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Gunther Krichbaum soll nach dem Willen der CDU-Mitglieder in der Region wieder für den Bundestag kandidieren. Sein Wahlergebnis bei der Kandidatenkür liegt jedoch deutlich unter dem Wert, den Stefan Mappus bei der letzten Wahl erhalten hatte. Aber damals gab es ja auch den EnBW-Skandal noch nicht.
Gunther Krichbaum soll nach dem Willen der CDU-Mitglieder in der Region wieder für den Bundestag kandidieren. Sein Wahlergebnis bei der Kandidatenkür liegt jedoch deutlich unter dem Wert, den Stefan Mappus bei der letzten Wahl erhalten hatte. Aber damals gab es ja auch den EnBW-Skandal noch nicht. © Bechtle
20.07.2012

CDU-Kandidatenkür: Gunther Krichbaum weniger Zustimmung als Stefan Mappus

Als die Pforzheimer Christdemokraten das letzte Mal einen Kandidaten für eine große Wahl aufstellten, stand am Ende ein Traumergebnis von 100 Prozent Ja-Stimmen. Am 22. April 2010 war das, in Kieselbronn, und der Kandidat hieß Stefan Mappus, damals amtierender Ministerpräsident. Jetzt wollte es Gunther Krichbaum wissen – bei der Kür zum Bundestagskandidaten der CDU.

Umfrage

Wird die Mappus-EnBW-Affäre die CDU noch lange belasten?

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Stimmen gesamt 377

Die Messlatte lag also hoch, als der lange Jahre von Mappus geführte CDU-Kreisverband Pforzheim/Enzkreis am Freitag Abend im Bürgerhaus Buckenberg-Haidach über die erneute Nominierung seines heutigen Vorsitzenden Gunther Krichbaum als Bundestagskandidat zu entscheiden hatte. Und nicht wenige Parteifreunde hatten im Vorfeld hinter vorgehaltener Hand die Vermutung geäußert, Krichbaum werde gezielt einige Stimmen nicht erhalten, weil er sich in der Mappus-EnBW-Angelegenheit mit offiziellen Äußerungen so bedeckt gehalten hatte. Schon gar nicht hatte Krichbaum etwaige Solidaritätsbekundungen in Richtung des gefallenen CDU-Stars verlauten lassen, der noch reichlich Anhänger unter den hiesigen Christdemokraten hat.

Das Ergebnis sollte den Vermutungen recht geben: Mit 86,6 Prozent der abgegebenen Stimmen (97 Ja, 15 Nein) wurde Krichbaum erneut als Wahlkreiskandidat der CDU – er war einziger Bewerber – zur Wahl des Bundestags nominiert, blieb aber ein gutes Stück unter der Messlatte der Mappus-Nominierung.

Hatte er sich zuvor einer Solidaritätsbekundung zu Mappus enthalten, bezog der CDU-Bundestagsabgeordnete ausgiebiger Stellung zum nicht anwesenden Vorgänger und dem EnBW-Deal. Vor rund 130 Mitgliedern des von ihm geführten Kreisverbands nannte er die Nicht-Beteiligung des Landtags einen Fehler. Er sei überzeugt, dass Mappus dies heute auch so sehe. „Stefan Mappus hat aber subjektiv in guter Absicht gehandelt.“

Gleichzeitig warnte Krichbaum vor einer Vorverurteilung seines Vorgängers im Kreisvorsitz und mahnte zu Besonnenheit. „Für mich gilt der Grundsatz: Im Zweifel für den Angeklagten. Und Stefan Mappus ist noch nicht einmal angeklagt.“

Forderungen nach einem Partei-Austritt des früheren Ministerpräsidenten erteilte er eine klare Absage. „Wir müssen in der CDU zusammenstehen, auch in schwierigen Zeiten.“ Man müsse bedenken, was diese von außen aufgezwungene Diskussion für die Familie Mappus bedeute. Sie verhindere zudem die notwendige kritische Auseinandersetzung mit der grün-roten Landesregierung, die Krichbaum in der Finanz- und Bildungspolitik genauso scharf angriff wie wegen der beschlossenen Auflösung der Polizeidirektion Pforzheim.

Zu wenig Rückgrat gezeigt?

Im weiteren Verlauf kam Krichbaum auf bundes- und regionalpolitische Themen zu sprechen, wies auf die starke wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands unter der Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hin und schilderte die Haltung zum Euro. Auch wurde er nicht müde, auf regionale Angelegenheiten hinzuweisen: Ausbau der A8, Westtangente oder das Thema Integration. „Man müsse sich Gedanken machen, ob Pforzheim in dieser Sache nicht langsam an seine Grenzen stoße“, sagte er.

In der Aussprache beschäftigte sich gleich der erste Wortbeitrag mit Mappus. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Landesoberen mehr Rückgrat gezeigt hätten und Mappus mehr unterstützt hätten“, so Gerhard Hermann. Mappus habe den CDU-Ortsverband Wurmberg wieder zu neuem Leben verholfen, dem er angehöre, sagte der Christdemokrat. Zudem verdanke Wurmberg den Fußgänger-Überweg über die A8 dem früheren Verkehrsminister Mappus. Die Wurmberger CDU werde in Kürze einem Ortstermin an dieser als „Mappus-Steg“ bekannten Brücke veranstalten. Er lade dazu ein. „Dann kann jeder zeigen, wie er zu unserem ehemaligen Kreisvorsitzenden steht.“

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