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Geschminkte Wunden: Im Erste-Hilfe-Kurs lernen die Teilnehmer, wie sie im Notfall helfen können.
Geschminkte Wunden: Im Erste-Hilfe-Kurs lernen die Teilnehmer, wie sie im Notfall helfen können.
15.04.2011

Blaulicht-TV: Leben in die Lungen pumpen

Steif und bewegungslos liegt er da. Er ist nicht ansprechbar, reagiert nicht auf die Fragen und zu atmen scheint er auch nicht. Karlchen ist bewusstlos. Da hilft nur noch eines: Er muss wiederbelebt werden. „Die Reanimation eines Menschen besteht aus einer Herzdruckmassage und der Beatmung“, erklärt Rolf Reister, hauptamtlicher Ausbildungsleiter beim Deutschen Roten Kreuz in Pforzheim in der neuen Folge von Blaulicht-TV auf PZ-news.

Dabei sei es wichtig, den richtigen Punkt auf dem Brustbein zu finden und dann 30- mal schnell und kräftig drauf zu drücken. „Wenn es schlecht läuft, kann es dabei auch mal zu Rippenbrüchen kommen, aber die müssen nunmal in Kauf genommen werden“, sagt Reister. Denn in Deutschland werde man als Ersthelfer dann nicht belangt, wenn man nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hat – auch wenn dabei ein Fehler passiert ist.

Nach der Herzdruckmassage muss der Patient zweimal beatmet werden. „Dabei wird der Kopf des Patienten nach hinten überstreckt, anschließend wird ihm zweimal Luft in Mund oder Nase geblasen“, erläutert Reister.

Doch Erste Hilfe bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Mensch wiederbelebt werden muss. Im Gegenteil: Oft genügen schon kleine Dinge, um einem Patienten zu helfen. „Wenn man einen Menschen in hilfloser Lage antrifft, sollten man ihn zunächst ansprechen und abklären, was er hat“, sagt Reister. Wenn er ansprechbar ist, soll man ihn beruhigen und eventuelle Wunden mit einem Verband versorgen. „Ist der Patient nicht ansprechbar, atmet er aber, dann sollte er in die stabile Seitenlage gebracht und sofort der Rettungsdienst über die 112 alarmiert werden“, sagt der DRK-Ausbildungsleiter.

Reister selbst musste als Rettungsassistent schon mehrfach Menschen wiederbeleben. „In diesem Beruf gibt es Tage, an denen man zwei oder drei Menschen wiederbeleben muss, und dann passiert auch wieder monatelang nichts“, sagt er. Doch wann der Ernstfall eintritt, ist nie vorhersehbar – das weiß auch sein Kollege Michael Storz, ebenfalls Ausbilder beim DRK in Pforzheim. „Ich habe einmal eine junge Frau wiedergetroffen, die zwei Tage, nachdem sie bei mir einen Erste-Hilfe-Kurs besucht hatte, bei einem Motorradunfall vorbeikam“, erinnert er sich. Die Frau habe ihm dann erzählt, dass sie weit und breit die einzige Ersthelferin war und dem Motorradfahrer so weit helfen konnte, dass er den Unfall überlebte.

Deshalb ist es laut Reister und Storz sehr wichtig, die Maßnahmen zur Ersten Hilfe immer wieder durch Kurse aufzufrischen.

Karlchen atmet aber leider auch nach der anstrengenden Herz-Lungen-Wiederbelebung immer noch nicht. Trotz Massage bleibt sein muskulöser, durchtrainierter Körper steif und regungslos. Was wohl daran liegt, dass Karlchen nur eine Übungspuppe ist. Carolin Ulbrich