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Bevor es losgeht, erklären Michael Bauer und Sascha Modery PZ-Redakteurin Carolin Ulbrich, wie die Streifenfahrt ablaufen soll. Mediengestalter Marc Dietz hält alles im Video fest.  Seibel
Bevor es losgeht, erklären Michael Bauer und Sascha Modery PZ-Redakteurin Carolin Ulbrich, wie die Streifenfahrt ablaufen soll. Mediengestalter Marc Dietz hält alles im Video fest. Seibel
10.12.2011

Blaulicht-TV: Zwischen Unfall und versuchter Tötung

Mein krassester Einsatz? Das war eindeutig eine versuchte Tötung – und zwar an mir selbst.“ Mit diesen Worten beschreibt Michael Bauer, mit welchen Situationen Polizisten im Streifendienst schon mal konfrontiert werden können. Der Polizeikommissar wurde damals – es ist jetzt etwa sieben Jahre her – zu einem Betrunkenen gerufen, der sich nach Angaben seiner Nachbarn in seiner Wohnung verbarrikadiert hatte.Aus jeder Alltagssituation kann plötzlich ein Ernstfall werden.

0Als der Polizist vor der Wohnungstür stand, schlugen ihm plötzlich zwei große Metzgermesser entgegen. „Ich hatte großes Glück, dass ich es noch schaffte, den Mann am Arm zu packen und den Angriff abzuwehren“, sagt Bauer.

Nicht immer sieht der Alltag eines Streifenpolizisten so aus, aber immer müssen die Beamten damit rechnen, dass so etwas passiert. Ich bin heute mit Polizeioberkommissar Sascha Modery und Polizeikommissar Michael Bauer auf Streifenfahrt. Es ist Freitagnachmittag, und wir sind in ihrem Revier, dem Norden von Pforzheim und einige nördliche Enzkreis-Gemeinden, unterwegs.

Wir fahren auf der B10 von Pforzheim in Richtung Eutingen. Beim Kaufland am Stadtrand stehen zwei Männer mit Plastiktüten und Bierflaschen in der Hand. „Die kennen wir schon, denen können wir mal einen Besuch abstatten“, sagt Modery. Kurze Zeit später hält der Streifenwagen auf dem Parkplatz. Die beiden Polizisten gehen zu den Männern und fordern deren Ausweise. „So merken sie, dass wir sie beobachten“, erklärt Modery. Die Personalien der beiden „alten Bekannten“ werden überprüft, es liegt aktuell nichts gegen sie vor. Einer der beiden beschwert sich, weil er wegen der Kontrolle seinen Bus ins Eutinger Tal verpasst hat. Ganz normaler Polizeialltag. „Gerade bei der Trinker-Klientel haben wir unsere speziellen Kandidaten, mit denen wir immer wieder zu tun haben“, sagt Sascha Modery. Auch er erinnert sich aber noch gut an seinen spektakulärsten Einsatz: „Nach der Schlägerei der beiden Rockergruppen ,Hells Angels‘ und ,United Tribuns‘ am Güterbahnhof wurde bei uns im Revier Nord die Gefangenensammelstelle eingerichtet, da war einiges los, und es gab sehr viel Arbeit für uns.“

Über Funk wird uns bereits der nächste Einsatz gemeldet: Ein Kind hat aus der Nordstadt angerufen, weil es nach einer Schlägerei mit einem anderen Kind von dessen Vater geschlagen worden sein soll. Ein Dutzend Kinder wartet beim Eintreffen der Beamten bereits auf die Polizisten, alle reden aufgeregt durcheinander. Doch kaum eines der Kinder – größtenteils mit Migrationshintergrund – ist in der Lage, Namen und Adresse zu nennen.

„Das ist es, was uns im Alltag die Arbeit oft so schwer macht: Menschen, die wir nicht verstehen, verschiedene Zeugenaussagen und auch Lügen“, sagt Bauer.

Ruhig und bestimmt versuchen die beiden, Ordnung in die Geschehnisse zu bringen. Wer hat wen geschlagen? Wurde jemand verletzt? Und wo befinden sich das vermeintliche Opfer und der mutmaßliche Täter? Auch nach mehreren Befragungen und einem Besuch in der Wohnung des Vaters, der den Jungen geschlagen haben soll, ist keine Klarheit in die Geschehnisse zu bringen. „Es wird nun wohl ein Verfahren eingeleitet und ein Jugendsachbearbeiter muss hinzugezogen werden“, erklärt Modery. Dabei muss die Frage geklärt werden, ob der Mann das Kind tatsächlich geschlagen hat – denn er bestreitet dies.

Für beide Polizisten gibt es Dinge, die ihnen an ihrem Job nicht so sehr gefallen – wie zum Beispiel der Schichtdienst. „Ich finde es außerdem schade, dass unser Ansehen beim Bürger nicht so hoch ist“, meint Bauer. Allerdings hat er auch eine Erklärung dafür: „Wir haben halt meistens mit denen zu tun, die etwas angestellt haben. Und die mögen uns dann halt nicht.“

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