren zurückdenkt.

Dass die Polizei einen betrunkenen Lastwagen-Fahrer, sei es bei einer Routine-Kontrolle oder nach einem Unfall, antreffe, sei jedoch selten, so Polizeisprecher Wolfgang Schick. „Nüchtern zu bleiben, ist für die eine Lebensversicherung“, sagt Katz, „außerdem wissen die, dass sie ihren Arbeitsplatz aufs Spiel setzen.“ Der Fahrer müsse schon länger ein Problem haben. Katz: „Zweieinhalb Promille trinkt man sich nicht eben mal so kurz an.“

Elfmal Alkohol Unfallursache

Im vergangen Jahr erwischte die Polizei bei Kontrollen an den Autobahn-Auffahrten 96 Fahrer, die unter Alkohol standen, 26 hatten illegale Drogen genommen. Bei elf Unfällen war Alkohol die Unfallursache.