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Es sind Bilder wie diese von einem schweren Unfall im Januar 2008, die die Einsatzkräfte der Feuerwehr verarbeiten müssen. Reden ist laut Gudrun Augenstein (Mitte) und Hans Gölz-Eisinger (rechts) die beste Medizin. Die „Peers“ Achim Britsch, Stephan Bürkle und Stefan Schmidt (von links) helfen den Kollegen dabei, wie sie PZ-Redakteurin Carolin Ulbrich erklären.
Es sind Bilder wie diese von einem schweren Unfall im Januar 2008, die die Einsatzkräfte der Feuerwehr verarbeiten müssen. Reden ist laut Gudrun Augenstein (Mitte) und Hans Gölz-Eisinger (rechts) die beste Medizin. Die „Peers“ Achim Britsch, Stephan Bürkle und Stefan Schmidt (von links) helfen den Kollegen dabei, wie sie PZ-Redakteurin Carolin Ulbrich erklären.
14.01.2011

Blaulicht-TV: Wenn Feuerwehr-Männer Hilfe brauchen

PFORZHEIM. Der Alarm in der Pforzheimer Feuerwache geht los. Ein Unfall in der Unteren Wilferdinger Straße mit mehreren schwer verletzten Personen. Die Berufsfeuerwehr Pforzheim rückt neben zahlreichen weiteren Rettungskräften aus. Mit dabei ist Luca Setaro, der zu diesem Zeitpunkt erst seit einem Jahr bei der Feuerwehr arbeitet. „Die Bilder habe ich immer noch im Kopf“, sagt er.

Als die Rettungskräfte an der Unfallstelle eintreffen, ist die Lage zunächst sehr unübersichtlich. Zwei Autos sind ineinandergerast, mehrere Personen haben schwere Verletzungen erlitten, darunter auch Kinder. Der Unfall im Januar 2008 fordert schließlich zwei Todesopfer. Und in der Pforzheimer Feuerwache muss der belastende Einsatz mit den Rettungskräften aufgearbeitet werden. „Es gab ein gemeinsames Gespräch auf der Hauptfeuerwache, und es hat sehr gut getan, darüber zu reden“, erinnert sich Setaro. Schwere Unfälle, vor allem wenn Kinder daran beteiligt sind, können für die Einsatzkräfte sehr schwer sein. Das weiß auch Feuerwehrmann Stephan Bürkle, der als „Peer“ ausgebildet wurde, also als ein Fachmann, an den sich seine Kollegen wenden können, wenn sie Hilfe brauchen. „Wohnungsbrände mit Todesfolge, schwer verletzte Kinder oder schwere Verkehrsunfälle – von solchen Einsätzen kommen die Kollegen zum Teil mit großen Belastungen zurück“, erzählt er. Und dann sei es wichtig, darüber zu sprechen. Dafür werden die „Peers“ speziell ausgebildet. „Sie erhalten ein Grundwissen in Psychotraumatologie und lernen, wie man solche Gespräche führt“, erklärt Hans Gölz-Eisinger, Pfarrer der evangelischen Stadtkirche in Pforzheim. Im Umgang mit traumatisierten Menschen gibt es laut Gölz-Eisinger auch eine Art Allgemeinmedizin: „Es ist immer wichtig, für Ruhe zu sorgen und mit dem Betroffenen zu reden, so dass dieser sich nicht einfach nur von seinen Sorgen ablenkt. Denn das funktioniert nicht“, sagt er. „Und manchmal sind wir nur für die Einsatzkräfte da und sagen gar nichts“, meint er. Gudrun Augenstein, Leiterin der Notfallnachsorge beim Deutschen Roten Kreuz, erklärt, wie ein Gespräch mit den betroffenen Einsatzkräften abläuft: „Wir sprechen zuerst über Fakten, bevor wir auf die emotionale Ebene kommen und darüber reden, was sie erlebt haben, was sie fühlen und wie es ihnen geht“, erzählt sie. Dann gehe es auch darum, Symptome wie Schlafstörungen oder Bilder, die im Kopf auftauchen, auszusprechen. Und manche Bilder werden die Einsatzkräfte auch gar nicht mehr los. „Nach einem Einsatz, als auf der Autobahn ein Mensch gleich von mehreren Autos überrollt wurde, weil er sich selbst töten wollte, da waren die Kollegen sehr betroffen, als sie zurückkamen“, erinnert sich Achim Britsch, der ebenfalls zum „Peer“ ausgebildet wurde. Auch als im vergangenen Sommer die Bergung einer Wasserleiche erfolgte, gab es bei den Feuerwehrleuten später Gesprächsbedarf, wie sich Feuerwehrmann Eckhard Krehnke erinnert. „Das Reden hat mir geholfen, die Bilder zu verarbeiten“, sagt er.

„Ich wollte einfach meinen Kollegen mit meiner Hilfe zur Seite stehen“, so begründet Stefan Schmidt, warum er sich zum „Peer“ ausbilden ließ. Seit 23 Jahren ist er bei der Berufsfeuerwehr, 2008 wurde er zum „Peer“ ausgebildet. „Meine lange Berufserfahrung hat mir gezeigt, dass wir solche Leute brauchen“, sagt er.

Nach schweren Einsätzen hilft den Feuerwehrleuten auch das Gespräch im Team. „Als die Mannschaft vom Einsatz nach dem Selbstmord auf der Autobahn zurückkam, haben wir uns zusammengesetzt und gemeinsam einen Kaffee getrunken“, schildert „Peer“ Achim Britsch. Für ihn ist ganz klar: „Die Zeit der harten Männer ist rum.“