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30.07.2009

Bordell-Gegner wollen mit Klagen Zeit gewinnen

PFORZHEIM. Lange hat es gedauert, bis reges wirtschaftliches Leben im Gewerbegebiet Hohenäcker eingezogen ist. Aber die Stadtverwaltung hat auch bewusst darauf geachtet, dass hier nicht bloß reine Verkaufsflächen aus dem Boden gestampft werden. Unternehmer Bernd Zorn hat sich mit seiner Firma "Saazor" hier angesiedelt. Aber damals wusste er auch noch nicht, dass in seiner Nachbarschaft ein Bordell gebaut werden sollte.

Eine gute Lage ist ein wichtiger Baustein für gute Geschäfte. Das Grundstück an der Adolf-Seebacher-Straße und nahe der Firma "Saazor" liegt gut - gleich neben der B 294 und nahe beim Autobahnanschluss Pforzheim-Nord. Kein Wunder also, dass sich die Sindelfinger Bordellbetreiber V. M. und S. M. (Namen von der Redaktion geändert) mit diesem Areal gute Geschäfte versprechen.

Doch im Umfeld stoßen die Pläne für den Bau eines Eros-Centers auf Ablehnung. Anlieger haben geklagt - und vorerst verloren. Das Verwaltungsgericht Karlsruhe sieht in dem Eros-Center keine Vergnügungsstätte, wie sie im Bebauungsplan für das Gewerbegebiet verboten sind. Das wiederum kann Zorn nicht verstehen. Man gehe doch gerade deshalb ins Bordell, um dort sein Vergnügen zu suchen.

Und Rechtsanwalt Ludwig Homann gibt ihm Recht. Da sieht er auch das Gesetz auf seiner Seite. Zumindest gebe es in der Rechtssprechung mehr Entscheidungen für seine Sichtweise als für die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Karlsruhe.

Zorn wirft der Stadt vor, den Bebauungsplan nicht wasserfest genug erstellt zu haben. Man habe eine ganze Menge Einrichtungen bis hin zu kirchlichen Institutionen ausgeschlossen, aber bei den Beispielen für Vergnügungsstätten haben man Bordellbetriebe nicht erwähnt. Er vermisst bei der Stadtverwaltung auch eine klare Stellungnahme in dieser Angelegenheit. In Heidelberg habe man da mutiger gehandelt und ein Bordell einfach als Vergnügungsstätte deklariert, ohne Angst vor einem möglichen Rechtsstreit zu haben.

Bis zum Redaktionsschluss von PZ-news gab es keine Stellungnahme der Sindelfinger Rotlicht-Manager. Sie planen aber ein Bordell mit 30 Prostituierten und seien nach Informationen von PZ-news auch dazu bereit, einen Preis für das Grundstück zu zahlen, der über dem normalen Marktwert liege. Das Areal gehört einem Privatmann.

Doch es gibt auch andere Interessenten, wie Unternehmer Bernd Zorn weiß. Die Pforzheimer Bäckerei Pasler habe schon weit gediehene Pläne. Ein in Pforzheim wohnender italienischer Geschäftsmann könnte sich auf dem Grundstück einen Autohandel und anderes mehr vorstellen.

Am Ende könnte vielleicht der Zeitfaktor den Ausschlag für den Grundstückseigentümer geben, das Areal doch zu einem günstigeren Preis an andere Interessenten als die Sindelfinger Bordell-Betreiber zu verkaufen. Das erhofft sich Zorn, der mit einer Fortsetzung der Verhandlungen vor Gericht Zeit gewinnen will. Homann prüft die Zulassung der Berufung vor dem Verwaltungsgerichtshof und will die Frage endgültig geklärt sehen, ob ein Bordell wirklich keine Vergnügungsstätte ist. Selbst der Gang vor das Bundesverwaltungsgericht ist nicht ausgeschlossen.

Es wird also noch einige Zeit dauern, bis endgültig fest steht, wer auf diesem gut gelegenen Grundstück gute Geschäfte machen darf.