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12.08.2009

Der Schrecken hat ein Ende

PFORZHEIM/BIRKENFELD. Es ist wohl vorbei. Der mutmaßliche Feuerteufel von Pforzheim, der elf Brände gelegt haben soll, sitzt hinter Gittern. Er ist 49 Jahre alt, wohnt in Birkenfeld und wurde am Dienstag festgenommen. Die Polizei hatte bereits am Montag einen entsprechenden Hinweis erhalten.

Als die Beamten in die Nordstadt-Kneipe kamen, hinter Bernhard S. (Name geändert) traten und sich auswiesen, reagierte er nicht feindselig oder ungläubig. Er war betrunken. Die Beamten waren sich sicher: Sie hatten den mutmaßlichen Brandstifter von Pforzheim.

Aggressiv – wenn er ist, wofür ihn Kripo und Haftrichter halten – soll er hingegen in vier Nächten vorgegangen sein: S. soll verantwortlich sein für elf Brände in der Nordstadt und Eutingen, bei denen ein Gesamtschaden von rund 170 000 Euro entstand. In der Untersuchungshaft, die der Haftrichter am Mittwochvormittag auf Antrag der Staatsanwaltschaft anordnete, soll S. psychologisch untersucht werden. Wenn sich nach Auswertung der DNA-Spuren die Verdachtsmomente erhärten, wird die Frage sein, ob man ihn wegen schwerer Brandstiftung anklagt, oder ob die Staatsanwaltschaft die Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt beantragen wird.

„Er war völlig frustriert – und dann war da reine Aggression“, so Hans Jäger, Leiter der zuständigen Kriminalinspektion, die bei den Ermittlungen federführend war. Frust aus Liebeskummer? Nach PZ-Informationen hatte seine Freundin den 49-Jährigen zugunsten eines anderen Mannes verlassen. Als er vor ihrer Wohnungstür stand, öffnete niemand. Da muss S. ausgerastet sein. Der Wahnsinn begann. Am Montag vergangener Woche stand um 3.45 Uhr die erste Garage am Oberen Wingertweg in Flammen. 20 Minuten später soll S. an der Grashofallee – keine 200 Meter weiter – ein Motorrad geklaut und damit ohne Licht und im Leerlauf hinabgerollt sein an die Gymnasiumstraße. „Der musste doch damit rechnen, dass wir oder die Feuerwehr ihm entgegenkommen“ – Jäger kann es noch immer nicht fassen: „Der muss frei von Angst gewesen sein.“ Die Kripo vernahm Zeugen, befragte Nachbarn und Betroffene. Jäger: „Das hatte schon fast etwas von psychologischer Betreuung.“

Schon früh war klar – nach drei Brandstiftungen in einer Nacht: Man hatte es mit einem außergewöhnlichen Täter zu tun. Zunächst gerieten Jugendliche ins Visier – vielleicht eine alkohol- oder drogenbedingte Tat aus Übermut? Spätestens seit dem ersten Brand in der Eutinger Gartenstadt, wo ein Sperrmüllhaufen in Brand gesteckt wurde, waren sie aus dem Schneider – sie hatten ein Alibi.

Dafür rückte der Birkenfelder ins Visier. Er mache gern Feuerchen im Garten, sagen die Leute im Dorf. Die Polizei schaute im Computer nach. Von Brandstiftung stand nichts in der Dokumentation seines Vorlebens – dafür Dutzende Male etwas von Körperverletzung, Sachbeschädigung, Diebstahl. Auch die Justiz kennt den Arbeitslosen – er ist mehrfach vorbestraft, alkoholkrank und in der entsprechenden Szene bekannt wie ein bunter Hund.

Lob von OB Hager

„Persönlich sehr froh“ zeigt sich Polizeichef Burkhard Metzger, der Verständnis für die Verunsicherung der Bevölkerung hat. Er hatte die Ermittlungsgruppe „Brand“ mit sechs erfahrenen Kripo-Beamten ins Leben gerufen. Sowohl er als auch Oberbürgermeister Gert Hager (der sich offiziell im Urlaub befindet), loben die Arbeit der Beamten der Feuerwehr und der Polizei, die nachts nach wie vor verstärkt Streife fährt, weil man Nachahmungstäter fürchtet.