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Ein Boot nach historischem Vorbild: Fatih Mehmet Yagan, Anleiter Adrian Kienle und Martin Marbath (von links) präsentieren das Gerippe. Foto: Ketterl
Ein Boot nach historischem Vorbild: Fatih Mehmet Yagan, Anleiter Adrian Kienle und Martin Marbath (von links) präsentieren das Gerippe. Foto: Ketterl
Macht es sich bequem: Andreas Diebold. Foto: Ketterl
Macht es sich bequem: Andreas Diebold. Foto: Ketterl
Eine schöne Tischplatte entsteht: Roland Bandini legt letzte Hand an. Foto: Ketterl
Eine schöne Tischplatte entsteht: Roland Bandini legt letzte Hand an. Foto: Ketterl
12.08.2018

Bootsprojekt nimmt Fahrt auf: Anlaufstelle für Arbeitslose in Eutingen kreiert Palettenkunst

Pforzheim-Eutingen. Das Skelett des Bootes, nach historischen Plänen gefertigt, trägt eine Besonderheit in sich: Arbeitslose haben es aus Einweg-Palettenholz geformt. Material, das Baumärkte normalerweise aufwendig entsorgen, hat eine neue Funktion übernommen. Unter den wachen Augen von Zimmerermeister Adrian Kienle feilen, schrauben und klopfen insgesamt 22 Männer und Frauen im Alter von 20 bis Ende 50 werktags im Alten Eutinger Kino, um das ungewöhnliche Vorhaben abzurunden.

Ein Kanu für die Enz

Mit Stoff bespannt und lackiert, soll das Boot in einigen Monaten auf der Enz zu Wasser gelassen werden, nach Vorbildern von Booten aus der Südsee und Asien. Vorher wird es am Tag der offenen Tür (Samstag, 18. August) zu sehen sein. Ein Schiffsbauexperte aus Stuttgart begleitet das Projekt, erklärt Gerd Schulz. Er ist Geschäftsführer der gemeinnützigen Service- und Integrations-Gesellschaft Enzkreis mbH mit Sitz in Mühlacker. Seit gut einem Jahr hat er das ehemalige Kino in Eutingen für seine Projekte „Stapellauf“ und „Kunst im Kino“ angemietet und bietet für die Kunden des Jobcenters Pforzheim und Enzkreis diese Beschäftigungsmaßnahmen an. Neben dem Boot entsteht allerlei aus Altholz.

Für den 52-jährigen Roland Bandini aus Pforzheim ist die Anlaufstelle ein echter Glücksfall. Er hatte jahrelang im Gerüst- und Pflasterbau gearbeitet, bevor er seinen Job verlor. Jetzt hat er seine Liebe zum Schreinerhandwerk wiederentdeckt. Ein Jahr lang lernte er als junger Mann diesen Beruf. Letzte Hand legt er gerade an eine schön gearbeitete Tischplatte aus Hölzern für sein Wohnzimmer an und wünscht sich sehnlichst, einen Job als Helfer in einer Schreinerei zu bekommen.

Phantasievolle Holzmöbel

Auf den 500 Quadratmetern Fläche mit Empore entsteht an jeder Ecke etwas anderes. Eine Küche aus Palettenholz etwa, der Computerraum aus Holztischen ist bereits fertig und dient den Jobsuchen als Arbeitbereich. Möbel für den Garten sind genauso im Werden wie ein Sessel.

An den Wänden erinnern zwei Plakate an das Kino, das vor 54 Jahren seine letzte Vorstellung hatte. Künftig will Schulz ausgewählten Gästen thematische Nachmittage mit Bewirtung auf der Empore anbieten. Ein Café für Begegnungen zu eröffnen, könnte ein Fernziel sein, ließe sich aber momentan aufgrund zahlreicher Auflagen nicht verwirklichen, bedauert er.

Deshalb wird es wohl vorerst bei dem Tag der offenen Tür am Samstag 18. August, von 14 bis 18 Uhr an der Hauptstraße 75 bleiben. Zeitgleich veranstaltet der Heimatverein im Schulgebäude nebenan seine Hocketse mit Flohmarkt.