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In Schutzanzügen und mit Tiermotiven protestieren die Demonstranten vor der CDU-Geschäftsstelle. Foto: von Zepelin
Ralph Edler (links) nimmt das Plagiats-Gutachten von Walter Hilber entgegen. Foto: von Zepelin
21.11.2017

Demonstration gegen Unkrautmittel Glyphosat vor der CDU-Zentrale

Pforzheim. Die Bürgerbewegung „Campact“ organisierte eine bundesweite Aktion gegen den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat. Auch in Pforzheim hat sich am Dienstag Widerstand geregt. Vor dem Gebäude an der Westlichen, in dem sich das Wahlkreisbüro des CDU-Bundestagsabgeordneten Gunther Krichbaum sowie das der CDU-Kreisgeschäftsstelle befinden, haben sich am Vormittag 15 Gegner des Pestizids versammelt. Teils in weißen Schutzanzügen, mit Sprühflaschen und Schildern, auf denen Vögel, Schmetterlinge und Bienen zu sehen waren, taten sie ihren Unmut über die Enthaltung Deutschlands bei der Entscheidung über eine EU-weite Verlängerung der Glyphosat-Lizenz kund.

Bildergalerie: Anti-Glyphosat-Demo vor Pforzheimer CDU-Zentrale

Organisiert hat die Protestaktion Walter Hilber, bekannt als einer der Supermarkt-Gegner des Bürgervereins Rodrücken. Man wolle über lokale Geschäftsstellen der CDU Druck auf Bundeskanzlerin Angela Merkel ausüben, um diese zu einer Ablehnung der Lizenz-Verlängerung zu bewegen. „Glyphosat ist das größte Gift, das wir uns antun“, sagt Hilber und zählt die Länder auf, die den Unkrautvernichter, der im Verdacht steht, krebserregend zu sein, bereits verboten haben. Auch auf die Umwelt, vor allem auf die Artenvielfalt, habe Glyphosat negative Auswirkungen, sind Caroline und Julia Hilber überzeugt. „Dieses Antibiotikum zerstört alles, lässt nur genmanipulierte Pflanzensamen bestehen“, sagt Caroline Hilber. „Es wird seit 30 Jahren verwendet, und seither gibt es 70 Prozent weniger Insekten.“ Deren Schutz liegt Demonstrantin Carola Müller am Herzen: „Oder es gibt keine Schmetterlinge, Bienen und Vögel mehr. Alles geht kaputt. Es ist furchtbar, dass man da nicht aussteigt“, sagte sie. „Es dürfte nicht mehr frei verkäuflich sein. Jeder versprüht es in seinem Hausgarten, und viele Leute wissen gar nicht, um was es geht.“

Glyphosat lande über die Nahrung auch im menschlichen Körper. Dass Neonikotinoide etwa im Honig nachweisbar seien, berichtet Heinrich Herb, Vorstandsmitglied des Bezirksimkervereins aus Neuenbürg. Das Pestizid schwäche die Bienenvölker, mache die Tiere orientierungslos, greife ihr Immunsystem an. Mehr als 22 Prozent der Völker in Deutschland hätten den vergangenen Jahreswechsel nicht überstanden.

Krichbaum nicht in der Stadt

Krichbaum selbst war nicht vor Ort, sei derzeit in Berlin mit der Abstimmung über Nato-Einsätze der Bundeswehr beschäftigt, so sein Büroleiter Ralph Edler, der von Hilber ein Plagiats-Gutachten entgegennahm, und zusagte, es in die Hauptstadt weiterzuleiten. Hintergrund ist, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nach Einschätzung eines Prüfers für seinen Glyphosat-Bericht wesentliche Angaben von Herstellern wörtlich übernommen habe. Auch einen Gesprächstermin nach der Rückkehr seines Chefs bot Edler dem Umweltschützer an.