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Etliche Politpromis, ganz viele Straßenkicker aus aller Welt: Nur Gewinner gibt es bei der Bolzplatzliga, die am Samstag ein spannendes und fröhliches Finale erlebte. Foto: Erb
17.07.2016

Bolzplatzliga: Vorzeigeprojekt ringt um Förderung

Pforzheim. Sehenswert und aufsehenerregend war das Finale der Sommersaison am Samstag bei der Inselschule.

Einsatz und Ballfertigkeit zeigten die Kicker bis zum Schlusspfiff – in der U 13 siegte das Team „Nike Football“, in der U 16 hatte der „East-Side-Club“ die Nase vorn, in der U 20 war „United King Soccer Ost“ unschlagbar gut. Denselben Stellenwert wie die sportliche Leistung hat in der Bolzplatzliga die Fairness. Pokale, Urkunden und Preise gab es auch für Fairplay – unter diesen Gewinnern war das Team „Ohlebusch“, das unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bilden.

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Benachteiligte Jugendliche führt diese Liga zusammen und trägt zur interkulturellen Verständigung junger Menschen verschiedener Kulturen und nationaler Herkunft bei. Dass das 2006 von der Stadtjugendring (SJR) Betriebs GmbH, dem Sportkreis Pforzheim/Enzkreis und der Stadt initiierte Projekt ein Erfolgsmodell ist, daran ließen die zahlreich zum Finale erschienenen prominenten Gäste keinen Zweifel. „Nirgendwo gelingt Integration besser als im Sport“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum. Der Chef der FDP-Landtagsfraktion, Hans-Ulrich Rülke, sprach von einem „wichtigen Integrationsprojekt“. Es sei „notwendig“, Kinder „an Sport und ein gewisses Regelwerk“ heranzuführen. Jugendliche, die noch nicht lange in Pforzheim sind, könnten überschüssige Energie loswerden und den Einstieg ins Vereinsleben finden, sagte Sozialbürgermeisterin Monika Müller, die wie mehrere Stadträte Pokale und Medaillen verteilte. OB Gert Hager hatte zuvor das Finale eröffnet. „Es wäre sehr wichtig, dass es weitergeht“, so Müller.

Ganz sicher ist das trotz aller Lobreden nicht. Die von Krichbaum vermittelte Finanzierung der Wintersaison durch die Bundesligastiftung lief nach drei Jahren aus. 12 000 Euro werden pro Jahr benötigt, der Präventionsverein „Sicheres Pforzheim – Sicherer Enzkreis“ gibt jährlich 5000 Euro. Es gilt also, ein Loch in der Kasse von 7000 Euro zu schließen. Nach wie vor gebe es für die Bolzplatzliga keine Regelfinanzierung durch die Stadt Pforzheim, erläuterten die Projektleiter Clemens Beisel vom SJR und Tobias Müller vom Sportkreis. Deshalb sei man jedes Jahr von neuem auf Förderer angewiesen. Die Wintersaison, die bereits am 24. September startet, wird über Rücklagen bestritten. Dann aber wird es eng.

Allein die Wintersaison führt 120 Spieler zusammen. Übers Jahr vereint die Liga rund 300 junge Straßenkicker aus gut 25 Nationen. Bewusst würden die Spiele auf Bolzplätzen in unterschiedlichen Stadtteilen ausgetragen, sagt Beisel – um darauf hinzuweisen, „wie wichtig es ist, genügend Freiräume für das Aktivitätsbedürfnis der Jugendlichen bereitzustellen“. Das Fehlen einer Person versetzte am Samstag auch den CDU-Stadtrat und Vorsitzenden des Kreisschiedsrichterausschusses, Jörg Augenstein, in Staunen. Die Kids leiten die Spiele und entscheiden selbst, was ein Foul ist und was nicht – ganz ohne Schiri.