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Marc-Christoph Mansfeld (links) und Michael Weber zeigen PZ-Redakteurin Carolin Ulbrich ihre Hilfsmittel für ihre Aufgaben auf der Autobahn. Marc Dietz (rechts) hält das ganze im Video fest.
Marc-Christoph Mansfeld (links) und Michael Weber zeigen PZ-Redakteurin Carolin Ulbrich ihre Hilfsmittel für ihre Aufgaben auf der Autobahn. Marc Dietz (rechts) hält das ganze im Video fest.
27.05.2011

Blaulicht-TV: Mitten durch den Stau rasen

Nach zehn Sekunden auf der A 8 ist die Fahrt schon wieder vorbei: Stau. Nichts geht mehr. Als der Polizeibus gerade am Stauende abbremst, kommt per Funk die Meldung von einem Lkw-Unfall auf der Gegenspur. Polizist Michael Weber schaltet Blaulicht und Martinshorn ein und los geht’s: Mit voller Kraft voraus mitten durch den Stau.

Es ist Freitagmittag, die Zeit des höchsten Verkehrsaufkommens auf der Autobahn. Ich sitze in einem Polizeibus, mit dem mein Chauffeur in blauer Uniform mitten durch die Autokolonnen rast. Immer wieder muss Marc-Christoph Mansfeld, der heute am Steuer sitzt, stark abbremsen, weil vor uns Verkehrsteilnehmer falsch reagieren.

Auf der Rückbank des Polizeibusses fühle ich mich völlig unverwundbar und bin total entspannt – schließlich haben die Polizisten solche Einsatzfahrten schon häufiger absolviert. Dennoch: Wie manche Verkehrsteilnehmer reagieren, wenn sich von hinten das Polizeifahrzeug nähert, ist haarsträubend.

Falsche Reaktion

Im fließenden Verkehr versuchen sie, eine Rettungsgasse zu bilden, und auf Abschnitten, auf denen es sich staut, weichen sie in Richtung der rechten der beiden Spuren aus. „Das ist genau falsch herum“, erklärt Weber. Für Mansfeld ist so eine rasante Einsatzfahrt Routine. „Es ist immer nur schwer vorhersehbar, welche Fehler die Verkehrsteilnehmer machen, da muss man schon mal eine Vollbremsung hinlegen“, sagt er.

Wir erreichen die Unfallstelle. Auch ich muss meinen komfortablen Platz im geräumigen Polizeibus verlassen. Kaum öffnet sich die Tür, verstehe ich mein eigenes Wort nicht mehr. Die Motoren der Lastwagen und Pkws dröhnen, der Fahrtwind bläst mir meine Haare ins Gesicht. Die Luft ist erfüllt von den Abgasen der Fahrzeuge. An eine Unterhaltung mit meinen Kollegen auf Zeit ist nicht zu denken. Sie schaffen es übrigens trotzdem, mit den beiden Unfallbeteiligten zu kommunizieren – und das, obwohl einer der beiden kein Wort Deutsch versteht.

Ein Lkw ist auf einen anderen aufgefahren und wurde dabei schwer beschädigt. Beide Lastwagen stehen auf der rechten von drei Spuren, der Unfallverursacher kann nicht mehr weiterfahren. Die Unfallstelle wird abgesichert und der Verursacher versucht, mit seinem schwer beladenen Fahrzeug rückwärts auf die Standspur zu rollen. Ich darf nicht mithelfen. Laut Weber und Mansfeld ist es für mich zu gefährlich, am Rande der Fahrbahn herumzu- laufen und Schilder als Warnung aufzustellen. Plötzlich bewegt sich das Gefährt nicht mehr und steht damit noch störender auf der Autobahn als vorher.

Stau wegen Gaffern

Doch es hilft alles nichts: Wir müssen auf den Abschleppdienst warten. Als dieser endlich kommt, hat sich bereits ein zwei Kilometer langer Stau gebildet. Und auch auf der Gegenspur kommt der Verkehr wegen Gaffern beinahe zum Erliegen. Als der Abschleppdienst den Lastwagen schließlich mitnimmt und Personalien und Unfallhergang aufgenommen sind, ist für Weber und Mansfeld die Arbeit getan. Für sie ist das ganze Routine.

Ich fege die Splitter der beschädigten Lastwagen zusammen. Direkt neben mir rollen die Brummis und ich komme tatsächlich ins Schwitzen – aber eher vor Angst als vor Anstrengung. Nur ein großer Schritt oder einmal stolpern und ich liege unter den Rädern der Lkws. Aber immerhin sehen sie mich in meiner neongelben Warnweste schon von weitem. Trotzdem ist die A 8 als Arbeitsplatz sehr gefährlich.

„Die größte Gefahr ist der fließende Verkehr“, sagt Weber. Denn egal ob die Polizisten eine Unfallstelle absichern, verlorene Ladung aufsammeln oder ein Tier auf der Autobahn einfangen: Nur wenige Zentimeter neben ihnen brettert der Verkehr unaufhaltsam weiter.

„Die Pforzheimer Polizei ist zuständig für den Autobahnabschnitt zwischen Heimsheim und Karlsbad, das sind 34 Kilometer“, sagt Günther Haas, Leiter des Pforzheimer Autobahnpolizeireviers. 40 Mitarbeiter sind im Revier auf der Wilferdinger Höhe beschäftigt und bearbeiten beispielsweise 1200 Verkehrsunfälle im Jahr.

Einen davon habe ich gerade mit bearbeitet. Wir steigen in den Polizeibus und fahren weiter. Der nächste Einsatz kommt bestimmt – und bis dahin schauen wir im fließenden Verkehr nach dem Rechten.

Dieses und alle anderen Videos der Sendung Blaulicht-TV unter www.pz-news.de/blaulicht.