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26.06.2013

Brutale Schlägerei hatte eine Vorgeschichte

Es war schwer Licht ins Dunkel eines brutalen Geschehens im Mai letzten Jahres auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants auf der Wilferdinger Höhe zu bringen. Ein 36 und 27 Jahre alter Mann – beide gehören der yezidischen Gemeinde in Pforzheim an und stammen aus dem Irak – mussten sich wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor einen Glaubensgenossen brutal geschlagen und getreten zu haben. Der Mann erlitt erhebliche Verletzungen und musste für eine Nacht ins Krankenhaus. Auch sollen die Männer ihr Opfer mit einem Ast malträtiert haben. Besagter Ast sei allerdings eher ein Ästchen gewesen, betonte der ermittelnde Polizeibeamte im Zeugenstand. „Für mich war das kein Schlagwerkzeug“, sagte er. Es habe sich um ein federleichtes Teil gehandelt, 40 cm lang und knapp 80 Gramm schwer.

Eine Mitarbeiterin des Schnellrestaurants war dem Opfer – ihrem damaligen Chef – zu Hilfe geeilt und hatte versucht ihn von den Schlägern wegzuziehen. „Als ich dort ankam, lag er schon auf dem Boden“, so die Zeugin. Sie betonte auch, dass Ahmed Z. und Yussef P. (Namen geändert) beide geschlagen und getreten hätten. Und ein älterer Mann habe auch noch mitgemacht. Es sei sehr heftig gewesen. Unter anderem hätte der Geschädigte einen Tritt aufs Auge bekommen.

Das Opfer hatte ausgesagt, dass nur Ahmed Z. ihn angegangen habe. Bei der Polizei hatte noch von beiden gesprochen. Ahmed Z. hatte die Vorwürfe eingeräumt und betont, dass Yussef P. nicht beteiligt gewesen sei. Die Vertreterin der Staatsanwalt glaubte dies nicht. In ihrem Plädoyer forderte Carolin Kley für beide Angeklagte eine Strafe von einem Jahr und 6 Monaten. Zur Bewährung, da die Männer nicht vorbestraft sind. Ahmed Z. soll darüber hinaus eine Geldbuße in Höhe von 1200 Euro entrichten.

Dessen Anwalt Helmut Heretsch sprach sich gegen eine Geldstrafe, da sein Mandant wenig verdiene und fünf Kinder habe. Ein Jahr und 2 Monate sehe er für die Tat als ausreichend an. Rechtsanwältin Katja Visel forderte einen Freispruch für Yussef P. Es könne nicht bewiesen werde, dass ihr Mandant zugeschlagen habe. Sie gehe davon aus, dass er nur schlichten wollte.

Das Gericht schloss sich am Ende der Staatsanwaltschaft an und verurteilte die beiden Männer jeweils zu Bewährungsstrafen von einem Jahr und 4 Monaten. Ahmed Z. muss darüber hinaus 1200 Euro an eine gemeinnützige Organisation bezahlen.

Es habe sicher im Vorfeld Streitigkeiten und gegenseitige Bedrohungen gegeben, so Richter Claus Möllinger in seiner Urteilsbegründung. Auch die widersprüchlichen Aussagen des Opfers seien nachzuvollziehen. Entweder sei der Geschädigte unter Druck gesetzt worden oder es seien im Vorfeld Absprachen zwischen den beteiligten Familien getroffen worden. „Ich wünsche mir, dass sich die Spannungen inzwischen gelöst haben“, so Möllinger.