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Die Haare sind ihr Aushängeschild. Häufig sind es Doppelbilder wie dieses, auf dem Clara Montanus posiert. privat
Die Haare sind ihr Aushängeschild. Häufig sind es Doppelbilder wie dieses, auf dem Clara Montanus posiert. privat
Eines der größten Hobbys von Montanus ist ihre Stute Royal Rubina, die sie sich vor einem Jahr gekauft hat.
Eines der größten Hobbys von Montanus ist ihre Stute Royal Rubina, die sie sich vor einem Jahr gekauft hat.
Ein Küsschen für die Follower gibt Montanus auf diesem Selfie.
Ein Küsschen für die Follower gibt Montanus auf diesem Selfie.
Eines der erfolgreichsten Bilder von Clara Montanus ist dieses: Das Herbst-Outfit erhielt über 11 800 „Gefällt-mir“-Klicks.
Eines der erfolgreichsten Bilder von Clara Montanus ist dieses: Das Herbst-Outfit erhielt über 11 800 „Gefällt-mir“-Klicks.
Auch dieses Shopping-Bild veröffentlichte Montanus auf Instagram.
Auch dieses Shopping-Bild veröffentlichte Montanus auf Instagram.
16.10.2015

Clara Montanus: Pforzheimerin hat knapp 80.000 Instagram-Follower

Als Pforzheims Oberbürgermeister Gert Hager Mitte September auf Youtube über Flüchtlinge sprach, sahen sich dies 472 Menschen an – für das Stadtoberhaupt ist das bei seinen Gehversuchen in den neuen Medien eigentlich ein guter Wert. Doch fast zeitgleich warf eine Pforzheimerin auf Instagram eine Kusshand gen Fotokamera – und 5955 ihrer 79000 Abonnenten zeigten mit einem Klick auf das Herzchen-Symbol: Gefällt mir. Clara Montanus heißt die Frau, die in dem Foto-Netzwerk Reichweiten erreicht, von denen Politiker, aber auch manche Künstler und Medien nur träumen. 19 Jahre ist sie alt, wohnt im Rodgebiet und steht an der Akademie für Kommunikation kurz vor dem Abitur.

Clara Montanus kommt ins PZ-Forum

Clara Montanus ist eine der Expertinnen, die am 3. November im PZ-Forum zu Gast sein werden. Dann informiert die PZ ab 19 Uhr über die Chancen und Risiken der neuen Medien. Erklärt wird, was Eltern, Lehrer und Kinder über Netzwerke wie Whatsapp, Facebook und Snapchat wissen sollten. Neben Diplom-Sozialpädagogen Clemens Beisel wird Polizeioberkommissar Dirk Schäfer über die Gefahren des Online-Mobbings und Petra Fakler vom Netzwerk Looping zur Prävention von Online-Sucht sprechen. Anschließend diskutieren in einer Podiumsdiskussion unter anderem Stadtjugendring-Chef Hartmut Wagner, die Youtubern Kid Maestro und Johannes Becht und Clara Montanus.
Veranstaltungsname: „Junge Menschen auf Facebook, Whatsapp & Co.“ Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung unter (0 72 31) 9 33-1 25 ist erforderlich.

Doch es lag nicht an der medienaffinen Privatschule, dass aus dem im Juli geborenen „Sommerkind“, als das sie sich bezeichnet, die wohl erfolgreichste Instagramerin der Region wurde. Es war vielmehr bereits gegen Ende ihrer Zeit an der Otterstein-Realschule, als eine Münchner Freundin ihr die Instagram-App zeigte. „Ich habe gefragt ,Was ist der Sinn dahinter?‘ und wollte sie erst gar nicht nutzen“, erinnert sie sich. Doch die Freundin habe sie überredet, sich anzumelden, Fotos zu schießen, diese mit zwei, drei Handstrichen zu bearbeiten und schließlich hochzuladen.

„Fashion, Lifestyle, Equestrian (Pferdesport, Anm. d. Red.), das sind meine Themen“, sagt die 19-Jährige. Hier ein Foto im Abendkleid, da eines im Reiter-Outfit auf ihrer Stute Royal Rubina. „Anfangs habe ich im Wesentlichen meinen Blog beworben“, sagt sie. Doch nach einem halben Jahr wollten schon 10 000 Menschen sehen, wie sie auf Instagram posiert. 3,4 Millionen Deutsche nutzen das Netzwerk, doch fünfstellige Followerzahlen haben nur wenige.

