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Die Juniorranger des Jahres sind Brüder: Wildparkförster Carsten Schwarz hat Paul (links) und Vincent Stoll mit einem Abzeichen ausgezeichnet. Ketterl
Die Juniorranger des Jahres sind Brüder: Wildparkförster Carsten Schwarz hat Paul (links) und Vincent Stoll mit einem Abzeichen ausgezeichnet. Ketterl
Spende vom Round Table 137 und Ladies Circle: Christoph Meißner, Tobias Forcher, Jan Lauer, Ulf Rehder, Melissa Schätz und Victoria Spiegl (von links).
Spende vom Round Table 137 und Ladies Circle: Christoph Meißner, Tobias Forcher, Jan Lauer, Ulf Rehder, Melissa Schätz und Victoria Spiegl (von links).
Der Biologe Micha Herdtfelder erklärt die Eigenheit der Wölfe.
Der Biologe Micha Herdtfelder erklärt die Eigenheit der Wölfe.
08.04.2016

Dem Wildtier auf der Spur: PZ-Forum gibt Einblick in das Leben von Wolf und Luchs

Rund 3000 Kliometer könne ein Wolf in wenigen Monaten zurücklegen, erklärt Micha Herdtfelder von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Baden-Württemberg (FVA). Er hat am Donnerstag zum Thema „Luchs und Wolf in Baden-Württemberg“ im PZ-Forum referiert. Der 38-jährige Experte hat Geoökologie studiert und sich auf Wildtierbiologie spezialisiert. Seit 2011 ist er für das Wolfsmonitoring bei der FVA zuständig.

Handfeste Konflikte

Der Biologe ist unter anderem gefragt, wenn es um die Klärung von unterschiedlichen Interessen geht. Jäger, Bürger und Tierschützer arbeiten sich in handfesten Konflikten an der Tatsache ab, dass der Wolf längst wieder in Deutschland lebt. 31 Rudel, acht Paare und sechs Einzeltiere sind bei einem Monitoring im Jahr 2014/2015 in Deutschland festgestellt worden. „Kein einziges Rudel wurde für Baden-Württemberg nachgewiesen“, erklärt der Experte im PZ-Forum. Er hielt anlässlich eines Sponsorenabends des Wildpark-Fördervereins seinen Vortrag vor 70 geladenen Gästen und einigen interessierten Bürgern. Der Verein gab im Rahmen seines zehnjährigen Geburtstags auch Einblick in seine Arbeit und aktuelle Themen. Zwei tote Jungwölfe, die vergangenes Jahr bei Lahr und Merklingen auf der schwäbischen Alb überfahren wurden, seien Brüder gewesen und aus der Schweiz in den Süden gekommen. Dort, wo sich ein Rudel, bestehend aus Elterntieren, Jährlingen und Welpen, niederlasse, komme kein zweites Rudel hin. Die Sorge der Jäger, dass der Hunger der Tiere sich in wildarmen Gebieten auswirke, könnte nach Ansicht von Herdtfelder berechtigt sein. 500 bis 600 Rehe oder auch Wildschweine vertilge ein Rudel im Jahr. Das könnten auch mal Schafe sein. Herdfelder ging auch noch auf den Lebensraum der Luchse ein, die ja als Tierart auch im Wildpark zu finden sind, nicht aber bei uns in freier Natur leben. In Baden-Württemberg gebe es eine Diskussion darum, ob man die größte Katze wieder Auswildern solle. Christoph Meißner, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins, erinnerte an wichtige Projekte, die der Förderverein zusammen mit dem Wildparkleiter Carsten Schwarz realisiert habe. Eine große Attraktion sei das vergrößerte Luchsgehege, in dem seit zehn Jahren der Round Table 137 die Ostereiersuche für die Kinder organisiert. Parallel dazu bietet der Ladies Circle Waffeln im Ewald-Steinle-Haus an. Der Erlös des diesjährigen Events übergab Jan Lauer in Form eines Schecks über 2500 Euro. Immer wieder hatten die Organisation Vorhaben wie etwa das Fischotterprojekt mit unterstützt. Vom entflohenen Otter hat Schwarz übrigens seit der Suche im vergangenen Jahr nichts mehr gehört oder gesehen.

Meißner hofft, den Bau des Waldrapp-Geheges noch im Herbst mit einem Spatenstich beginnen zu können. Diese Vogelart ist in unseren Gefilden ausgestorben. „Ich hoffe, das Vorhaben wird nicht dem Rotstift der Stadtverwaltung zum Opfer fallen.“ Zwei Drittel der Investitionssumme in Höhe von 800 000 Euro leiste der Verein. Zuvor hatte PZ-Chefredakteur Magnus Schlecht bei der Begrüßung darauf hingewiesen, dass er die mögliche Streichung von Zuschüssen für ein falsches Signal halte. „Der beliebte Wildpark ist ein bedeutender Standortfaktor und eines der Aushängeschilder Pforzheims.“ Der Förderverein ist auf weitere Spenden und neue Mitglieder angewiesen, führte Meißner zum Schluss aus.

Wildparkchef Carsten Schwarz freut sich seit Jahren über die wachsende Zahl an Juniorrangern. Über 800 Jungen und Mädchen sind es inzwischen. Am Donnerstag Abend ehrte er die beiden Brüder Paul und Vincent Stoll für ihr besonderes Engagement, wenn es um die Pflege und Hege der Tiere gehe. Es sei zwar manchmal schwer, die Kinder in den Alltag der Wildtierpfleger zu integrieren, aber für alle sei das Vorhaben ein Gewinn. Die zwei Wochen in den Sommerferien, in denen insgesamt zwei Ausbildungskurse zum Wildparkranger stattfinden, sind Anfang des Jahres ruck zuck ausgebucht.

www.fva-bw.de

www.wildparkfoerderverein-pforzheim.de