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04.03.2011

Denkmalpfleger Timm wird Reuchlin-Beauftragter der Stadt

PFORZHEIM. Oberbürgermeister Gert Hager hat Dr. Christoph Timm zum neuen Johannes Reuchlin-Beauftragten der Stadt Pforzheim ernannt. Timm ist damit Ansprechpartner für alle an die Stadt gerichteten Fragen zu Johannes Reuchlin. Er betreut die Präsentation des Museums Johannes Reuchlin und ist mitverantwortlich für die Außenwirkung des Ausstellungshauses.

Bildergalerie: Reuchlinritt

Durch die Berufung zum städtischen Johannes Reuchlin-Beauftragten wird dokumentiert, welche herausragende Bedeutung die Stadt Pforzheim dem Leben und Wirken ihres großen Sohnes Johannes Reuchlin beimisst. Timm wird

die neue Aufgabe neben seinem Hauptamt als städtischer Denkmalpfleger übernehmen.

500 Jahre „Augenspiegel“

Herausragende Bedeutung besitzt der „Augenspiegel“, den Johannes Reuchlin vor 500 Jahren schrieb und in dem er sich für die Schriften des Judentums einsetzte. In seinem Gutachten sprach Reuchlin sich gegen die Verbrennung der jüdischen Bücher aus, was damals einer Sensation gleichkam. Reuchlin war somit ein bedeutender Wegbereiter des Toleranzgedankens.

Wie aktuell das Thema „Reuchlin“ ist, zeigt nicht nur die steigende Besucherzahl im Museum Johannes Reuchlin. So bereitet die Staatsoper in Stuttgart eine „Reuchlin-Oper“ vor und in den USA erschien das Buch „Johannes Reuchlin and the Campaign to destroy Jewish books.“ Der Verfasser, David H. Price, Professor für Religion, Geschichte und jüdische Studien an der University of Illinois, bereitet derzeit eine Wanderausstellung vor, die zunächst in mehreren US-amerikanischen Städten und sodann in Frankfurt gezeigt werden soll. In einem Artikel in der Zeitung „Die Zeit“ vom 5. Januar hebt Peter Wortsman die Bedeutung Reuchlins bis in die heutige Zeit hinein hervor. Er nimmt dabei unter anderem Bezug auf die Themen „Kulturelle Vielfalt“ sowie Toleranz gegenüber Minderheiten. Wortsman ist Publizist, Dramatiker und Übersetzer. 2000 übertrug er Reuchlins „Ratschlag“- „Dr.Johannes Reuchlins Augenspiegel“ zum ersten Mal ins Englische. Auch sein Bühnenstück „Burning Words“ ist der „Reuchlin-Affäre“ gewidmet.

Für das Jubiläumsjahr plant das Kulturamt der Stadt Pforzheim diverse Veranstaltungen, um das Jubiläum entsprechend zu würdigen und den Stellenwert Reuchlins einmal mehr zu unterstreichen. So wird bereits die „Woche der Brüderlichkeit“ am Sonntag, 13. März, um 11.30 Uhr mit einem Festvortrag von Matthias dall´Asta zum Thema „500 Jahre Augenspiegel“ eröffnet. Am Samstag, 19. März, führen der neue Reuchlin-Beauftragte Christoph Timm und Jürgen Wahner (Freunde der Schlosskirche e.V.) durch das Museum Johannes Reuchlin. Im zwei-jährigen Wechsel wird der Reuchlinpreis verliehen, der in diesem Jahr in das offizielle Jubiläumsprogramm mit aufgenommen werden konnte. Die Festveranstaltung mit Vortrag findet am Samstag, 9. Juli, im Stadttheater statt.

Erscheinen soll auch ein Ausstellungsbuch zum Museum Johannes Reuchlin (120 Seiten), das vom Verein Freunde der Schlosskirche und dem städtische Kulturamt herausgegeben wird. Als weitere Aktivitäten im Jubiläumsjahr sind eine Sonderausstellung „Johannes Reuchlin und die Kampagne zur Vernichtung der jüdischen Bücher“ und eine

Tagesexkursion zur kabbalistischen Lehrtafel in Teinach und zur Leonhardskirche in Stuttgart geplant. Das größte Event zum 500jährigen Geburtstag des Augenspiegels findet aber wohl am Mittwoch, 18. Mai, in der deutschen Bundeshauptstadt statt. Dann wird es in der baden-württembergischen Landesvertretung in Berlin einen eigenen Festakt geben, bei dem auch der neue Reuchlin-Beauftragte mit dabei ist.