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18.01.2010

Brandstiftung? Trotz Flammen noch vieles im Dunkeln

PFORZHEIM. War es Brandstiftung, schwere gar? Oder eine unachtsam weggeworfene Kippe, vielleicht im Suff? Was steckte hinter dem Brand einer Doppelhaushälfte auf dem Buckenberg? Dies versucht das Landgericht zu klären.

Es war am frühen Morgen des 1. August, kurz vor drei Uhr. Blaulicht zuckte am Strietweg. Die Feuerwehr bekämpfte die Flammen im Keller einer Doppelhaushälfte, verhinderte erfolgreich das Ausbreiten des Feuers auf die übrigen Teile des Hauses. Dennoch entstand ein Sachschaden in Höhe von über 80 000 Euro. Was – oder vielleicht wer – hatte den Brand ausgelöst? Schon früh geriet der Mieter ins Visier der Brandermittler und im Zuge der Untersuchungen auch der Staatsanwaltschaft. Für sie steht fest: Vincent P. (Name geändert), 35, gelernter Schreiner und Maurer, zuletzt im öffentlichen Dienst beschäftigt, aber krankgeschrieben, muss gezündelt haben, augenscheinlich nach einem Streit mit seiner Ehefrau, die kurz danach die Scheidung einreichte. Im Keller habe der gebürtige Pfälzer entzündliches Material mit einer Lötlampe angezündet.

„Stimmt alles nur zum Teil“, sagt P. am ersten von zwei Prozesstagen vor der Auswärtigen Großen Strafkammer des Landgerichts in Pforzheim unter Vorsitz von Hermann Meyer. „Und was stimmt nicht?“, fragt der Vorsitzende.

Beispielsweise, dass er rohe Gewalt angewandt habe, um in eine Wohnung an der Hagenschießstraße zu gelangen, in der sich seine Frau befand: bei Freunden. Hier wollte Manuela P. auch übernachten. Wer geht schon gerne nach Hause, wenn der Mann mal wieder vor Eifersucht ausrastet, schon etwas im Tee hat und einem unterstellt, man sei aus ganz unmoralischen Gründen bei Freunden? Gut, so P., er habe mit der Schulter etwas nachgeholfen, um die Tür zu öffnen – mehr nicht.

Viel oder wenig Alkohol?

Auch habe er das Haus nicht angezündet. Es sei vielmehr so gewesen, dass er im Keller Unterlagen sortiert, dabei geraucht und möglicherweise die Kippen nicht ordentlich ausgedrückt habe. Ihm sei schlecht gewesen – vielleicht von der angespannten familiären Situation, dem vielen Nikotin, dem vielen Alkohol an jenem Abend. Er sei irgendwann ins Bett gegangen, später am Rauch aufgewacht, hinaus gewankt und zusammengebrochen. Im Gefängniskrankenhaus auf dem Hohenasperg sei er aufgewacht und alsbald verdächtigt worden. Seither sitzt er in Stammheim in Untersuchungshaft. Im Übrigen, so P. zu seiner vorgeblichen Entlastung weiter, sei die Gaskartusche der Lötlampe leer gewesen – wie also hätte er mit ihr brennbares Material im Keller anzünden sollen?

So betrunken sei er gar nicht gewesen, sagen jedoch übereinstimmend seine Frau, ihre Freundin, bei der sie Zuspruch und Zuflucht gefunden hatte, deren Mann und Jugendliche, die gesehen hatten, wie Vincent P. in einer Kneipe in der Nordstadt mit seiner Stieftochter – seine Frau brachte drei Kinder mit in die Ehe – mehrere Biere kippte. Auch zwei Taxifahrer können sich nicht an Vincent P. als betrunkenen Fahrgast erinnern. Am zweiten Verhandlungstag wird die Kammer weiterhin versuchen, mithilfe von Zeugen und zwei Sachverständigen, Licht ins Dunkel zu bringen. Spielten in der Vergangenheit Selbstmordgedanken bei P. eine Rolle? Wie ist es zu bewerten, dass er für ein Vierteljahr Hausverbot wegen häuslicher Gewalt erhielt? Gab es ein Suchtproblem?

Fortsetzung am Mittwoch,

3. Februar, 9 Uhr, im Saal 1

des Amtsgerichtsgebäudes