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Für Blaulicht-TV wagt sich PZ-Redakteurin Carolin Ulbrich in einen brennenden Container. © Ketterl
01.04.2011

Blaulicht-TV: Durch die Feuerhölle kriechen

PFORZHEIM/MÜHLACKER. Um für den Ernstfall fit zu sein, üben die Feuerwehrleute immer wieder, mit gefährlichen Situatuionen umzugehen. Dafür gibt es dann zum Beispiel Brandcontainer, in denen die Situation einer brennenden Wochnung nachgestellt wird. In eine solche Feuerhölle hat sich PZ-Online-Redakteurin Carolin Ulbrich begeben, um nach zu empfinden, wie sich 600 Grad Celsius auf dem menschlichen Körper auswirken.

Bildergalerie: Blaulicht-TV: Brandhölle im brennenden Container

Plötzlich ist es duster, nur noch ein schwacher Lichtstrahl dringt unter der Tür hindurch. Beißender Rauch liegt in der Luft, das Atmen fällt mir schwer. Trotz Atemschutzgerät auf meinem Gesicht. Schließlich trage ich so etwas heute zum ersten Mal. Es wird mit jeder Sekunde wärmer, der Schweiß fließt. Ich höre nur das rasselnde Geräusch meiner Atmung, die immer schneller wird und ein leistes Knistern wie bei einem Lagerfeuer. Das Feuerchen ist aber ein veritabler Brand: Eine Tür weiter in diesem Container brennen stapelweise Holzpaletten lichterloh.

Am liebsten würde ich mich sofort wieder umdrehen und zur Tür zurück kriechen, durch die ich in dieses dunkle, heiße Loch gekommen bin. Kriechen, nicht gehen, denn wenn ich mich aufrecht hinstelle, wird es nur noch heißer. Aber ich bleibe stark, will nicht gleich im ersten Raum aufgeben. Schließlich will ich heute nachfühlen, wie es ist, wenn Feuerwehrleute für den Ernstfall üben. Genau das tun sie in diesem Container, der vor der Feuerwache in Mühlacker aufgestellt ist.

Wie in brennender Wohnung

„Wir wollen Feuerwehrleuten die Möglichkeit bieten, zu üben, wie man sich bei hohen Temperaturen richtig verhält“, erklärt Trainer Marco Pfeuffer. Deshalb werden die Retter in Teams mit drei bis vier Personen und einem Trainer in die Container geschickt. Hier sind die Bedingungen in einer brennenden Wohnung nachgestellt. Im ersten der vier Container herrscht eine Temperatur von 80 Grad Celsius, im letzten Container mit brennendem Holz sind es 600 Grad.

Ich bin noch im ersten Container, als ich langsam merke, wie unwohl ich mich fühle. Trotz meiner Schutzkleidung – Hose, Jacke, Sturmmütze, Helm und Atemschutzgerät. In unserem Dreier-Team bin ich Nummer zwei, immer zwischen meinen „Kollegen“ Sven Gebhardt und Martin Reiter von der Pforzheimer Feuerwehr.

Plötzlich, als ich mich gerade wieder zwinge, ruhiger zu atmen, kommt von meinem Trainer die Anweisung: „Nummer zwei, jetzt hier unter den Reifen durch kriechen.“ Meint der wirklich mich? Ich will doch nur zuschauen. Aber nachdem Nummer eins schon unter den Reifen verschwindet, krabble auch ich dort hin. „ Und immer mit den Füßen zuerst.“ Aha. Und wie soll das gehen, mit 16 Kilogramm schweren Sauerstoffflaschen auf dem Rücken? Auf dem Bauch liegend schiebe ich mich rückwärts unter den Reifen durch – bis ich mit meinem Flaschen-Rucksack stecken bleibe.

Mein Herz rast. Mir wird schlecht. Obwohl ich auf dem Boden liege, wird es trotzdem immer heißer. Ich will hier raus – und sage das auch. Was aber mit Atemschutzgerät schwierig ist, denn meine Stimme klingt wie die von Kermit, dem Frosch. Meine Kollegen heben die Reifen hoch. Kaum herausgerobbt, beschließe ich, beim Hindernisparcours nicht mehr mit zu machen.

Meine Kollegen ziehen die Übung tapfer durch – es scheint ihnen nichts auszumachen, bei 80 Grad und mit 16 Kilo Gepäck Sport zu treiben, bei Temperaturen, bei denen andere nackt in der Sauna schwitzen. Im Container mit dem Brandherd demonstriert der Trainer, was man bei Löscharbeiten alles falsch machen kann. Als es wie geplant zum „Flash over“, also zur Durchzündung mit anschließendem Vollbrand der Holzpaletten kommt, schreit er nur noch „Raus!“. Gerne! Ich kniee ja ohnehin schon direkt an der Tür und will nur noch weg.

Mein Körper dampft wie nach der Sauna. Ein Kollege hält mir eine Flasche Wasser hin. Genau das habe ich jetzt gebraucht. Meine Kollegen sind zwar verschwitzt, aber erstaunlich munter. Pfeuffer redet ganz normal, ohne nach Luft zu ringen – obwohl er gerade wie ich aus dieser Brandhölle kam. Irgendwo dort drin muss mich ein Lastwagen überrollt haben. Meine Knie und Schienbeine schmerzen. Ich bin froh, einfach nur im Schatten sitzen und atmen zu können. Schließlich fragt mich der Trainer, wann ich das nächste Mal bei einer Übung dabei bin. „Gar nicht mehr, ich hab das ja nur für unser Video gemacht“, antworte ich. Da meint er stirnrunzelnd: „Ach, Sie sind gar nicht bei der Feuerwehr?“ Carolin Ulbrich