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21.10.2012

Der Kommentar: OB-Wahl in Stuttgart - Desaster für die CDU

Man möchte nicht in der Haut von Stefan Kaufmann stecken. Der Stuttgarter CDU-Kreisvorsitzende hatte Sebastian Turner vorgeschlagen – und hat damit gründlich danebengelangt.

Dem Kandidaten von CDU, Freien Wählern und FDP ohne Parteibuch, der seine Millionen in der Werbung verdient hat, fehlte es letztlich im Vergleich zum Grünen Fritz Kuhn an entscheidender emotionaler Qualität: Auch wenn Turner in Sachen Wirtschaftskompetenz Kuhn klar voraus war, ihr Vertrauen schenken mochten die Wähler viel lieber dem Grünen. Bodenständiger Politprofi schlägt spröden Werbemillionär – überraschen muss einen das eigentlich nicht: Wenn einen das Leben in der Politik eines lehrt, dann doch, wie man am besten mit den Leuten schwätzt.

Auch die CDU hätte das vorher wissen können und müssen. Und sie kann sich jetzt auch nicht damit herausreden, dass Turner ja gar kein CDU-Mann ist. Umso schlimmer! Hatte die große CDU Baden-Württemberg, die die Geschicke des Landes die letzten Jahrzehnte bestimmt hat, denn niemand anderes aufzubieten? In der Tat: Es sieht mau aus in ihren Reihen. Ein Andreas Renner wäre noch dagewesen – aber den wollte man nicht haben. Aber sonst? Ein großes Fragezeichen.

Fest steht: Der zweite symbolträchtige Sieg der Grünen im Land ist ein Desaster für die CDU und ein Armutszeugnis für ihre Personalpolitik der letzten Jahre. Zu allem Überfluss scheint ihr – nach dem verloren gegangenen Selbstvertrauen – auch noch der politische Instinkt abhanden gekommen zu sein.

Nun also werden Land und Landeshauptstadt von zwei Grünen regiert: Der vermeintlich auf ewig schwarze Südwesten scheint ergrünt – naja, nicht ganz. Aber es hat sich etwas getan im Land: Die Badener und die Schwaben wählen längst nicht mehr jeden Kandidaten, den die CDU aufstellt.

Die Stadt Stuttgart wird von einem Oberbürgermeister Kuhn nicht völlig umgekrempelt werden. So viel kann man nach einem Jahr Grün-Rot im Land schon sagen – übrigens: Auch die Erfahrung mit der Regierung Kretschmann dürfte Kuhn gestern für die Stuttgarter noch wählbarer gemacht haben. Nachhaltig verändert wird dagegen die politische Landschaft im Land. Seit gestern noch ein bisschen mehr.

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