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19.05.2008

Der Ekel wartet vor der Haustür - Invasion der Tausendfüßler

PFORZHEIM. Tausendfach meldet sich ein altes Problem am Haferweg zurück: In Kolonnen sind hier Tausendfüßler unterwegs und sorgen bei Anwohnern für Ekelgefühle. Stadträte haben sich inzwischen eingeschaltet.

Auf dem Grundstück der Eheleute Alfred und Magda Alt und drei weiteren Ehepaaren in der Krebspfadsiedlung kriecht und fleucht es wie im Vorjahr, weil sich die Tausendfüßler von einem angeblich schützenswertem Biotop der Stadt explosionsartig vermehren und auf Wanderschaft gehen. Das städtischen Gelände, auf dem viele Jahre lang Bioabfälle entsorgt wurden, sei ein idealer Nährboden für die Biester – das sagen Käfer-Experten.

Hilft die Rodung?

Die Stadt hatte einen Teil des Mülls im vergangenen Jahr entsorgt und ein Pulver ausgelegt, doch ohne dauerhaften Erfolg. „Jeden Abend werden Hunderte Tiere zusammengekehrt und von den Hauswänden und in der Garage entfernt“, beschreiben die Stadträte Jürgen Schroth (SPD) und Gerhard Hager (Freie Wähler) in einem Brief an die Oberbürgermeisterin die Situation. „Das Umweltamt sollte alles unternehmen, um die Plage abzustellen. Das verwahrloste Gelände, das durch den Blattwuchs optisch aufgehübscht ist, sollte unbedingt gerodet werden“, fordern die Stadträte.

Das Problemgebiet, früher eine Wiese, ist etwa 80 Meter lang und 15 Meter breit. „In seiner Funktion ist es nichts anderes als Sichtschutz für einen angrenzenden Baulagerplatz von der nahen Autobahn aus gesehen“, erklären die Stadträte. Diese Brutstätte für die Tiere mit dem lateinischen Namen „Diplopoda“ ist nach Ansicht von Universitäts-Experten flächenartig, etwa 30 Zentimeter tief über das ganze Gehölz verbreitet, „und nicht, wie das Umweltamt mitteilt, eine explosionsartige Vermehrung in Nestern“, so Schroth und Hager.

Ein Verbotsschild für Bioabfälle sei zwar vorhanden, „doch leider ohne Erfolg, wie wir uns bei einem Ortstermin überzeugt haben“, betonen sie . Die Familie Alt habe sich hilfesuchend an sie gewandt und die Gemeinderatsfraktionen um Unterstützung gebeten, weil sie sich vom Umweltamt im Stich gelassen fühle.

„Kein Handlungsbedarf“

Armin Aydt vom Umweltamt erklärte, dass er keinen Handlungsbedarf sehe. Nach wie vor gelte das, was schon im Vorjahr festgestellt worden sei. Er bezweifle, dass das Problem von dem städtischen Grundstück ausgehe. Es könne auch ein Nachbargrundstück, das unmittelbar an das städtische Flurstück angrenze, dafür verantwortlich sein. Magda Alt sieht das anders und hat einen Rechtsanwalt des Verbandes Wohneigentum sowie das Umweltministerium eingeschaltet.