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Schwerer Stand: Die Planer Günter Strobel (rechts) und Marc Christmann (zweiter von rechts) stellen sich den Fragen und Vorwürfen empörter Anwohner des Rodgebiets, die sich gegen den Bau eines Supermarkts stemmen.
17.04.2012

Bürger zum Rod-Supermarkt: „Uns hat niemand gefragt“

Sie können einem leid tun“, sagt Heide Bentner, eine der Wortführerinnen gegen einen möglichen Supermarkt an der Postwiesenstraße. Fast möchte man meinen, Marc Christmann würde ihr jeden Moment dankbar um den Hals fallen. Denn Christmann hat an diesem Nachmittag einen der undankbarsten Jobs in Pforzheim: den Bewohnern des Rodgebiets Rede und Antwort stehen, hinter sich zwei Planzeichnungen an der Tafel „Öffentlichkeitsabteilung“ im fünften Stock des Technischen Rathauses, vor und neben sich größtenteils empörte Bürger, rund 40 an der Zahl.

Bildergalerie: Bürgeranhörung im technischen Rathaus zum Supermarkt auf dem Rodgebiet

„Uns hat niemand gefragt“, schäumen sie. „Sieht so eine Bedarfsanalyse aus?“, fragt Sergej Herdt, als Christmann einräumt, es sei „unüblich“, Anwohner bei einer Bedarfsanalyse zu befragen. Christmann arbeitet für das Karlsruher Büro Modus Consult, für das Bebauungspklanverfahren beauftragt von der Stadt. Kopfschütteln, höhnisches Gelächter. Christmann spricht angesichts geplanter 1400 Quadratmeter Verkaufsfläche des möglichen Edeka-Markts als „angemessen“. Einzelschicksale müsse man „ernst nehmen“. Einer Anwohnerin platzt der Kragen: „Den Krach hier möchte ich Ihnen nicht zumuten“, ruft sie. Christmann legt nach: Die Technische Anleitung (TA) zum Schutz gegen Lärm regle, was noch erträglich sei – grünes Licht von dieser Warte aus für den Vollsortimenter auf dem Rodrücken.

Die Hälfte der anberaumten Zeit ist um. Auf Drängen der Wutbürgr holt sich Christmann Verstärkung: Günther Strobel vom Amt für Stadtplanung, Liegenschaft und Vermessung. Er spricht von „klassischer politischer Abwägung“, vom „demografischen Wandel“ – vereinfacht ausgedrückt: Die Leute werden älter und wollen fußläufig einkaufen gehen. „Das geschieht handstreichartig“, klagt Heide Bentner. Sie selbst wohnt nicht auf dem Rodrücken, wohl aber besitzen Tochter und Schwiegersohn eine Immobilie an der Vogesenallee. Nicht nur sie befürchten eine drastischen Wertverlust, wenn der Supermarkt kommt und von einem Anschwellen des Verkehrs ausgegangen werden muss. Eine Anwohnerin hat sich vor ein paar Jahren eine Wonung an der Rembrandtstraße gekauft. Beste Lage, das Gegenteil von billig. „Natürlich verliert die Wohnung an Wert, ganz erheblich“, attestiert Klaus Hilber, Vorsitzender des Bürgervereins, um den es lange still war. Umso lauter schallt nun der Protest. „Wir werden klagen für den Fall, dass der Gemeinderat den Bebauungsplan ändert“, sagt Hilber. Er habe einen Fachanwalt in Karlsruhe kontaktiert. Der werde gegebenenfalls die Interessen der Mehrheit der Bürger vor dem Verwaltungsgericht wahrnehmen. An Geld scheint kein Mangel zu sein. Um die Finanzierung des Anwalts brauche er sich keine Sorgen zu machen, habe ein prominenter Bewohner des Wohngebiets, das zum Sondergebiet werden soll, ihm versichert, sagt Hilber zur PZ.

Angst vor Spielhalle

Und was passiert, wenn der Edeka-Markt, der möglicherweise von der Tochter des „nah und gut“-Supermarkt-Betreibers Günter Wachtler betrieben werden könnte, sich nicht rentiert? Erst werde die Nahversorgung am Ludwigsplatz in Dillweißenstein zusammenbrechen, in der Folge der Verkehr den Nagoldhang verstopfen – und am Ende sei einer Nutzung, beispielsweise in Form von Spielhallen, Tür und Tor geöffnet. „Wir fühlen uns verarscht“, sagt eine Anwohnerin. Zustimmendes Gemurmel. Es geht fast unter, was Strobel versucht, zu versichern: Scheitere der Supermarkt, werde das Gelände wieder umgewidmet und werde erneut allgemeines Wohngebiet.

„Das Verfahren steht noch am Anfang und ist völlig ergebnisoffen“, sagt Strobel.

„Das glauben wir nicht“, schallt es ihm entgegen.

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