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24.09.2009

Bundestagskandidaten diskutieren lebhaft im Osterfeld

PFORZHEIM. Na also: Wahlkampf kann doch spannend sein! Bei der Podiumsdiskussion der fünf Pforzheimer Bundestagskandidaten am Donnerstagabend im Kulturhaus Osterfeld dauerte es nicht lange, bis heftig gestritten wurde.

Als Erik Schweickert (FDP) in Folge der Finanzkrise an die Eigenverantwortung der Bürger appelliert, nickt Gunther Krichbaum (CDU) noch. Stille Zustimmung auch, als Katja Mast (SPD) die Wirkung der Konjunkturpakete preist. Als Memet Kilic (Grüne) aber anprangert, weder die politisch Verantwortlichen noch der Finanzmarkt hätten etwas aus der Krise gelernt, da fängt Krichbaum an zu beben. Mit energischem Kopfschütteln und wilden Abwinken begleitet er schließlich die Forderung von Annette Groth (Linke) nach einer Änderung des Staatsbürgerrechts nach US-Vorbild, um Steuerschlupflöcher zu stopfen. Moderator Gerhard Baral, Chef des Kulturhauses Osterfeld, ist es schließlich, der den CDU-Mann erlöst: „Herr Krichbaum bitte, bevor es sie zerreißt.“ Der schimpft: „Das ist nicht wahr“, „Luftschlösser“ – was seine Vorrednerin fordere, sei nicht umsetzbar. Spätestens da ist Pfeffer drin in der Diskussion.

Die Erregung in den Stimmen der Kontrahenten nimmt zu, ebenso wie die Redezeit. Eine Minute pro Statement war vorgesehen, aber der Politiker in Rage redet eben gerne auch einmal mehr, so dass PZ-Chefredakteur und Diskussionsleiter Jürgen Metkemeyer mit Blick auf die Uhr mahnt: „Sie sprechen alle zwei Minuten.“

Inhaltlich bietet der Abend allerdings wenig Überraschendes. Lange schon sind die Themenfelder und Positionen bundespolitisch abgesteckt und auch die Pforzheimer Kandidaten scheren da wenig aus. Dass aber weitgehend altbekannte Positionen wiederholt werden, tut dem lebhaften Streit keinen Abbruch.

Sozialpolitik, Energiepolitik, Asylpolitik – Kilic redet bedacht, Groths Ton hat immer etwas Vorwurfsvoll-Anklagendes. Die erfahrenen Politprofis Krichbaum und Mast finden zurück zu ihrer Souveränität. Die Floskel-Häufigkeit nimmt zu, während die Volksseele im Saal immer wieder kocht. Bevorzugt bei der Steuer- und Sozialpolitik, der Atomkraft oder dem Afghanistan-Einsatz.

„Steuererhöhungen wären Gift für die Konjunktur“, sagt Krichbaum beispielsweise mit Blick auf die Mehrwertsteuer, erntet allerdings nur höhnisches Gelächter aus dem Publikum für seinen Nachsatz: „Versprechen, die man vor der Wahl macht, muss man danach auch einhalten.“

Applaus und Buh-Rufe halten sich die Waage, als sich Krichbaum offen für Schwarz-Gelb stark macht. Katja Mast lächelt diesen Angriff weg, Erik Schweickert freut sich still. Aber die Fronten sind klar an diesem Abend: Mast, Kilic und Groth haben sich auf Krichbaum und Schweickert eingeschossen, genauso wie umgekehrt. Schwarz und Gelb gehen sich ebensowenig ans Leder wie Rot, Rot und Grün.

Das im Übrigen hatte sich schon vor der Veranstaltung angedeutet: Während sich der Saal mit knapp 400 Politik-Interessierten füllte, standen Mast, Kilic und Groth ins Gespräch vertieft beisammen, während Krichbaum und Schweickert sich etwas abseits ebenso angeregt unterhielten.

Die Wünsche sind also klar. Am Sonntag wird sich zeigen, ob sie in Erfüllung gehen.