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Bühnenball begeistert Publikum im CCP © Bechtle
03.03.2013

Bühnenball begeistert Publikum im CCP

Es war ein langer Abend voller Abwechslung und Ausgelassenheit, voller mitreißender Melodien und stimmungsvoller Tanzmusik. Der Bühnenball des Theaters Pforzheim, der alle zwei Jahre gemeinsam mit dem Förderverein des Theaters im CongressCentrum veranstaltet wird, bewies einmal mehr, dass er zu den wichtigen gesellschaftlichen Ereignissen der Goldstadt gehört.

Bildergalerie: Bühnenball des Pforzheimer Theaters im CCP

Auch bei der 34. Auflage der Ballnacht zeigten sich über 1100 Gäste vom Programm überaus beeindruckt, schwangen ausgiebig ihr Tanzbein und feierten bis weit nach Mitternacht. „Der Ball hat an Attraktion nichts verloren“, freute sich denn auch Verwaltungsdirektor Gustl Weber über die überaus positive Resonanz. Als er sich gegen halb vier morgens auf den Heimweg machte, sei die Bar im Foyer noch immer dicht bevölkert gewesen. Kontrabassist Klaus Dusek und seine Jazzcombo hatten dort für Extra-Stimmung gesorgt.

Doch ganz von vorne: Eröffnet wurde der Abend durch Carsten von Zepelin, Vorsitzender des Fördervereins. Er bezeichnete das Drei-Sparten-Theater als „Flaggschiff, auf das wir sehr stolz sind“. Auch die Ausrichtung der 21. Baden-Württembergischen Theatertage im Juni sei eine Auszeichnung.

„Darauf sind wir stolz. Zehn Tage werden wir feiern“, kündigte auch Schauspieldirektor Murat Yeginer an, der gemeinsam mit Operndirektor Wolf Widder durch den Abend führte. Mit kraftvoller Marschmusik, bei der die Lichtsäulen auf und neben der Bühne zu blinken begannen, stimmte die Badische Philharmonie Pforzheim unter Leitung von Generalmusikdirektor Markus Huber auf das musikalische Programm ein.

So präsentierten die Künstler des Stadttheaters nach der Ouvertüre „Leichte Kavallerie“ von Franz von Suppé einen spannenden Spaziergang durch das Programm der aktuellen Spielzeit. Oper, Operette, Revue und Musical – die vielseitigen Darbietungen ließen keine Langeweile aufkommen.

Haben Sie gehört?

Während Sopranistin Franziska Tiedtke als reizende „Christel von der Post“ aus Carl Zellers Operette „Der Vogelhändler“ ihre Briefe im Zuschauerraum verteilte, nutzte Klaus Geber seinen Auftritt als Baron Weps, die neusten Themen aus Kultur und Politik aufzuspießen. „Haben Sie gehört“, den uralten Beruf des Souffleurs gebe es an unserem Haus nicht mehr. Auch vorm „Skandal in unserem Lande“, vor Stuttgart 21 machte er nicht Halt, genauso wenig wie vor der Debatte um die Polizeidirektion Pforzheim: „Nicht jeder Politiker ist auch kompetent“, sang der Sänger seinen selbst umgedichteten Text.

Herzergreifend dagegen das Duett „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ von Tenor Bernhard Hirtreiter und Koloratursopranistin Maria Perlt zusammen mit dem Chor des Theaters. „Operetten halten auch immer Lebenshilfen bereit“, kündigten die beiden Conférenciers, Widder und Yeginer, das schwungvolle Terzett „Kämpfe nie mit Frauen“ an, bei dem auch Tu Ngoc Hoang und Maximo Marinelli vom Ballett über die Bühne wirbelten. Als Putzfrau mit Besen gelang es Hoang sogar, das Moderatoren-Duo aus dem Konzept zu bringen – ganz zum Vergnügen des Publikums.

Dann der machtvolle Übergang mit Richard Strauß‘ „Also sprach Zarathustra“ in eine neue Zeit, in die Rock’n’Roll-Zeit der 1950er Jahre. Schauspieler in Petticoat und mit Elvis-Tolle betraten die Bühne, versprühten Energie mit „C.C. Rider“ und ließen das Publikum bei „Falling in Love“ mitschwelgen. Bei „Blue Suede Shoes“ legte das Oktett aus der musikalischen Revue „Elvis liebt Dich!“ von Matthias Kniesbeck und Jochen Kilian noch eins drauf: Mittanzen sollten die Zuschauer – was sie prompt taten (siehe weiterer Artikel).

