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Die Rettungswagen des DRK sind ausgestattet wie rollende Krankenhäuser.
Die Rettungswagen des DRK sind ausgestattet wie rollende Krankenhäuser.
Die Klinik kommt zum Patienten: In den Rettungswagen des DRK werden die Patienten im Notfall erstversorgt. Marcus Endt und Michael Fischer erklären Carolin Ulbrich und Marc Dietz (von rechts) in der neuen Folge von Blaulicht-TV, was hinter den Türen des Rettungswagens passiert.
Die Klinik kommt zum Patienten: In den Rettungswagen des DRK werden die Patienten im Notfall erstversorgt. Marcus Endt und Michael Fischer erklären Carolin Ulbrich und Marc Dietz (von rechts) in der neuen Folge von Blaulicht-TV, was hinter den Türen des Rettungswagens passiert. © Seibel
03.12.2010

Blaulicht-TV: Rasen, um Leben zu retten

Das Martinshorn dröhnt, das Blaulicht blinkt. Der Rettungswagen rast an der Leitstelle des Deutschen Roten Kreuzes in der Pforzheimer Nordstadt los in Richtung Stein. Es ist 9.22 Uhr. „Eine ältere Dame hat im Altenheim einen Krampfanfall“, heißt es aus der Funkanlage. Der Tacho zeigt über 80 Kilometer pro Stunde. Draußen fliegen die Häuser vorbei. Eine Verkehrsinsel in der Mitte der Straße wird rechts liegen gelassen. Plötzlich ein abruptes Abbremsen.

Es ist 9.28 Uhr. Ein roter VW Golf tuckert gemächlich die Landstraße entlang, die Gegenspur ist blockiert durch ein Fahrzeug, das Bäume schneidet. Der Golffahrer bemerkt den Rettungswagen und bremst – als er genau auf Höhe des Arbeitsfahrzeuges ist. So, dass der Wagen nicht mehr durch kommt.

Rücksichtslose Mitmenschen

„Mit solchen rücksichtslosen Verkehrsteilnehmern haben wir immer wieder zu kämpfen“, sagt Rettungssanitäter Marcus Endt. Zusammen mit Rettungsassistent Michael Fischer ist er im Rettungswagen auf den Straßen in Pforzheim und im Enzkreis unterwegs. An seine ersten Fahrten mit dem Rettungswagen kann sich Marcus Endt noch gut erinnern. „Man muss sich sehr konzentrieren, wenn man mit Sondersignal schnell fährt“, sagt der 22-Jährige. Anfangs sei er nach den Fahrten richtig durchgeschwitzt gewesen. Das größte Problem: „Viele Verkehrsteilnehmer reagieren gar nicht oder falsch, wenn sich ihnen ein Rettungswagen mit Martinshorn nähert. So geben manche beispielsweise Gas, um dem Rettungswagen davon zu fahren, oder halten auf einer Landstraße mitten in der Kurve an, so dass der Rettungswagen nicht überholen kann, ohne sich selbst oder andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden“, sagt Marcus Endt.

Der Rettungswagen erreicht das Altenheim in Stein. Es ist 9.33 Uhr. Für die zehn Kilometer lange Strecke, für die man laut Routenplaner eine Viertelstunde braucht, hat der Marcus Endt mit dem Rettungswagen nur elf Minuten gebraucht. Die beiden DRK-Mitarbeiter schnappen sich Geräte und Koffer und laufen ins Haus zur Patientin. Dort überprüfen sie zunächst die Kreislaufwerte der älteren Dame, geben ihr Sauerstoff und öffnen die Nadel für die Infusion.

Damit vor Ort alles reibungslos läuft, muss die Ausrüstung immer überprüft werden. So hat auch der Arbeitstag der beiden begonnen: mit der Kontrolle des Rettungswagens.

Vorher alles überprüfen

„Wir überprüfen, ob die medizinischen Geräte funktionieren, ob genügend Sauerstoff in den Flaschen und ausreichend Verbandsmaterial vorhanden ist“, erklärt der 40-jährige Michael Fischer. Beatmungsgerät, Absaugpumpe und natürlich das EKG-Gerät mit Defibrilator und Herzschrittmacher – wichtigstes und mit einem Wert von 23.000 Euro teuerstes Gerät an Bord – müssen im Notfall funktionieren, auch wenn die beiden Besatzungsmitglieder des Rettungswagens dann vor Ort manches gar nicht alleine machen dürfen. „Wir sollen vieles können, dürfen aber nicht alles anwenden“, fasst Michael Fischer zusammen. Denn wenn beispielsweise Medikamente verabreicht werden müssen, darf dies nur durch einen Notarzt erfolgen. Auch im Altenheim in Stein kommt Notarzt Dr. Rainer Hauerwaas hinzu, der nach der Erstversorgung den Transport ins Klinikum begleitet. Er wurde von Rettungsassistent Philipp Sponer zum Einsatzort gebracht, dieser fährt dem Rettungswagen dann hinterher. „Ein Notarzt ist heute nicht mehr an einen Rettungswagen gebunden, damit er gleich zum nächsten Einsatz weiter kann“, erklärt er.

An diesem Vormittag ist es ruhig, der Notarzt kann die Frau mit dem epileptischen Anfall bis ins Klinikum begleiten. Es ist 10.10 Uhr, als sie in der Notaufnahme den Ärzten des Klinikums übergeben wird. Michael Fischer und Marcus Endt gehen zurück zu ihrem Fahrzeug, füllen es wieder auf und melden sich per Funk in der Einsatzleitstelle – sie sind wieder frei für den nächsten Notfall. Nun geht es zurück in die Wache in der Nordstadt. Kaum hat das Team den rund 120 000 Euro teuren Rettungswagen rückwärts eingeparkt und die Handbremse angezogen, da geht schon wieder der Alarm los: Ein neuer Einsatz wartet auf die beiden.

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