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Im Fokus von Lidl: der ehemalige ZG-Bau mit Zollgüterhalle. Foto: Seibel
Im Fokus von Lidl: der ehemalige ZG-Bau mit Zollgüterhalle. Foto: Seibel
02.03.2017

Denkmalschutz hat Vorrang – Kann Lidl nicht bauen?

Nicht nur Regine Hahn, langjährige ehemalige Vorsitzende des Bürgervereins Nordstadt, fragt sich: „Was tut sich eigentlich beim ZG-Areal Am Hauptgüterbahnhof?“ Regelmäßig hakt die PZ nach: bei der Stadt als unterer Denkmalbehörde, die der Auffassung ist, das Ensemble der vor rund 100 Jahren erbauten Zollhalle – bestehend aus einem Beton- und einem Sandstein-Teil – sei denkmalwürdig (und bekommt von der Landesdenkmalbehörde in Stuttgart recht).

Bei Lidl, denn der Discounter will raus aus dem bisherigen Domizil an der Hohenzollernstraße und Am Hauptgüterbahnhof bauen und hat einen Kaufvertrag abgeschlossen – allerdings unter Vorbehalt. Schließlich ist auch immer wieder das Regierungspräsidium ein Gesprächspartner – denn diese Behörde musste abwägen zwischen dem Denkmalschutzgedanken und den wirtschaftlichen Interesse Lidls, denn das Unternehmen hatte Widerspruch gegen das Pro-Denkmalschutz-Votum des Landes eingelegt.

Nun endlich etwas Neues: Das Regierungspräsidium, so Sprecher Uwe Herzel zur PZ, habe den Widerspruch von Lidl zurückgewiesen. Nach Abwägung aller Gesichtspunkte sei man zu dem Schluss gekommen, die Erhaltung der unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Zollhalle sei zumutbar. Lidl kann nun binnen eines Monats beim Verwaltungsgericht Karlsruhe gegen diese Entscheidung klagen. Ob der Discounter dies tun wird? Oder ob er in der Nordstadt am bisherigen Standort bleibt? Ob er einen Versuch unternimmt, eine architektonische Brücke zwischen Neubebauung und Erhaltung des Kulturguts wagt? Ob was dran ist an den ständig herumgeisternden Gerüchten, Lidl liebäugele mit dem bisherigen famila-Ost-Standort? Das hätten wir gerne gewusst. Zur Antwort kam, man prüfe und bewerte „mögliche Vorgehensweisen“ – und bittet wiederholt um Verständnis, dass man sich derzeit nicht dazu äußern könne. Von der Stadt wiederum wollten wir wissen, ob es für den Fall, dass Lidl ausscheidet, Pläne gibt, wie das Areal bebaut werden kann. Schon einmal hatte die Stadt das Grundstück haben wollen, um bei der Neugestaltung den Daumen drauf zu haben – was an den unterschiedlichen Preisvorstellungen des (mittlerweile insolvent gegangenen) ehemaligen Besitzers einerseits und der Stadt andererseits scheiterte.

Der Stadt-Pressesprecher Michael Strohmayer äußert sich diplomatisch: Man freue sich über das Engagement von Lidl, insbesondere die Leerstandssicherung mit Blick auf den Denkmalschutz und die Sicherheit – aber nun sei der Discounter am Zug. ol

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