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Mit geübten Griffen können Polizisten Verbrecher abwehren, die gewalttätig werden.
Mit geübten Griffen können Polizisten Verbrecher abwehren, die gewalttätig werden. © Reinhardt
30.09.2011

Blaulicht-TV: Zugriff vor laufender Kamera

So also fühlen sich Verbrecher, wenn sie sich gegen die Polizei zur Wehr setzen und von den Beamten überwältigt werden. Im Training für Abwehr- und Zugriffstechniken im Keller der Polizeidirektion Pforzheim lernen die Polizisten, wie sie reagieren müssen, wenn Täter sich ihnen widersetzen. Und wie sie sich wehren können, wenn sie selbst angegriffen werden – was laut einer Studie immer häufiger der Fall ist.

Dass die Beamten mich so schnell überwältigt haben, nagt an mir. Also versuche auch ich mein Glück und packe Jürgen Krauth-Kopp im Kreuzgriff. Anschließend prügle ich mit voller Wucht auf sein Gesicht ein. Immer und immer wieder. Doch ich merke, dass ich als Laie nichts ausrichten kann. Vermutlich fehlt mir einfach die nötige Aggressivität, einfach auf einen Menschen einzuschlagen. Aber vielleicht prallen meine Schläge auch deshalb einfach von ihm ab, weil ich gepolsterte Handschuhe trage – und er eine Maske über dem ganzen Kopf.

„Früher wurden Polizisten auf der Straße gegrüßt, heute spuckt man auf den Boden“, sagt Einsatztrainer Jürgen Krauth-Kopp. Die Hemmschwelle, gegenüber Polizisten aggressiv zu werden, sei sehr viel geringer geworden. „Es kann in jedem Nachtdienst vorkommen, dass wir angegriffen werden“, weiß er. Vor allem, wenn die Polizei zu Fällen mit häuslicher Gewalt gerufen wird. „Als Polizist sollte man sich immer mental darauf vorbereiten, zu was für einem Einsatz man gerade unterwegs ist“, sagt er.

Wenn es ernst wird und Sprache nicht ausreicht, um zu beruhigen, wenden die Polizisten einfache Verteidigungsmechanismen an. „Dadurch können wir uns Zeit und Platz schaffen, um an Hilfsmittel wie Pfefferspray und Stock zu gelangen oder um Unterstützung zu rufen“, erklärt Krauth-Kopp. Damit sie sich im Ernstfall richtig wehren können, trainieren die Polizisten mindestens zehn Stunden im Jahr.