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Auf dem Podium: Alexandra Baur (Frauen Union), Günter Busch (Die Linke), Dekanin Christiane Quincke, Leni Breymaier (ver.di), Annkathrin Wulff (SPD), Erik Schweickert (FDP) und Katrin Lechler (Bündnis 90/Die Grünen, von links) diskutieren in der Thomaskirche über Sonntagsarbeit.  Foto: Ketterl
Auf dem Podium: Alexandra Baur (Frauen Union), Günter Busch (Die Linke), Dekanin Christiane Quincke, Leni Breymaier (ver.di), Annkathrin Wulff (SPD), Erik Schweickert (FDP) und Katrin Lechler (Bündnis 90/Die Grünen, von links) diskutieren in der Thomaskirche über Sonntagsarbeit. Foto: Ketterl
17.11.2015

Der freie Sonntag in der Diskussion

Ob Pfleger, Pfarrer oder Lokführer – mehr als ein Viertel der Berufstätigen arbeitet heute an Sonntagen. „2012 waren es 28,6 Prozent“, führte Moderator Michael Lehmann in die Talkrunde von Gewerkschaften und evangelischer Kirche unter dem Motto „Ohne Sonntag gibt’s nur noch Werktage“ in der Thomaskirche ein. Eine, die selbst sonntags arbeitet, ist die evangelische Dekanin Christiane Quincke. Die Pfarrerin sprach von einer „neuen Form der Versklavung“ und forderte – wo immer möglich – eine „kollektive Auszeit“ an Sonntagen. „Schließlich besteht das Leben aus mehr als nur meiner Arbeitskraft.“

Dem schloss sich Leni Breymaier, Landesbezirksleiterin bei ver.di, an. Wenn auch in etwas energischerem Ton. Für sie stand an diesem Abend fest: „Sonntagsarbeit ist nur für diejenigen notwendig, die sich um andere Menschen kümmern müssen. Alles, was darüber hinaus geht und dem Vergnügen dient, ist nicht akzeptabel.“ Auch per Gesetz. Der Sonntag sei für Kultur und Begegnungen vorgesehen. Beides vereint das Theater. Auch dort wird sonntags gearbeitet. Katrin Lechler, Landtagskandidation der Grünen, arbeitet am Theater. „Wir sorgen im Grunde dafür, dass die Menschen ihren Sonntag so verbringen, wie er ursprünglich gedacht ist – mit Zerstreuung.“

Linken-Landtagskandidat Günter Busch schloss sich dem an: „Der freie Sonntag gehört zu unserer Werteordnung.“ Es brauche gesellschaftliche Strukturen, die nicht nur ökonomisch, sondern auch lebenswert sind. Anderer Meinung war Erik Schweickert, der stellvertretende FDP-Landtagskandidat: „Mir ist der Arbeitsmarkt nicht flexibel genug“, sagte er.

Auch die verkaufsoffenen Sonntage standen in der Diskussion. „Kleine Unternehmen stoßen hier aufgrund der geringen Mitarbeiterzahl an ihre Grenzen“, äußerte Annkathrin Wulff, SPD-Landtagskandidatin. „Den Euro, den der Kunde am Sonntag ausgibt, kann er am Dienstag nicht mehr ausgeben“, betonte Alexandra Baur, Vorsitzende der Frauen-Union. Die derzeitigen Öffnungszeiten seien mehr als ausreichend, das Arbeitszeitgesetz müsse viel eher unter die Lupe genommen werden.

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