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Fertigkeiten am Computer gehören beim Programm von Joblinge zur Vorbereitung auf die Lehrstelle. Foto: Joblinge
Fertigkeiten am Computer gehören beim Programm von Joblinge zur Vorbereitung auf die Lehrstelle. Foto: Joblinge
17.03.2019

Bundesweite Initiative Joblinge will nach Pforzheim kommen

Pforzheim. Noch läuft die Ausschreibung der Jobcenter Pforzeim und Enzkreis. Doch die Initiative Joblinge, eine gemeinnützige Aktiengesellschaft, hat bereits ihren potenziellen Standort in Pforzheim an der Weiherstraße gefunden, an dem sie im Mai mit der Qualifizierung von Jugendlichen beginnen will. 

In den Planungen der Initiative Joblinge ist der Zuschlag durch die öffentliche Hand nur eines von mehreren Szenarien. "Ein Zuschlag wäre wünschenswert, ist für uns aber nicht zwingend erforderlich, um in Pforzheim aktiv zu werden. Es gibt andere Kooperationsformen und andere Grundlagen für unsere Arbeit, die wir an anderen Standorten bereits heute umsetzen. Das kann auch in Pforzheim so sein", erklärt Sebastian Herbstreuth, Leiter Unternehmenskoordination und Ausbildungsbegleitung bei Joblinge gAG Region Stuttgart.

Die bisherigen Planungen, inklusive der Anmietung von Räumlichkeiten und der Zusammenstellung eines Teams, würden auf den Förderzusagen von Partnern aus der Wirtschaft beruhen. Das Projekt ist auch eine Antwort auf den Fachkräftemangel, der bereits spürbar ist.

Joblinge ist als Social-Franchise konzipiert: Die gemeinnützige Dachorganisation Joblinge verbreitet als Franchisegeber das Joblinge-Konzept, dessen Umsetzung in einem Kooperationsvertrag zwischen Standort und Dachorganisation vertraglich geregelt ist. Die 25 Joblinge-Standorte, die die Arbeit mit den Jugendlichen vor Ort verantworten, sind als gemeinnützige AGs aufgestellt.

Wirtschaft mit ins Boot

Die Joblinge gAG Region Stuttgart will sich jetzt erweitern und Unternehmen und junge Arbeitslose vor allem mit Fluchthintergrund zusammenbringen. Sie tut dies zusammen mit der öffentlichen Hand und privaten Geldgebern.

Das Projekt kann dank der Unterstützung der Stiftung Bildung und Soziales der Sparda-Bank Baden-Württemberg, die laut Pressemitteilung eine Anschubfinanzierung von 200 000 Euro bereitgestellt hat, zwei weitere Standorte in Reutlingen/Tübingen und Pforzheim eröffnen. Die Verctor Stiftung unterstützt Joblinge außerdem. Laut Auskunft von Sebastian Herbstreuth, Leiter Unternehmenskoordination und Ausbildungsbegleitung, werden in Stuttgart seit 2014 an zwei Standorten jedes Jahr insgesamt 160 Jugendliche in Ludwigsburg und dem Rems-Murr-Kreis nach einer sechsmonatigen Vorbereitungsphase in Ausbildungen vermittelt. In Pforzheim und Tübingen soll das Projekt künftig je 60 jungen Arbeitslosen von 15 bis 25 Jahren helfen.

Im fünfköpfigen Team für Pforzheim seien nicht nur Sozialpädagogen, sondern auch Leute aus der Wirtschaft am Start, sagt er. Darüberhinaus werden er und seine Kollegin immer wieder auch in der Goldstadt nach dem Rechten sehen. Die bundesweite Einrichtung sei einst von der Unternehmensberatung The Boston Consulting Group und der Eberhard von Kuenheim Stiftung 2007 gegründet worden. Daher auch der Focus auf ein gutes Netz an Wirtschaftsunternehmen, die man mit ihre Kompetenz ins Boot holen wolle, etwa als Aktionär oder auch in den Aufsichtsrat.

In gemeinsamen Gruppen werden Teilnehmende mit und ohne Fluchthintergrund in sechs Monaten in Ausbildung vermittelt. Die jungen Erwachsenen durchlaufen alle Elemente der etablierten Programme zusammen, können sich bei Bedarf noch zusätzliche Sprachqualifikationen aneignen, und werden dann durch Praktika an den Arbeitsmarkt herangeführt und dort integriert.

Sonst keine Chance

Mehr als 8000 junge Erwachsene und Geflüchtete haben in den letzten zehn Jahren am Joblinge-Programm teilgenommen. Auf dem Arbeitsmarkt vermittelt worden seien laut Pressemitteilung 70 Prozent – allesamt junge Leute, die aufgrund fehlender Qualifikationen und anderer Probleme gewöhnlich keine Chance bei der Arbeitssuche gehabt hätten. Die Abbruchquote falle während der Ausbildung mit unter 15 Prozent deutlich geringer aus als bei anderen Projekten, so die Bilanz der Verantwortlichen.