Warum ausgerechnet sie, die Jugendliche aus der Goldstadt, so viel Erfolg hat, weiß Montanus selbst nicht so genau: „Da war auch Glück dabei, ich habe da kein Geheimnis, keinen konkreten Tipp“, sagt sie – um dann doch noch einen Tipp zu geben: „Ich hatte immer eine klare Linie, was ich fotografiere. Und ich glaube, man sollte nicht einfach nur den Stil von anderen nachmachen.“

Als der Abonnenten-Zähler auf über 15.000 gesprungen war, klopften auch erstmals Firmen bei „claraamo“ – so heißt sie auf Instagram – an. „Oh mein Gott, ein Armband“, erinnert sie sich an ihre Aufregung, als ihr erstmals etwas kostenlos zugeschickt wurde. Der Deal ist simpel: Sie erhält ein Produkt, der Hersteller erhält Werbung, indem sie dieses auf Instagram zeigt. Heute erreichen sie fünf bis zehn Anfragen – jeden Tag. „Manche bieten ein konkretes Kleidungsstück oder Kosmetika an, andere lassen mich etwas aus dem Online-Shop aussuchen“, sagt Montanus, während sie an ihrer Uhr nestelt.

Auch die hat ihr ein Unternehmen geschickt – genauso wie das Armband am rechten Arm sowie die Tasche, die Hose und das Oberteil, das sie beim PZ-Gespräch trägt. Die Auswahl ist groß, wenn ihr etwas nicht gefällt, sagt sie, bewirbt sie es daher auch nicht. „Und wenn sich eine Creme beim Ausprobieren als schlecht erweist, schicke ich sie wieder zurück und erkläre der Firma das.“

Ähnlich häufig wie Unternehmen schreiben Fans, meist zwischen zwölf und 20 Jahre alte Mädchen. Entsprechend drehen sich viele Fragen um Schminke und Mode, um Pickel und Haarpflege. Doch es gibt auch andere Nachrichten: „Zum Beispiel von Mädchen, die gemobbt werden, oder vor kurzem von zwei 14- und 15-Jährigen, die sich zu dick fühlten“, sagt Montanus, die längst nicht mehr alle Klamotten-Fragen beantworten kann. Wenn sich aber Jugendliche mit echten Problemen melden, schreibe sie zurück – so auch bei den beiden Teenagern. „Sie hatten geschrieben, dass sie keinen Ausweg mehr sehen, als gar nichts mehr zu essen. Also habe ich geantwortet, dass sie unbedingt essen sollen und dass sie nicht wie ein Model aussehen müssen. Ein bisschen Sport oder auch nur Spazierengehen, etwas gesundere Ernährung – das reicht völlig“, sprudelt es aus Montanus heraus.

Für jemanden, der am liebsten Bilder sprechen lässt, redet die 19-Jährige viel und schnell. Doch dabei wirkt sie reflektierter als viele Altersgenossen. Gefahren im Netz – von Beleidigungen bis hin zu Stalkern – ist sie sich bewusst. „Aber da habe ich bisher wenig Probleme gehabt“, sagt Montanus. Vor zwei, drei Jahren habe es sie schon getroffen, wenn jemand sie im Netz als hässlich bezeichnet habe. „Aber heute weiß ich, dass das meiste Feedback positiv ist. Ich freue mich lieber über die 99 netten Kommentare, als mich über einen negativen zu ärgern.“ Ihre Taktik: Beitrag löschen, den „Hater“ (zu deutsch etwa: „Hasser“) ignorieren.

So ist es eher Seelenbalsam, wenn sie heute durch die Kommentare scrollt. „Gott wie süß“ steht unter dem Foto, auf dem sie ihren Jack Russel knuddelt, „unglaublich hübsch“, unter dem schwarz-weißen Selfie – nur zwei von Hunderten Kommentaren. Reaktionen erhält die Pforzheimerin aber auch im echten Leben: Ob Goldstadt oder Stuttgart, Hamburg oder Mallorca – „überall wurde ich schon angesprochen“, erzählt sie. Mädchen wollten eher Selfies schießen, Jungs riefen eher ihren Namen und rennen dann weg. Klingt ziemlich kindisch. Und doch hat Montanus Einfluss auf ihre Generation.

Politisch äußert sie sich auf Instagram trotzdem nicht. „Ich wurde da auch schon gefragt, was ich von Flüchtlingen halte“, erzählt Montanus. „Aber das ist nicht der Ort für ernste Themen.“ Dass sie dennoch auch zu gesellschaftlichen Themen eine Meinung hat, zeigt sich noch am Tag des PZ-Gesprächs auf Facebook: Als dort jemand die Sparkassen-Werbung für einen Tierzirkus kritisiert, unterstützt sie den Kritiker in seiner Meinung – mit einem Klick auf „Gefällt mir.“

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