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27.10.2009

Briefmarkenhändler in Hafnergasse überfallen

PFORZHEIM. Beim Überfall auf einen Briefmarkenhändler in der Pforzheimer Innenstadt hat ein Unbekannter am Dienstag mehrere hundert Euro erbeutet. Zunächst hatte es geheißen, dem Täter sei auch eine Waffe in die Hände gefallen.

Kurz nach 10 Uhr: drei Streifenwagen, zwei grün-silberne Busse an der Ecke Leopoldstraße/Hafnergasse. Überall Polizisten in Uniform mit quäkenden Funkgeräten, dazwischen Kriminalbeamte. „Was ist passiert?“, fragen die Menschen, die sich neugierig am östlichen Ende der Hafnergasse drängen. Aus den Fenstern lugen Hausbewohner. Verkäuferinnen riskieren mehr als nur einen kurzen Blick. Es spricht sich herum: Zum wiederholten Mal wurde ein Briefmarken- und Münzsammler – er hat sein Büro im ersten Stock, ist mittlerweile 82 Jahre alt und geht an Krücken – Opfer eines Raubüberfalls. Diesmal war der Täter nicht, wie vor zweieinhalb Jahren, ein 15-jähriger Schüler. Sondern, wie die Polizei nach den Aussagen des Opfers präzisiert, ein 20- bis 25-jähriger Mann, etwa 1,75 Meter groß, bekleidet mit einem grob gestrickten dunklen Pullover. Er trug eine Maske mit Sehschlitzen.

Ist der Täter noch im Haus? Niemand weiß es. Drei Zeugen berichten, sie hätten niemanden herauskommen sehen aus dem Gebäude. Doch das Opfer sagt, der Täter habe das Büro verlassen. Es macht die Sache nicht leichter, dass der Räuber, der wortlos mehrere hundert Euro erbeutete, dem Opfer auch eine scharfe – angemeldete – Pistole gestohlen haben soll. Später wird sich herausstellen: Er hat sie neben der Schublade liegen gelassen. Doch das wissen die Beamten zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Drei von ihnen bilden einen Durchsuchungstrupp. Sie tragen stärkere Schutzwesten als die üblichen, haben Kevlar-Helme mit Visier übergestülpt; einer von ihnen, der kräftigste, geht mit einem schusssicheren schwarzen Schild voran. Sie durchkämmen Zimmer für Zimmer, Stockwerk für Stockwerk. Über Funk werden die Arbeitsplätze der Wohnungsinhaber durchgegeben. Man wird sie antelefonieren – schließlich will man keine Türen aufbrechen. Wer weiß – vielleicht hat sich der Unbekannte sonstwie Zutritt verschafft? Am Abend vorher, erinnert sich ein Anwohner, habe ein Gast im „Mocca Stüble“ nach dem Schlüssel für die Toilette – sie befindet sich ein Stockwerk tiefer – gefragt, sei aber lange nicht zurückgekommen. Der Wirt habe nachgesehen, die Tür sei von innen abgschlossen gewesen. Der Gast habe bedeutet, er werde gleich nach oben kommen – was wohl nicht geschah. Hatte er sich über Nacht einschließen lassen?
Erst gegen Mittag ist klar: Dem Täter muss vor Eintreffen der Polizei die Flucht gelungen sein. Ein Großteil der Beamten rückt ab, zurück bleibt die Spurensicherung.

Und die Erinnerung an den Überfall vom 11. Februar 2006 an gleicher Stelle. Damals hatte der Händler einem 15-Jährigen kräftigen Widerstand geleistet so dass der von seinem versuchten Überfall abließ. Er wurde deshalb so schnell geschnappt, weil die Polizei in der Nähe eines Parkhauses auf einen 14-Jährigen stieß, der Schmiere gestanden hatte.