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27.09.2009

Das erste Mal in der Wahlkabine

PFORZHEIM. Für sie ist es das erste Mal: Fünf Schüler und gleichzeitig Erstwähler hatten am Sonntag ihre Wahl-Premiere. Im PZ-Forum haben sie gemeinsam den Ausgang der Wahl im Fernsehen verfolgt - manche mit Freude, manche eher weniger.

Jetzt, pssst, jetzt kommt's gleich.“ Alle sechs starren gebannt auf die Leinwand vor ihnen. Als die ersten Hochrechnungen schwarz auf weiß vor ihnen stehen, plappern alle wild durcheinander: „Was sind die Blauen denn eigentlich?“ „Wer geht jetzt mit wem zusammen?“ „Kommen da noch mehr Zahlen?“ Ganz schön aufregend, die erste Bundestagswahl als Wähler. Drei Mädchen und drei Jungs vom Pforzheimer Hebel-Gymnasium haben sich die Hochrechnungen gestern Abend im PZ-Forum angeschaut. Bei Pizza und in lockerer Stimmung haben sie sich über die Schulter blicken lassen als absehbar wurde, dass Schwarz-Gelb die neue Koalition werden könnte.

Jung in der CDU

„Klar freut mich das“, sagt Andreas strahlend. Der 17-Jährige macht kein Geheimnis draus, dass er der CDU in Eutingen angehört. Seit er 16 ist, so früh es eben ging, wie er erklärt. Kein Wunder also, dass ihn die ersten Wahlergebnisse, die auf der Wand vor ihm erscheinen, gut gefallen. Neben ihm sitzt – passenderweise könnte man meinen – Christian, der nicht umsonst ein Kanarienvogel-gelbes T-Shirt angezogen hat. „Ich geb´s offen zu, ich find die FDP gut“, sagt er und strahlt dabei mindestens genauso wie sein Nachbar. Er gehört keiner Partei an, genauso wie die anderen am Tisch. Doch genaue Vorstellungen von der Politik unseres Landes haben trotzdem alle.

Annalen zum Beispiel: Die 19 Jahre alte Hebel-Schülerin interessiert sich sichtlich für Politik, blickte jedoch irgendwann bei all den Parteien nicht mehr hundertprozentig durch. „Ich hab mir mit dem Wahlomat einen Überblick verschafft. Da sieht man in Kurzform, wofür jede Partei steht. Dann habe ich im Ausschlussverfahren herausgefunden, welche die richtige für mich ist“, erklärt sie. Neben ihr sitzen Ramona und Lena. Beide verfolgen genau wie Annalen und die Jungs konzentriert die Balken und Diagramme.

Politik am Küchentisch

Bei allen wird zu Hause über Politik gesprochen, trotzdem geben alle an, aus freien Stücken entschieden zu haben, wo sie gestern ihre beiden Kreuzchen gesetzt haben. „Klar weiß ich in etwa, was meine Eltern wählen. Sie haben es zwar nie offen gesagt, aber das kann man ja schon ein wenig herauslesen“, meint Annalen. In der Schule seien die Parteien und das Wahlsystem natürlich auch Bestandteil des Unterrichts gewesen. Doch nach der Oberstufenreform haben die sechs Abiturienten in spe momentan gar kein Gemeinschaftskunde – erst wieder im zweiten Halbjahr des aktuellen Schuljahres. „Das macht aber gar nichts. Wir haben eben in den anderen Fächern mit unseren Lehrern über Politik gesprochen“, erklärt Matthias. Der findet übrigens, dass es okay ist, dass man mit 18 wählen darf. „Früher wäre nicht gut. Also ich hätte nicht schon mit 16 Jahren meine Kreuzchen machen wollen. Da habe ich mich noch nicht genug für Politik interessiert“, sagt der heute 18-Jährige. Die anderen Pflichten und Rechte treten ja auch erst mit der Volljährigkeit ein. Dass manche zwar nach dem Volljährig-sein gieren, aber dann nicht zur Wahl gehen, kennen die sechs Schüler nur von anderen. Für sie selbst stand das Thema nie zur Debatte: „Ich kenne schon welche, die nicht wählen gehen wollten. Aber ich habe versucht, ihnen zu sagen, dass das wichtig ist. Ich glaube, sie sind jetzt auch wählen gegangen“, sagt Annalen. Obwohl es die erste Bundestagswahl für sie war, haben sie die Wahlkabine und das Kreuzchen machen als nichts besonderes in Erinnerung. Annalen fasst es zusammen: „Zwei Kreuze und fertig.“