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Betretene Gesichter: Eine Reisegruppe aus Bosnien-Herzegowina prallte mit ihrem Bus auf ein anderes Fahrzeug und sitzt vorübergehend in Pforzheim fest. © Ketterl
02.08.2010

Busunfall: DRK organisiert Weiterfahrt für Reisende

PFORZHEIM/MOSTAR. Nach einem Unfall auf der A 8 sind am Montag früh vorübergehend knapp ein Dutzend Fahrgäste im DRK-Heim Brötzingen gestrandet. Sie wurden verköstigt und traten mit Verspätung die Weiterfahrt an.

Bildergalerie: Bus prallt auf Absicherungsfahrzeug

Sie sind dann mal wieder weg. Lange genug, etwas über sieben Stunden, hat ihr Notaufenthalt in Pforzheim gedauert. Es hätte schlimmer kommen können. Neun von ursprünglich 15 Personen, die am Sonntag gegen 7 Uhr das bosnische Mostar in einem Linienbus verließen, sind auf dem Weg nach Deutschland, Endstation Ruhrpott. Sie wollen ihre Verwandten besuchen wie Mirjana D. (Name geändert). Sie ist nicht zum ersten Mal auf dem Weg nach Mettmann (Nordrhein-Westfalen).

Oder sie müssen wieder nach Hause. Das ist der Fall bei Jadranka Harms-Ensink und ihren beiden Kindern Anthony, 10, und Ina, 12, aus Essen. Der Urlaub bei den Großeltern war schön, vor allem schön heiß, das erste Mal seit zwei Jahren, dass die in Bosnien geborene Jadranka wieder Urlaub in der Heimat macht. Zwei Stationen hinter Mostar sind sie zugestiegen.

Auf Gang geschleudert

Zehneinhalb Stunden ist man unterwegs, hat Passagiere in München und Stuttgart abgesetzt. Die nächsten wollen in Karlsruhe raus. Vor Antritt der Fahrt hat Jadranka einen der beiden Fahrer gefragt, ob sie mit ihren Kindern die hinteren Bänke belegen darf. Dann könnten Tochter und Sohn auf der durchgehenden Fünferbank schlafen und die Mutter davor. Es ist gegen 5.30 Uhr. Durch einen Rums werden Jadranka und die Kinder wach. „Mein Knie hat sehr weh getan“, sagt Jadranka, „und die Kinder waren in Panik.“ Die Frontscheibe ist geborsten. Es geschah kurz vor der Abfahrt Pforzheim-West. „Eine Person leicht verletzt“, wird es später bei den Einsatzkräften heißen.

Der Bus kann seine Fahrt nicht fortsetzen, muss abgeschleppt werden. Die Freiwillige Feuerwehr Eutingen bringt die Passagiere an die Carl-Hölzle-Straße ins neue Hauptquartier des DRK zwischen Brötzingen und Arlinger. Holger Ludwig leitet an diesem Morgen den Bereitschaftsdienst, organisiert Dolmetscher, sorgt dafür, dass in der Küche Brötchen geschmiert werden und jemand Kaffee kocht. In der Ecke des großen Saals stehen Gepächstücke, obenauf die Plüschtiere von Anthony und Ina. Ein paar Passagiere stehen draußen und rauchen. Zwei Reisende haben ihren privaten Weitertransport organisiert.

Dem Rest der Mannschaft stehen noch bis zu 450 Kilometer nach Nordwesten bevor. Frankfurt, Montabaur, Dortmund. So lautet die Route. Eine erste Anfrage bei zwei in Pforzheim ansässigen Mietwagenunternehmen ergibt: Einen Kleinbus für die mittlerweile neun übrig gebliebenen Personen ist nicht verfügbar. Ein paar Stunden später. Ludwig scheint es geschafft zu haben. Bei einer Mietwagenfirma wird er zumindest auf der Suche nach zwei Kombis fündig. Die beiden Busfahrer setzen sich in Marsch, füllen Formulare aus. Die Signale stehen auf Grün. Das Gepäck wird verstaut. Dann geht es weiter. „Wir sind unverletzt“, gibt Jadranka ihren Angehörigen in Essen durch, „das ist das Wichtigste.“

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