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Blumen und Kerzen erinnerten in der Calwer Straße an den 16-jährigen Motorradfahrer, der dort vergangenen September getötet wurde. PZ-Archiv, Ketterl
15.05.2017

Bußgeld und Fahrverbot nach tödlichem Unfall

Es war ein emotionaler Prozess, den Richter Ingo Jeckel am Montag am Pforzheimer Amtsgericht führen musste. Zur Verantwortung gezogen wurde ein 27-jähriger gebürtiger Rumäne, der am 15. September des vergangenen Jahres in der Calwer Straße stadteinwärts losgefahren war und dabei einen herankommenden Jugendlichen auf dessen Motorrad übersehen hatte. Der 16-Jährige prallte erst gegen das Auto des Unfallverursachers und dann gegen einen entgegenkommenden Mercedes-Sprinter. Er starb noch am selben Tag.

Bildergalerie: Tödlicher Motorrad-Unfall auf Calwer Straße

Nach einem Zusammenstoß auf der Calwer Straße wurde ein 16-Jähriger mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert.

Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu jeweils 25 Euro und einem zweimonatigen Fahrverbot verurteilt. Damit entspricht das von Richter Jeckel gewählte Strafmaß dem Antrag von Staatsanwalt Andreas Schröder. Der Verteidiger des 27-Jährigen, Rechtsanwalt Hans-Peter Schärf, hatte Tagessätze von 20 Euro gefordert.

Für die Familie und Freunde des Verunglückten, die zahlreich zur Verhandlung erschienen waren, ein unverständliches Urteil. „Es ist, als sei mein Sohn noch einmal gestorben“, sagte die Mutter des Jugendlichen, die als Nebenklägerin auftrat. Ihr Anwalt Florian Bähr hatte eine Haftstrafe von mindestens sechs Monaten auf Bewährung sowie den Führerscheinentzug für mindestens ein halbes Jahr gefordert.

Offen blieb die Frage, ob der 27-Jährige geblinkt hatte, bevor er losgefahren war. Er beteuerte, „zwei-, dreimal“ in den Seitenspiegel geschaut zu haben. Einen Schulterblick habe er nicht gemacht. Ebenfalls unklar blieb, mit welcher Geschwindigkeit der Jugendliche auf seinem Motorrad unterwegs gewesen war. Je nachdem, ob er beim Ausweichen gebremst habe, oder nicht, seien Geschwindigkeiten zwischen 40 und 61 Kilometern pro Stunde möglich, so Gutachter Rainer Kurz. Sicher sei jedoch, dass es für den 16-Jährigen keine Chance gegeben habe, den Zusammenstoß zu vermeiden. Zwei Zeugen hatten ausgesagt, der Motorradfahrer sei nicht schneller als Tempo 50 gefahren.

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