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Dr. Rolf Beier, Leiter der Notaufnahme am Klinikum Pforzheim, erklärt, dass die vielen verschiedenen Krankheitsbilder die Arbeit in der Notaufnahme ausmachen.
Dr. Rolf Beier, Leiter der Notaufnahme am Klinikum Pforzheim, erklärt, dass die vielen verschiedenen Krankheitsbilder die Arbeit in der Notaufnahme ausmachen.
05.01.2012

Blaulicht-TV in Notaufnahme: Von Platzwunde bis Infarkt

Der Kragen des T-Shirts von Jamie ist blutverschmiert. Der zweieinhalb Jahre alte Junge sitzt in einem Zimmer der Notaufnahme des Klinikums in Pforzheim. Er ist bei seiner Oma auf der Treppe gestürzt und aufs Kinn gefallen. Seine Mutter hat das blutende Kind nach Pforzheim gebracht, die Wunde wird genäht. Kurz darauf strahlt Jamie wieder. Er darf mit der Fernbedienung des Krankensitzes spielen.

„Das sind die Momente, die mir an meiner Arbeit sehr gut gefallen. Wenn die verletzten Kinder wieder lachen, nachdem wir sie versorgt haben“, sagt Dr. Rolf Beier, Leiter der Notaufnahme am Klinikum in Pforzheim. Seit 1996, also seit die zentrale Notaufnahme dort besteht, ist er mit dabei. „Mir macht meine Arbeit sehr viel Spaß, weil sie sehr vielseitig ist. Zu uns kommen Menschen mit unterschiedlichsten Krankheitsbildern“, sagt er. Dennoch gibt es auch für ihn Momente, in denen er seine Arbeit nicht so gerne macht. „Wenn schwer verletzte Menschen, zum Beispiel nach Unfällen, bei uns eingeliefert werden, und wir alle Hebel in Bewegung setzten, um sie zu retten, und wir am Ende den Angehörigen doch sagen müssen, dass der Verletzte gestorben ist, ist das für uns immer sehr schlimm.“

Beier erinnert sich an einen Fall vor einigen Jahren, als eine 30 Jahre alte Frau eingeliefert wurde. „Die Frau hatte einen schweren Verkehrsunfall und wir konnten sie nicht retten. Als dann ihr Mann mit den beiden kleinen Kindern eintraf, mussten wir ihm sagen, dass die Patientin leider gestorben ist.“

Doch nicht immer gibt es in der Notaufnahme des Klinikums solche schlimmen Fälle. Der Alltag besteht laut Baier aus Patienten mit kleinen, chirurgischen Verletzungen beispielsweise nach Stürzen. Oder Herzproblemen und Schlaganfällen. „Vor allem die Schlaganfälle haben in den letzten Jahren sehr zugenommen, weil die Menschen immer älter werden.“ Ältere Menschen seien ohnehin immer häufiger in der Notaufnahme anzutreffen. Wie eine Dame, die gerade in einem der vielen Zimmer behandelt wird. Sie ist nachts gestürzt, wollte aber ihre Angehörigen nicht belästigen. Am nächsten Vormittag hat ihre Tochter sie dann mit einer offenen Wunde am Ellenbogen ins Krankenhaus gebracht. Da sie blutverdünnende Medikamente nimmt, hat die Wunde lange geblutet.

Auch ein Zimmer weiter liegt eine ältere Frau. Da sie seit Tagen starke Kopfschmerzen und Probleme mit dem Magen hatte, wollte sie zu ihrem Heilpraktiker gehen. Doch dort kam sie nicht an: Unterwegs in der Stadt stürzte sie und wurde mit dem Rettungsdienst in die Notaufnahme gebracht. Nun warten zahlreiche Untersuchungen, bevor sie auf die entsprechende Station gebracht werden kann. „Mein Heilpraktiker wird auf mich warten“, sorgt sie sich.

„Viele Menschen leben vor allem in der Stadt im Alter alleine, und dann passieren solche Dinge“, weiß Beier.

73 Patienten am Tag versorgt

26700 Patienten wurden im vergangenen Jahr in der Notaufnahme des Klinikums behandelt, das bedeutet im Durchschnitt 73 Patienten am Tag. Dabei gibt es besonders frequentierte Zeiten: „Die Menschen halten ihre Beschwerden oft übers Wochenende aus und kommen dann gleich am Montag zu uns, oder sie haben Angst, dass die Beschwerden übers Wochenende stärker werden und kommen noch schnell am Freitag vorbei. Und auch in den Nächten am Wochenende ist stets viel zu tun.

„Mit alkoholisierten und aggressiven Patienten zu arbeiten, ist oft sehr unangenehm“, sagt Beier. Dennoch: Auch das gehöre zur Arbeit einfach mit dazu und mit der Zeit lerne man auch, mit solchen Situationen umzugehen. Carolin Ulbrich

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