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Protestierende Bürger schauen von oben zu, die Stadträte diskutieren unten vier Stunden lang den komplizierten Weg zu zwei neuen Hallenbädern. Dann folgt eine weitere Hiobsbotschaft.
Protestierende Bürger schauen von oben zu, die Stadträte diskutieren unten vier Stunden lang den komplizierten Weg zu zwei neuen Hallenbädern. Dann folgt eine weitere Hiobsbotschaft. © Meyer
21.05.2019

Das nächste Bad meldet Einsturzrisiken - Katakomben im Wartberg-Freibad marode

Pforzheim. Die Bäderproblematik bleibt eine schwierige Großaufgabe für Stadtverwaltung und Gemeinderat. Mit der Haushaltsverabschiedung im März war nicht mehr als eine Willenserklärung für ein allenfalls mittelgroßes innerstädtisches Hallenbad und für einen Ersatzneubau des Huchenfelder Stadtteilbads erfolgt.

In der Sondersitzung am Montag zweier Fachausschüsse des Gemeinderats, dem für öffentliche Einrichtungen und dem für die Werke, wurde die zeitliche Planung konkretisiert. Sie hätte durch den Wirtschaftsplan mit Finanzmitteln unterlegt werden sollen. Es kam in der mehrstündigen Sitzung etwas anders – und am Schluss wartete noch eine unerfreuliche Überraschung.

Katakomben im Wartberg-Freibad marode

Der Umkleidebereich mitsamt den darin befindlichen sanitären Anlagen im Wartberg-Freibad muss nach der laufenden Saison außer Betrieb genommen werden, wie der Erste Bürgermeister und Bäder-Dezernent Dirk Büscher unter dem Tagesordnungspunkt Bekanntgaben mitteilte. Er zeigte Bilder aus den Katakomben dieses Gebäudes mit immer schadhafter gewordenen Bauteilen – ein aus dem geschlossenen Emma-Jaeger-Bad vertrauter Anblick – und berichtete, dass das Gebäude entweder vor einer großen Sanierung stehe oder man sich eine andere Lösung überlegen müsse.

Zuvor hatten sich die zwei Fachausschüsse jeweils mit mehr oder weniger deutlichen Mehrheiten für die zeitlichen Planungen des Eigenbetriebs Pforzheimer Verkehrs- und Bäderbetriebe ausgesprochen, was die Neubauten anstelle des innerstädtischen Emma-Jaeger-Bads und des Stadtteilbads Huchenfeld anbelangt.

Bei beiden Bädern ist zuvor der Abbruch und Abtransport der alten Anlagen und Gebäudeteile notwendig. Davon sind die Verwaltung, diverse Gutachter und Ingenieurbüros und mit Ausnahme des Freie-Wähler-Stadtrats Michael Schwarz auch die übergroße Mehrheit im Ratssaal überzeugt. Dieser hält nach wie vor das Verhalten der Verwaltung für falsch –und dies mit Absicht, er hat auf Nachfrage erklärtermaßen keinerlei Vertrauen in sie. Schwarz hält eine Sanierung für möglich und angesichts der langen Jahre ohne diese Bäder für den besseren Weg. Damit handelte er sich nicht nur Büschers Zorn ein: „Ich weiß nicht, warum Sie immer wieder behaupten, das sei nicht so“, entfuhr es dem Ersten Bürgermeister, und: „Das finde ich mir gegenüber eine ziemliche Zumutung“. Büschers CDU-Parteifreundin Anneliese Graf rügte Schwarz: „Das ist ein Benehmen, das mir fremd ist“, und auch Jacqueline Roos (SPD), sprang Büscher bei: „Ich sehe da nichts, womit die Verwaltung uns hinters Licht führen will.“ In der Sache aber waren sich SPD, Grüne, WiP/Linke und AfD sowie FDP/FW und auch CDU sicher: Das relativ kleine Bad anstelle des „Emma“, das mit den vorgesehenen 11,5 Millionen Euro gebaut werden kann und lediglich sechs 25-Meter-Bahnen mit Kinderbereich bietet, hat nichts mit dem zu tun, was die Bevölkerung will. Man müsse überlegen, so der Tenor, wie man die bestmögliche Lösung hinbekommt.

Kostensteigerung und Geduld

Schwierig, denn die prognostizierten Kosten für den Huchenfelder Neubau sind gestiegen – von 6,5 auf 9,9 Millionen Euro. Die Planungen sollen im Herbst starten, 2020 der Abriss, der Bau im Jahr darauf. Das Huchenfelder Bad könnte im Sommer 2023 öffnen, das in der Stadt 2024. Eine Abstimmung über den Wirtschaftsplan, der all das finanziert, fiel aus – erst der Gemeinderat, der ohnehin das letzte Wort hat, wird nun am 4. Juni darüber abstimmen.