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Gut geschützt verfolgen Kameramann Marc Dietz und PZ-Redakteurin Carolin Ulbrich das Training. Der Fahrer des Autos richtet bei einer Kontrolle plötzlich die Waffe auf den Polizisten.  Ketterl
Gut geschützt verfolgen Kameramann Marc Dietz und PZ-Redakteurin Carolin Ulbrich das Training. Der Fahrer des Autos richtet bei einer Kontrolle plötzlich die Waffe auf den Polizisten. Ketterl
11.11.2011

Blaulicht-TV: Auge in Auge mit der Pistole

Eigentlich wollen sie nur Führerschein und Fahrzeugpapiere bei einem parkenden Auto kontrollieren. Doch plötzlich steigt der Fahrer aus und zückt eine Waffe. Und ohne lange zu fackeln, richtet der Fahrer die Mündung der Pistole auf den Polizisten.

Wie schnell aus einer Routine-Kontrolle blutiger Ernst werden kann, ist vor Kurzem in Augsburg deutlich geworden. Zwei Polizisten waren in ihrem Streifenwagen einem flüchtenden Motorrad gefolgt. Als die Motorradfahrer im Wald stürzen, kam es zu einem Schusswechsel zwischen Tätern und Polizei. Der 41 Jahre alte Polizist starb durch einen Schuss in den Hals.

Die Polizisten der Polizeidirektion Pforzheim üben solche Szenarien im sogenannten Farbmarkierungstraining. Hier werden Situationen nachgestellt, und die Beamten müssen reagieren wie im Ernstfall. Also im Notfall auch schießen. Und das geht, weil sie statt scharfer Munition Farbpatronen in ihren Waffen haben. So kann später auch nachgeprüft werden, wohin die Beamten getroffen haben.

„In den Patronen befindet sich Lippenstiftfarbe“, erklärt Trainer Andreas Berchtold. Trifft eine solche Patrone statt auf die Schutzweste auf einen Körperteil, kann es durch den Aufprall einen blauen Fleck geben – mehr aber auch nicht.

Im Farbmarkierungstraining werden alle Bereiche des polizeilichen Handelns trainiert. „Wir üben hier alles, von der Selbstverteidigung über das richtige Ansprechen der Personen bis hin zum Schusswaffengebrauch“, erklärt Berchtold. Bei all dem gehe es darum, das Risiko für die Polizisten bei einem echten Einsatz so gering wie möglich zu halten.

Wie man bei Personen- und Fahrzeugkontrollen richtig agiert, dafür gibt es bei der Polizei klare Regeln. So ist es zunächst wichtig, sich auch mental auf den Einsatz vorzubereiten. Das heißt, man muss sich gedanklich und emotional darauf einstellen, was passieren könnte, sich aber auch schon im Voraus Gedanken über Taktik und rechtliche Grundlagen machen.

Schließlich ist das Auftreten vor Ort wichtig. Hier gilt es, klare Anweisungen zu geben und unmissverständlich und konsequent zu kommunizieren, gleichzeitig aber auch deeskalierend zu wirken. Dies bekam bei der Übung eine Streifenwagen-Besatzung zu spüren. Statt den schlafenden Beifahrer im Auto aufzuwecken und nach draußen zu zerren, hätten sie ihn lieber schlafen lassen sollen. Dann hätte es gereicht, ihn einfach nur zu beobachten. Doch durch das Aufwecken wurde der Beifahrer aggressiv und war nur noch schwer unter Kontrolle zu bekommen – eine Arbeit, die sich die Beamten auch hätten sparen können.

„Grundsätzlich ist es wichtig, der Zentrale Bescheid zu geben, bevor die Kontrolle durchgeführt wird. Denn dann ist im Ernstfall auch schnell Hilfe unterwegs“, sagt Berchtold.

Im Übungsszenario bei der Pforzheimer Polizei hat der fingierte Täter das Feuer eröffnet. Der Polizist reagiert schnell und richtig und schießt zurück. Dabei trifft er den Täter mitten auf die Brust. Zurück bleibt nur ein knallblauer Fleck aus Lippenstiftfarbe. Und die Gewissheit, dass der Polizist diesen Einsatz überlebt hätte.

Dieses und alle anderen Videos zum Thema unter www.pz-news.de/blaulicht.