Prächtige Barock-Perücken

Als Heimsheimer „Knacki“, der sich „auf Freigang“ befand, hatte Markus Löchner seinen besonderen Solo-Auftritt. Bei „Jailhouse Rock“ schleuderte er mal eben Kollegin Joanne Gläsel über die Schulter. Prächtige Barock-Perücken und Kleider stachen dagegen bei den Auszügen aus der kürzlich angelaufenen Oper „La Cenerentola“ von Rossini ins Auge. Die beiden Bässe Axel Humbert und Aykan Aydin überzeugten bei ihrem Duett „Un segreto d’importanza“ ebenso wie Marie Kristin Schäfer als Aschenputtel mit ihrer klangschönen Sopranstimme bei „Nacqui all’affanno“. Voller Gefühl auch Benjamin-Edouard Savoie‘s Interpretation von „The music oft the night“ aus Webbers Musical „Das Phantom der Oper“.

Zu den Höhepunkten des Programms gehörte freilich der Hildegard-Knef-Hit „Rote Rosen“, dargeboten von der wunderbaren Lilian Huynen, und die herrlich düsteren und stimmgewaltigen Ausschnitte aus dem Erfolgs-Musical „Dracula“. Etwas zu kurz kam insgesamt das Ballett Pforzheim, das beim Schlusslied „Leb‘ noch einmal“ mit Chris Murray und Femke Soetenga eine dynamische Extra-Note setzte.

Mitreißend auch noch einmal die engagiert aufspielende Badische Philharmonie, die nun vom Tanz- und Showorchester „Erich Erber“ aus Mühlacker abgelöst wurde. So klang der Bühnenball mit spritziger Tanzmusik noch lange nicht aus und sorgte noch für so manche heiße Einlagen auf dem Parkett.

„Wenn Sie nicht gebissen werden wollen, dann kaufen Sie Lose“, legte Graf Dracula alias Chris Murray den Zuschauern ans Herz, fletschte seine Zähne und mischte sich mit Lady Mina Murray alias Femke Soetenga unters Volk. Gefolgt von „Elvis“, „Aschenputtel“ und „Hildegard Knef“. Keiner wurde gebissen. „Alle 1000 Lose wurden verkauft“, verkündete Fördervereinsvorsitzender Carsten von Zepelin bei der Verlosung.

Drei Hauptpreise, zwei Jubelschreie und eine ahnungslose Auto-Gewinnerin – die Tombola ging mit Spannung über die Bühne. 16 Preise wurden vergeben, zwei davon gingen an Mitarbeiter des Theaters. Ganze Tischreihen jubelten als Chorsängerin Angela Wohlschläger den vierten Preis, einen iPad, gewann. Und ein zweites Mal, als Alexandra Fiedler aus der Schneiderei den zweiten Preis absahnte, den 18-Karat-Ring „Pistazie“ aus dem Hause Wellendorff/Juwelier Leicht. Über den dritten Preis, einen Fernseher, freute sich der langjährige Präsident des Schwarz-Weiß-Clubs Pforzheim, Dieter Bülling. Topsiegerin Margarete Hutka erfuhr erst auf der Bühne, dass sie den weißen VW up! von Rösch Automobile gewonnen hatte. „Ich habe das nicht mitgekriegt, war so auf meine Nummer konzentriert“, sagte die 56-Jährige aus Pforzheim überglücklich.

Glück hatten an diesem Abend auch 15 andere Gäste – am Glücksrad im Foyer. Dort machten die künstlerischen Leiter der 21. Baden-Württembergischen Theatertage, Murat Yeginer und Martina Leidig, auf das nächste große Ereignis am Theater Pforzheim aufmerksam. Der Andrang war groß: Für jeden Dreh gab es zwei Freikarten für das Festival im Juni, bei dem 27 Bühnen mitwirken.

Zweimal links und zweimal rechts – die Zuschauer hatten sichtlich Spaß beim „Blue Suede Shoes“-Rock’n’Roll-Song von Elvis Presley. Sie erhoben sich von ihren Plätzen, rissen ihre Arme hoch und ließen ihre Hüften kreisen – genau so, wie Jörg Bruckschen & Co von „Elvis liebt Dich!“ es auf der Bühne vormachten. Vor allem Oberbürgermeister Gert Hager legte sich ins Zeug und stimmte sich auf die späteren Tanzrunden ein. FDP-Politiker Hans-Ulrich Rülke hielt sich dagegen zurück, auch zu fortgeschrittener Stunde: „Ich werde intensiv darüber nachdenken, ob ich tanze und um Mitternacht eine Entscheidung treffen“, sagte er bei besterLaune. ani

Tango, Rumba und auch Langsamer Walzer – auf der Tanzfläche ging es jedenfalls heiß her. Da blickte nicht nur CDU-Bundestagsabgeordneter Gunther Krichbaum seiner Frau Oana tief in die Augen, da hielt auch Generalmusikdirektor Markus Huber seine Gattin Peggy fest in seinen Armen und belohnte sie nach einer Tanzpartie mitten auf dem Parkett mit einem liebevollen Kuss. ani