nach oben
© Symbolbild: dpa
20.09.2016

Defekte Psyche: Pforzheimer Arbeitnehmer oft krankgeschrieben

Pforzheim. In Pforzheim waren Erwerbspersonen 2015 häufiger krankgeschrieben als im Landesschnitt. Dies geht aus dem aktuellen Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) hervor. Während jede der rund 526.000 bei der TK in Baden-Württemberg versicherten Erwerbspersonen an 12,79 Tagen im Jahr nicht zur Arbeit gehen konnte, fehlten TK-Versicherte aus Pforzheim an durchschnittlich 15,62 Tagen. Gegenüber dem Vorjahreswert von 14,94 Tagen ist der Schnitt um etwas mehr als einen halben Tag angestiegen.

Am wenigsten Fehltage zählte man 2015 in Stuttgart (10,63), die meisten krankheitsbedingten Ausfälle wurden im Neckar-Odenwald-Kreis registriert (16,60). In Pforzheim fehlten TK-versicherte Erwerbspersonen am häufigsten wegen Psychischer- und Verhaltensstörungen und zwar durchschnittlich für 3,02 Tage - der höchste Wert in dieser Diagnosegruppe landesweit.

Umfrage

Sind Sie auch häufig krankgeschrieben?

Ja, sehr häufig. 10%
Ab und zu. 30%
Nein, ich bin nie krank. 60%
Stimmen gesamt 1184

Dahinter folgten Erkrankungen des Muskel- und Skelett-Systems mit 2,79 Tagen. An dritter Stelle rangierten Erkrankungen des Atmungssystems mit 2,47 Tagen. Darin finden sich auch die Fehlzeiten aufgrund einer starken Erkältungs- und Grippewelle im Frühjahr wieder. Landesweit verursachten Erkrankungen des Muskel- und Skelett-Systems, wozu beispielsweise Rückenschmerzen gehören, die meisten Fehlzeiten (2,34). Am zweithäufigsten fehlten Mitarbeiter wegen Krankheiten des Atmungssystems (2,23), gefolgt von psychischen Störungen (2,14).

Um vor allem der stetigen Zunahme psychischer Erkrankungen Einhalt zu gebieten, sieht die TK auch die Arbeitgeber in der Pflicht. „Die Digitalisierung hat mittlerweile fast alle Branchen erreicht. Flexible Arbeitszeiten lösen herkömmliche Modelle zunehmend ab. Das eröffnet neue Chancen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, belastet aber auch viele Arbeitnehmer stark“, erklärt Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung. Unternehmen sollten die Gesundheit ihrer Mitarbeiter daher aktiv stärken. „Wir dürfen nicht nur darüber sprechen, was Beschäftigte krank macht, sondern auch darüber, welche Ressourcen wir fördern können, damit sie lange gesund bleiben. Dabei geht es um viel mehr als ergonomische Arbeitsplätze. Es geht um gute Strukturen, darum, die Mitarbeiter einzubeziehen und vor allem um Wertschätzung.“

Insgesamt hat die TK für Baden-Württemberg einen Krankenstand von 3,5 Prozent (2014: 3,35 Prozent) ermittelt. Trotz leichtem Anstieg gegenüber dem Vorjahr ist dies der niedrigste Krankenstand unter allen Bundesländern: Im Bundesdurchschnitt meldet die TK 4,3 Prozent, dies entspricht 15,43 Fehltagen.

Für den Gesundheitsreport 2016 wertete die TK die Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der 4,6 Millionen bei der TK versicherten Erwerbspersonen aus, rund 526.000 davon aus Baden-Württemberg. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld.