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Viel reden: Gudrun Augenstein (Zweite von rechts), Leiterin des Notfallnachsorgedienstes beim DRK, hat Ines Magas (rechts) nach dem Suizid ihres Lebensgefährten geholfen. Carolin Ulbrich und Marc Dietz von PZ-news erklären sie, wie die Unterstützung ausgesehen hat.
Viel reden: Gudrun Augenstein (Zweite von rechts), Leiterin des Notfallnachsorgedienstes beim DRK, hat Ines Magas (rechts) nach dem Suizid ihres Lebensgefährten geholfen. Carolin Ulbrich und Marc Dietz von PZ-news erklären sie, wie die Unterstützung ausgesehen hat.
10.06.2011

Blaulicht-TV bei der Notfallnachsorge

Plötzlich steht die Polizei vor der Tür von Ines Magas. Völlig unvermittelt, an einem ganz normalen Tag. Ihr Lebensgefährte ist unterwegs. Und er leidet unter Depressionen. Eine dunkle Ahnung macht sich breit. Die Polizisten erzählen ihr, dass ihr Lebensgefährte sich das Leben genommen hat. Er ist von einer Autobahnbrücke gesprungen.

Auf einmal ist für die heute 36-Jährige alles anders. Und auch wenn die Familie da ist, um zu trösten: Ines Magas braucht Hilfe. Der Notfallnachsorgedienst des Deutschen Roten Kreuzes in Pforzheim wird alarmiert. „Die Mitarbeiter haben mir zur Seite gestanden“, erzählt sie heute. Die ersten zwei Wochen nach dem Suizid ihres Lebensgefährten verliefen laut Ines Magas wie ein Film, „ich stand völlig neben mir und hatte das Gefühl, als Außenstehende zu betrachten, was da gerade geschieht“, erinnert sie sich. „Das ist so häufig der Fall“, weiß Gudrun Augenstein, Leiterin des Notfallnachsorgedienstes beim DRK Pforzheim. Doch die Mitarbeiter des Notfallnachsorgedienstes haben es manchmal ganz schön schwer: Sie seien für die Betroffenen meist das „personifizierte Grauen“. „Wir treten in einer Situation in ihr Leben, die sie am Liebsten wieder vergessen würden“, sagt Gudrun Augenstein.

„Wir werden bei schweren Unfällen, bei Suizid-Handlungen, beim plötzlichen Kindstod, bei Brandeinsätzen oder auch bei Großschadenslagen wie in Winnenden von der Leitstelle des DRK alarmiert“, erklärt Christa Pöhm vom Notfallnachsorgedienst.

Auch wenn der Notarzt erfolglos versucht hat, eine Person wieder zu beleben, und anschließend wieder schnell weiter muss, können Mitarbeiter des Notfallnachsorgedienstes hinzu gerufen werden. Seit knapp zehn Jahren gibt es den Notfallnachsorgedienst in Pforzheim. Er besteht aus 45 ausgebildeten ehrenamtlichen Mitarbeitern und finanziert sich aus Spenden.

Bei Ines Magas hat der Notfallnachsorgedienst unter anderem bei organisatorischen Dingen wie Beerdigung und Trauerfeier geholfen. Auch durfte sie den Leichnam noch einmal sehen und sich an der Unfallstelle verabschieden – gemeinsam mit den ausgebildeten Fachleuten. Diese haben ihr auch erklärt, dass alle ihre Gefühle, also nicht nur Trauer, sondern auch Wut und Ärger, in dieser Situation ganz normal seien. „Es ist einfach glaubwürdiger, wenn dies Außenstehende zu einem sagen – denn die Familie will in so einer Situation einfach nur trösten“, sagt Ines Magas.

Wenn die Fachleute zum Einsatz kommen, geht es zunächst vor allem darum, zu erkennen, welche Hilfe individuell nötig ist. Einfach nur da sein, oder zuhören und reden – dies variiert von Fall zu Fall. Und manchmal können auch nach langer Zeit alte Wunden wieder aufgerissen werden. Wie bei Ines Magas. Als der Torhüter Robert Enke sich im November 2009 das Leben nahm, hatte sie ein Déjà-Vu-Erlebnis – schließlich ist es der Jahrestag des Todes ihres Lebensgefährten. „Ich habe in dieser Zeit sehr mit der Witwe mitgefühlt“, sagt sie. Ines Magas hat einige Zeit gebraucht, um das tragische Ereignis mit Hilfe des Notfallnachsorgedienstes zu verarbeiten und wieder neuen Lebensmut zu finden – was schließlich auch geklappt hat. Heute hat Ines Magas einen Mann und zwei Kinder. Und hat für sich erkannt, dass sie das Schicksal so annehmen muss, wie es ist.

Dieses und alle anderen Videos der Sendung Blaulicht-TV unter www.pz-news.de.