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Der Große Fritz von der Mess.
Der Große Fritz von der Mess © Ketterl
09.06.2011

Der Große Fritz von der Mess

PFORZHEIM. Wie kein zweiter Schausteller-Name steht Fritz Haas als Synonym für die Pforzemer Mess. Der in Pforzheim geborene langjährige Obmann der Schausteller auf der Mess, der jahrzehntelang die Gewinner des Weinachtsmarkt-Gewinnspiels mit seiner Cessna über den Messplatz geflogen hat, feiert am 14. Juni seinen 70. Geburtstag.

„Anstelle einer aufwendigen Geburtstagsfeier wollte ich einmal etwas anderes machen“, sagte sich die Schausteller-Legende. Die frühere Stadträtin Hella Marquardt brachte ihn bei einem Glas Wein auf die Idee, bedürftigen Menschen in Pforzheim zu helfen. „Ich nahm ihre Anregung gerne auf“, sagte Haas und spendete 10 000 Euro für soziale Einrichtungen in Pforzheim. Den Scheck übergab er gestern bei einer kleinen Feier mit Freunden an Oberbürgermeister Gert Hager, der dafür gerne im Autoscooter auf der Mess Platz nahm. „Das Geld wird an das soziale Hilfswerk Pforzheim weitergereicht, die Menschen in Notlagen helfen“, sagte der OB. „Es ist eine großartige Tat, auf eine Geburtstagsfeier zu verzichten und an bedürftige zu denken“, sagte er. „Der Fritz hat schon immer an Bedürftige gedacht – auch bei seinen Rundgängen auf der Mess mit Senioren, Behinderten und Waisenkindern“ so Marquardt. Der frühere Marktmeister Wolfgang Stiegele charakterisierte den „Autoscooter König“ mit den Worten: „Da wollten unserem Fritz an einem seiner früheren Geburtstage, die er ja alle auf der Pforzemer Mess feiert, im feinen Zwirn gratulieren, aber das Geburtstagskind musste erst gesucht werden.“ Es habe sich dann herausgestellt, „dass Fritz Haas einem Schaustellerkollegen einen defekten Hydraulik-Schlauch repariert hatte“. Und im denkwürdigen Jahr 1991, als der frühere Marktmeister Wolfgang Stiegele wegen eines Herzinfarkts ins Krankenhaus kam, half Fritz Haas dem damals unerfahrenen und jungen Marktmeister-Stellvertreter Marc Pfrommer bei der gesamten Mess-Planung. Mit dem Fahrrad in die Klinik Ohne Fritz Haas ist die Pforzemer Mess eben kaum vorstellbar. Humor und Hilfsbereitschaft und ein großes soziales Herz sind seine Markenzeichen. Der Mann der sich immer zu helfen weis, ist ein König der Improvisation. Als einmal bei einem Mess-Rundgang keine Schnapsgläser zur Hand waren, nahm Fritz Haas einen Mohrenkopf, drückte seinen Daumen hinein und bitteschön – da war ein süßer Glas-Ersatz, der hinterher nicht einmal mehr abgespült werden musste. So ist Fritz Haas – das Original von der Pforzemer Mess. Was für ein Glück, dass seine Mutter Gertrud Seine Mutter Gertrud hat vor fast 70 Jahren den kleinen Fritz im Städtischen Klinikum entbunden hat. Sie war damals selber mit dem Fahrrad ins Krankenhaus gefahren. Aus dem kleinen ist inzwischen der große Fritz geworden, der mit viel Humor und flotten Sprüchen auf der Pforzheimer Mess die Stimmung hochhält – und das selbst im angeschlagenen gesundheitlichen Zustand. Im Fahrgeschäft von Fritz Haas und seiner Tochter Ariane Haas-Bruch melden sich oft ältere Pforzheimer, die sich früher am Autoskooter kennengelernt, geheiratet und dann das gemeinsame Eheglück gefunden haben. Sie suchen ihre erste Knutsch-Ecke am „Autoskooter Number 1“ vielleicht genau an der Stelle, wo früher Fritz Haas seine Hannelore geküsst hat, die später seine Ehefrau wurde. Im Jahr 1966 wurde in Bruchsal geheiratet. Das Familienunternehmen Haas wuchs mit den Kindern Susanne und Ariane. Die 1968 geborene Susanne ist heute Lehrerin, und die 1974 geborene Ariane ist in die Fußstapfen ihres Vaters getreten. Vor zehn Jahren feierte er im Dachgartensaal des „Parkhotels“ seinen 60. Geburtstag – da, wo man einen Überblick auf Pforzheim hat und man sich fast wie ein Flieger in einer Cessna fühlen darf, wenn man auf das blickt, was einem zu Füßen liegt.
Und die Goldstadt liegt Fritz Haas zu Füßen, auch wenn er inzwischen der Mess-Opa mit sechs Enkelkindern ist.