nach oben
Klare Worte im PZ-Forum: Bruno Schirra.  Ketterl
Klare Worte im PZ-Forum: Bruno Schirra. Ketterl
Interessiertes Publikum: Das PZ-Forum war am Montagabend ausverkauft.
Interessiertes Publikum: Das PZ-Forum war am Montagabend ausverkauft.
21.10.2015

Dem Dschihad ins Auge sehen - Nahost-Experte Bruno Schirra spricht im PZ-Autorenforum

Der Nahost-Experte Bruno Schirra spricht im PZ-Autorenforum über die Terroristen des Islamischen Staats – und was diese für Europa bedeuten: Mehr Flüchtlinge und eine wachsende Gefahr von Anschlägen, auch in Deutschland.

Wenn Bruno Schirra mit tiefer Stimme aus seinem Vorwort vorliest, kann einem schon das Gruseln kommen ob der abscheulichen Taten der islamistischen Terroristen, des „Dunkels des Dschihad“, das die arabische Welt gefangen hält. Doch was Schirra in seinem Buch „Isis. Der globale Dschihad“ beschreibt, ist kein Ammenmärchen, kein Mordor aus dem Fantasy-Roman „Herr der Ringe“ – sondern traurige Realität in Syrien und im Irak.

Der 57-jährige Journalist, seit Jahrzehnten im Nahen und Mittleren Osten unterwegs, hat sie mit eigenen Augen gesehen, die Schrecken des Islamischen Staats. Hat erlebt, wie halbwüchsige Mädchen vom Scharia-Gericht zur Steinigung verurteilt wurden, weil sie vergewaltigt worden waren. Hat mit Opfern und Tätern gesprochen. Schirras Fazit ist erschreckend: Der IS oder Isis (Islamischer Staat in Irak und Syrien) müsse zerstört werden. Allerdings weiß Schirra nicht wie. „Europa muss lernen damit zu leben, ohne seine Würde zu verlieren.“

Spätestens seit dem Attentat auf „Charlie Hebdo“ und seit den massiven Flüchtlingsbewegungen ist klar, dass der IS nicht nur ein Problem des Nahen und Mittleren Ostens ist. Wie sehr Europa dieser globale Dschihad noch beschäftigen wird, ist noch nicht ausgemacht. Schirra befürchtet, dass es auch auf deutschem Boden Anschläge geben könnte. Das sagen ihm seine Quellen, wie der schwäbische Chemiker in Diensten des IS. Und was die Flüchtlinge angeht, rechnet Schirra auch in den kommenden Jahren mit Millionen.

Selten war ein Thema brisanter – das PZ-Forum ist ausverkauft. Die Zuhörer hängen förmlich an den Lippen des Mannes, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Wirklichkeit abzubilden: „Ich habe mir als Journalist die Welt anzusehen, wie sie ist, und nicht, wie ich sie mir erträume.“ Schirra, der früher für die linksliberale „Zeit“ und das Magazin „Cicero“, später für die rechtskonservative Schweizer „Weltwoche“ schrieb und sich heute vor allem aufs Verfassen von Büchern verlegt hat, redet gerne Klartext und spitzt dabei durchaus auch mal zu. Political Correctness – nein danke.

Beim Beschreiben dessen, was ist, belässt es Schirra allerdings nicht. Seine Meinung kommt klar zum Ausdruck, wenn er den Islam moderner Prägung scharf angeht. Dieser Scharia-Islam gehöre überall hin, nur nicht in eine freiheitlich verfasste Gesellschaft, meint Schirra in Bezug auf den berühmten Satz von Ex-Bundespräsident Christian Wulff. Ein Imam, der einer Frau nicht die Hand geben wolle – wie kürzlich der rheinland-pfälzischen CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner passiert –, habe in Deutschland nichts verloren. „Junge, hier ist dein Ticket“, sagt Schirra dazu. Das Kopftuch ist laut Schirra nur ein „dummer Haufen Stoff“, nicht religiös begründet. Der Journalist fühlt sich deshalb persönlich beleidigt von verschleierten Frauen, die ihm als Mann stillschweigend unterstellten, seine Triebe nicht im Griff zu haben.

Klartext redet Schirra auch, wenn es um die Flüchtlingspolitik geht. Dem „Wir schaffen das“ der Kanzlerin setzt der 57-Jährige ein entschiedenes „Wir werden das nicht schaffen“ entgegen. Wie die Integration von einer Million Flüchtlinge zu bewerkstelligen sein soll, die in der Mehrheit eben keine Akademiker seien, kein Deutsch sprächen und ihre Konflikte aus der Heimat mitbrächten, kann Schirra sich nicht vorstellen. Zumal die „Völkerwanderung“ noch im vollen Gange sei. Die Ängste, Sorgen und Nöte der Menschen seien also berechtigt.

Dabei hat er durchaus Verständnis für die Flüchtenden, die von einer „scheißenden Angst getrieben“ seien. „Wäre ich ein Syrer oder ein Afghane, würde ich dasselbe tun.“ Dennoch widerstrebt dem gebürtigen Saarländer, der abwechselnd in Paris, Lothringen und Berlin lebt, die deutsche Willkommenskultur – O-Ton: „Ich hasse dieses Wort.“ Deutsche, die auf den Bahnhöfen Stofftiere und Süßigkeiten an die ankommenden Flüchtlinge verteilen, hält er für realitätsfern angesichts der riesigen Herausforderungen, mit denen Deutschland konfrontiert ist. Schirra prognostiziert: „Sommermärchen dauern in Deutschland immer nur vier Wochen.“

Den Abend im PZ-Forum nutzt der Nahost-Experte für den Austausch mit dem Publikum, von dem er viel lernen könne. Fragen gibt es genug. Nicht alle Zuhörer sind mit Schirras Analyse einverstanden. Kann man IS-Kämpfern tatsächlich das Menschsein absprechen? Da gibt es im Publikum doch Zweifel. Aber Schirra steht zu seiner Aussage: „Auch Herr Hitler war ein Mensch.“ Also biologisch betrachtet. „Ich denke, es gibt eine Grenze.“

Apropos Hitler. Von rechts außen, dem „braunen Dreck“, wünscht sich Schirra keinen Beifall, wie er später im Gespräch sagt. Aller Zuspitzung zum Trotz.

Leserkommentare (0)