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Nils Metkem zwischen den Outfits der Modestudenten. Foto: Eickhoff
Nils Metkem zwischen den Outfits der Modestudenten. Foto: Eickhoff
05.11.2018

Das Model von nebenan: Öffentliches Shooting der Fakultät für Gestaltung

Pforzheim. „Heute habe ich leider kein Foto für dich“ – diesen Satz bekamen die Portraitierten kein einziges Mal zu hören, stattdessen nur Lob und Anerkennung für ihr Talent vor der Kamera. In extravaganten, ausdrucksstarken, farbenprächtigen Modekreationen der Pforzheimer Modestudenten präsentierten sich Jung und Alt, weiblich und männlich, Hausfrau und Handwerker vor der Kamera der Modestudentin Corinna Kolter. Im Zuge eines öffentlichen Modeshootings anlässlich der Ausstellung „Influenza–M. Mode steckt an“ lässt die Fakultät für Gestaltung Laien zu Models werden.

„Wir wollen das Ganze umdrehen, die Zuschauer zu Models werden lassen. Und so eine Art von Integration durch die Shootingperformance schaffen“, erklärt Modestudentin Claudia Walter, die sich unter anderem um Make-up und Haarstyling der Models kümmert. Eine der Jüngsten im Fotostudio der Fakultät an diesem Tag ist die fünfjährige Ksenia. „Wenn ich nicht ihren kleinen Bruder auf dem Arm hätte, wäre ich sofort mit ihr vor die Kamera“, gesteht ihre Mutter Olga Maslitschenko. „Ksenia lässt sich unheimlich gerne fotografieren. Obwohl alles Kleider für Erwachsene sind, haben wir etwas Tolles gefunden und umfunktioniert.“ So entstand aus einem gelben Fransenoberteil, ein lustiges Kleid, mit einem dünnen Gürtel in der Taille.

„Das Publikum sucht sich sein Outfit selbst aus. Es können auch Teile aus verschiedenen Kollektionen kombiniert werden. Insgesamt haben wir 60 Outfits auf der Stange hängen“, sagt Kolter. Im Fotostudio herrscht eine ruhige Atmosphäre. Nur das Blitzlicht aus der Softbox erhellt immer wieder den Raum. Mit den Händen in den Hüften, den Kopf leicht zur Seite geneigt oder im Profil – Inge Walther aus Pforzheim fühlt sich wohl vor der Kamera. Warum gerade dieses Outfit, pink-rot schimmerndes Oberteil mit einer gestreiften silber-blauen Schlaghose aus einer Männer-Kollektion? „In meinem Beruf muss ich sehr ordentlich gekleidet sein und trage bunt eigentlich gar nicht. So war es für mich klar, dass ich mal etwas Gewagteres ausprobieren wollte, auch wenn es gar nicht zusammen passt“, sagt Walther.

Ein Shooting dauert so lange, wie es das Model braucht, es gibt keine Regeln und Anweisungen. Meistens findet nach zwanzig Minuten ein Wechsel vor der Kamera statt. Alle entstandenen Bilder werden den Fotografierten per E-Mail zugeschickt. „Bisher sind alle mit einem Lächeln im Gesicht aus dem Fotostudio herausgekommen, und das ist es, was wir wollen“, resümiert Kolter.