Brandstifterin wird wieder in der Psychiatrie untergebracht

Pforzheim.Was sich am 4. Juni auf dem Balkon einer Wohnung in Eutingen ereignete, hätte schlimm ausgehen können. Glücklicherweise waren zwei junge Frauen auf einem benachbarten Balkon beim Kaffeetrinken und verständigten umgehend die Feuerwehr. Und nicht nur das: Sie filmten den Brand im Nachbarhaus auch noch mit dem Handy - Beweismaterial für einen Prozess gegen eine 58-jährige Pforzheimerin.

Anhand des Films konnten die Prozessbeteiligten vor der Auswärtigen Großen Strafkammer im Verfahren gegen die Frau aus Pforzheim drastisch miterleben, wie schnell so ein Feuer ausbrechen und die Mieter eines Hauses mit zwölf Parteien und die Menschen in den umliegenden Häusern in Gefahr bringen kann. Und sie sahen natürlich auch Petra S. (Name geändert), die den Brand ausgelöst hat, indem sie in einem Metallgestell auf ihrem Balkon Pflanzenabfälle verbrannte.

„Sie haben riesengroßes Glück gehabt, dass nicht mehr passiert ist, vor allem auch ihnen selbst nicht“, so der Vorsitzende Richter Hermann Meyer in der Urteilsbegründung. Da der Boden des Balkons – ebenso wie die gesamte Wohnung der Frau – mit Müll übersät waren, hatte sich das Feuer unglaublich schnell ausgebreitet. Innerhalb weniger Sekunden entzündete sich das Geländer des Balkons, ehe die Flammen sich dann in den Dachstuhl fraßen.

Polizei und Feuerwehr waren schnell vor Ort und so wurde das Feuer zügig gelöscht und niemand verletzt – bis auf zwei Einsatzkräfte, die leichte Rauchvergiftungen erlitten. Der Sachschaden betrug 70.000 Euro. Als er sie aus der verrauchten Wohnung gezogen habe, habe Petra S. abwesend und verwirrt gewirkt, so ein Streifenpolizist im Zeugenstand. „Ich hatte den Eindruck, dass sie nicht verstanden hat, was passiert ist“, fügte er hinzu.

Das Wie und Warum ihrer Tat wird die psychisch kranke Frau – sie leidet unter einer Psychose mit Wahnvorstellungen und hat starke Depressionen – wohl bis heute nicht verstanden haben. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in einem Wohnheim für psychisch kranke Menschen und zahllosen Aufenthalten in der Psychiatrie in den Jahren zuvor, war Petra S. zum Erstaunen aller Prozessbeteiligter als geheilt entlassen worden und war für einige Monate in der eigenen Wohnung mehr oder weniger auf sich gestellt gewesen.

In jener Zeit soll sie sich vor allem von Hundefutter und Schnittblumen ernährt und sich künstlerischen Arbeiten gewidmet haben, für die wohl auch Asche als Material wichtig gewesen sein soll. Ihre Medikamente hatte sie – im Glauben gesund zu sein – abgesetzt.

Um Strafe ging es bei diesem Verfahren also nicht. Petra S. ist nicht schuldfähig, aber aufgrund ihrer Erkrankung eine Gefahr für die Allgemeinheit. So sah es nicht nur Staatsanwältin Antje Hilka, die in ihrem Plädoyer die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus forderte und deren Anwältin Susanne Burkhardt, sondern am Ende auch das Gericht. Die Frage sei gewesen, so Meyer wie man ihre Umwelt und sie selbst schützen kann.