nach oben
Obenauf und dennoch skeptisch: Mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung und Mitgliedern des Bauausschusses erkundet Bürgermeister Alexander Uhlig (Zweiter von links) einen der 15 Fluchttreppentürme der Konrad-Adenauer-Realschule. Foto: Seibel
Über Stahlkonstruktionen können Wittum-Schüler nun im Notfall flüchten. Foto: Seibel
28.10.2015

Brandschutz-Notlösung: Kritik an teuren Treppentürmen

Am Reuchlin-Gymnasium sind es sechs Spindeltreppen, die rund 550.000 Euro gekostet haben. 580.000 Euro waren für die sechs Treppentürme in Stahlkonstruktion an der Johanna-Wittum-Schule fällig, die Mitglieder des Bau- und Liegenschaftsausschusses am Mittwoch unter die Lupe nahmen. Gleich nebenan bestiegen sie gar einen von 15 Fluchttreppentürmen an der Konrad-Adenauer-Realschule, die mit gut einer Million Euro zu Buche schlagen. Gefallen finden die Stadträte an keiner dieser Brandschutz-Maßnahmen.

Bildergalerie: Feuertreppen an der Johanna-Wittum-Schule und Konrad-Andenauer-Realschule

„Ich bin schon ziemlich entsetzt, was ich da gesehen habe“, urteilte Florentin Goldmann (CDU). Die Südfront der Adenauer-Schule habe nun „Gefängnis-Charakter“. Und die Anlage sei „schulpädagogisch nicht zu beherrschen“, weil Schüler zu jeder Zeit einfach aus dem Fenster auf eine der Fluchttreppen klettern könnten. Nicht nur Goldmann stieß in der Sitzung auf, dass all diese Anbauten nur für fünf Jahre genehmigt wurden. Sprich: Mit gut zwei Millionen Euro wurde nur Zeit zur grundlegenden Lösung der Brandschutz-Probleme erkauft. Wie Ingo Baumann, der Leiter des Baurechtsamts, erläuterte, handelt es sich um „Not-Maßnahmen“. Besagte Schulen hätten ohne diese Eingriffe nicht weiterbetrieben werden können. Baubürgermeister Alexander Uhlig sprach von der „günstigsten und schnellsten Lösung“, auf die sich Baurechtsamt, Feuerwehr und Regierungspräsidium „noch“ eingelassen hätten. Durch eine „recht großzügige“ Auslegung der Vorschriften wurde laut Baumann eine Duldung des Schulbetriebs erreicht.

Eine überschaubare Verlängerung der Fünf-Jahres-Frist sei nur denkbar, wenn bis dahin konkrete Vorbereitungen für dauerhafte Lösungen liefen. Eben ein solches Konzept für Schulsanierungen mit Zeitschienen hat Axel Baumbusch (Grüne Liste) bei der Klausurtagung des Gemeinderats zur strategischen Haushaltsplanung am vergangenen Wochenende in Durbach vermisst.

Wie Uhlig und Volkhard Leetz vom Gebäudemanagement erläuterten, waren diese Schulen korrekt geplant und gebaut worden. Doch die Vorgaben zum Brandschutz hätten sich verändert. Zweite bauliche Rettungswege seien zwingend erforderlich.

Die besonders kritisierte Notlösung an der Adenauer-Schule habe den Vorteil, dass die Gerüste abgebaut und andernorts verwendet oder weiterverkauft werden könnten. Wiederholt habe die Verwaltung darauf hingewiesen, dass es sich um kurzzeitige Provisorien handele. Man greife so wenig wie möglich in die Gebäudesubstanz ein, um sich künftige Sanierungen nicht zu verbauen. Dass diese nötig sind, führten Rost und Abplatzungen an der Fassade der Konrad-Adenauer-Schule vor Augen.

Leserkommentare (0)